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Kein Platz für Flüchtlinge in Waren

In Waren-West wurden ganze Wohnblöcke erst vor Kurzem gar um ein paar Etagen verkleinert. Nun wird es knapp mit dem Platz, wenn Asylbewerber in Waren Wohnungen brauchen.
In Waren-West wurden ganze Wohnblöcke erst vor Kurzem gar um ein paar Etagen verkleinert. Nun wird es knapp mit dem Platz, wenn Asylbewerber in Waren Wohnungen brauchen.
Carina Göls/NK-Grafik

Ohne Heimat, fremd, eine Flucht voller Angst überstanden, bleibt den Menschen, die Asyl suchen, meistens eines: die Hoffnung. In Waren allerdings stirbt selbst die. Im Rathaus scheint man nicht bereit, Ausländer aufzunehmen. Doch was jahrelang funktionierte, lässt auch der Landkreis nicht mehr durchgehen.

Geht es um Platz für Asylbewerber, dann macht sich Waren bisher rar. So gern die Perle an der Müritz beim Tourismus, dem Städtebau und der Wirtschaft strahlen möchte, in der Ausländer-Politik ist sie bis dato unsichtbar. Jahrelang mit Erfolg. Denn, so bestätigte die Stadtverwaltung, Asylbewerber wurden hier noch nicht aufgenommen. Auch nicht, als es mit Blick auf die Bürgerkriege dieser Welt immer wahrscheinlicher wurde, dass fremde Menschen Hilfe brauchen würden.

Während man beispielsweise in dem 6600-Seelen-Städtchen Malchow etwa 40 Asylbewerbern ein Zuhause gab, rissen Politik und Verwaltung aus der Müritzstadt bis zum vergangenen Jahr die Arme hoch: „Wir haben keinen Platz, keine Wohnungen.“ Die Litanei kam an, selbst bei der Verwaltung des Landkreises. Diese ist zwar nach eigenen Angaben nicht befugt, Kommunen zu verpflichten, Asylbewerber aufzunehmen. Aber, so war von Pressesprecherin Haidrun Pergande auf Anfrage weiter zu erfahren, „man setzt auf Einsicht und Hilfe der Gemeinden und Städte.“ Für 128 Asylbewerber hatte man sich diese bereits im vergangenen Jahr gewünscht. Aufgenommen davon wurde nicht einer: „Kein Platz“. Für dieses Jahr steht die Zahl unverändert im Raum – nun haben sich Stadt und Landkreis auf 60 Asylbewerber geeinigt.

Gegenvorschlag: In den Dörfern steht doch viel leer

Was bis vor wenigen Tagen noch unmöglich schien, gerät nun zumindest ein wenig in Fahrt: „Vier Drei-Raum-Wohnungen werden nun auf dem Papenberg von der TAG Immobilien AG aus Waren zur Verfügung gestellt“, informiert Dietmar Henkel, Chef des städtischen Ordnungsamtes. Sie seien etwa 65 Quadratmeter groß. Zudem habe die Wogewa, eine hundertprozentige Tochter der Stadt, nun doch noch zwei Wohnungen für Asylbewerber aufgetan.

Warum es mit dem Wohnen für Fremde in Waren so schwer ist, das versucht Mike Albrecht, Geschäftsführer der Warener Wohnungsgenossenschaft, zu erklären und hat auch gleich eine Idee: „Es ist kein böser Wille und wir haben auch nichts gegen Asylbewerber, aber wir haben nun mal keinen Leerstand. Selbst unsere Genossenschaftsmitglieder, die natürlich bevorzugt behandelt werden, stehen auf Wartelisten. Aber in den Dörfern gibt es doch viele leere Wohnungen. Man könnte doch überlegen, einige Asylbewerber auch dort unterzubringen. Mit dem Bus müssen doch auch die anderen Kinder in die Schule fahren.“

Nichts da, heißt es in solchen Fällen aus der Kreisverwaltung. Integration bedeute, dass die Menschen zentral wohnen und nicht auswärts und außerhalb. Für Waren ist Henkel skeptisch, dass die zu erwartenden 60 Menschen eine Bleibe finden. „Wenn wir nach jetzigem Stand alles zusammenrechnen, dann könnten wir maximal 45 bis 50 Leute aufnehmen.“