Familie verliert ihr Zuhause

Jugendliche fliehen vor Abriss-Bagger aus ihrem Haus

Es ist gegen Mittag als der Baggerarm ins Haus langt und die Bewohner in Todesangst versetzt. Dabei sollten in Malchow doch nur eine Mauer und Anbauten weichen.
Dort waren sie zuhause: Die Besitzerin Heidrun Borngräber (Mitte) ist fassungslos: "Nicht auszudenken, was hätte passieren können."
Dort waren sie zuhause: Die Besitzerin Heidrun Borngräber (Mitte) ist fassungslos: "Nicht auszudenken, was hätte passieren können." Carina Göls
Der Bagger riss die Wand aus dem Haus.
Der Bagger riss die Wand aus dem Haus. Felix Gadewolz
Malchow

„Meine Kinder hätten tot sein können.“ Heidrun Borngräber ist fassungslos. Dort, wo bis vergangenen Donnerstag ihr Zuhause und das ihrer Kinder Marie (19) und Maik (17) war, steht nur noch eine Ruine.

Ihre Kinder und sie seien gerade in dem denkmalgeschützten Haus gewesen, als der Bagger in Schlafzimmer und Flur griff und es immer so weiter zu gehen schien. Baggerbiss für Baggerbiss hatter sich in der vergangenen Woche vom Hof ins Haus gefressen. „Wir sind rausgerannt und haben Stopp gerufen, aber die haben immer weiter gemacht“, erzählt Marie immer noch verstört. Erst als sie und ihr Bruder die Polizei alarmiert und diese Baustopp verhängt hätte, habe der Spuk ein Ende gehabt. 

So habe sie das nicht unterschrieben

Olaf Ziems von der gleichnamigen Malchower Firma lässt das nicht auf sich sitzen: „Wir hatten einen Auftrag und den haben wir ausgeführt. Und Leute waren nicht in dem Haus. Das war schon vorher einsturzgefährdet. Die Eigentümerin hat alles unterschrieben, das ist für mich verbindlich.“

„Es sollten nur die Brandschutzmauer und ein paar alte Anbauten eingerissen und neu hoch gezogen werden. Dafür hatte ich der Stadt mein Einverständnis gegeben“, sagt jedoch Heidrun Borngräber. Die 52-Jährige habe „nicht im Traum daran gedacht, ihr Haus in der Kurzen Straße in Malchow abreißen zu lassen. Warum auch, ich wohne seit 33 Jahren darin.“

Nach dem Teil-Abriss habe sie am Donnerstag Hals über Kopf in eine Ferienwohnung ziehen müssen, die die Kommune ihr zur Verfügung gestellt habe. „Aber aus der sollen wir nun auch schon wieder raus, wie der Bürgermeister uns am Sonntag wissen ließ“, klagt Heidrun Borngräber. Die Stadtverwaltung in persona von Bürgermeister René Putzar (parteilos) habe den Dreien den Lkw für den Umzug vors Haus gestellt. Mehr nicht. „Dabei sind wird nicht Schuld an dem Dilemma. Wir haben alles verloren“, klagt die 52-Jährige.

Der Anwalt ist bereits eingeschaltet worden

Nach der Arbeit habe sie am Donnerstag bis nachts um 1 aus dem Haus getragen, was zu tragen war. „Es ist noch sehr viel Persönliches im Haus, selbst unsere Papiere. Es fühlt sich an wie auf der Flucht nach einem Erdbeben. Wir haben ja seit dem ersten Baggerangriff noch drei Nächte in dem einsturzgefährdeten Haus schlafen müssen. „Ich hatte riesige Angst und hab‘ meine Mutter immer wieder geweckt“, erzählt Marie.

Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass ein Denkmalhaus an einen Bagger gerät und eine Familie in Gefahr? Auftraggeber des Abrisses sei die Stadt Malchow. Bürgermeister René Putzar (50) war dafür am Montag nicht zu sprechen. Er ist im Urlaub und erst in drei Wochen wieder am Platz. Bis dahin werde es keine Auskunft geben, hieß es aus dem Rathaus.

Schon jetzt hat Heidrun Borngräber einen Anwalt eingeschaltet. „Wir werden Strafanzeige wegen der Gefährdung von Leib und Leben sowie der Beschädigung von Eigentum stellen. Und das ist strafbar“, sagte Dieter Johannes Schadewald (58) aus Rostock. „Ich habe so einen Umgang mit Menschen in einer Kommune noch nicht erlebt. Das ist eine äußerst fragwürdige Aktion.“ Das habe Anwalt Schadewald dem Bürgermeister noch am vergangenen Donnerstag deutlich zu verstehen gegeben.

Mittlerweile hat sich auch Malchows Bürgermeister René Putzar zu dem Vorgang geäußert.

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Kommentare (2)

Wenn man das Bild betrachtet, ist es eine Ruine, und lebensgefährlich, sich da aufzuhalten, beim nächsten Hagelsturm fällt es zusammen

Einfach mal an staatenlos.info sich wenden und Strafanzeige gegen alle beteiligten Personen in Moskau stellen! Ob Bürgermeister oder Abrissfirma, die ticken nicht mehr richtig und müssen vor ein Militärgerichtshof gestellt werden.