STRAßENVERKEHR AN DER MÜRITZ

Keine Chance für Tempo 30 in Warener Marx-Straße

Statistiken besagen, dasss täglich rund 4000 Fahrzeuge durch die Warener Karl-Marx-Straße fahren, wo sich Autos und Radfahrer den Asphalt teilen müssen. Anwohner fordern eine Drosselung des Tempos, doch die Stadt sieht keine Gründe dafür. Befürworter hegen trotzdem noch Hoffnung.
Blick in die Karl-Marx-Straße von Waren.
Blick in die Karl-Marx-Straße von Waren. Susann Salzmann
Anwohner beschweren sich hier immer wieder über Raser.
Anwohner beschweren sich hier immer wieder über Raser. Susann Salzmann
Wann die Polizei hier zuletzt auf Raserjagd war, ist unklar. Dokumente über Messungen in jener Straße finden sich l
Wann die Polizei hier zuletzt auf Raserjagd war, ist unklar. Dokumente über Messungen in jener Straße finden sich laut Neubrandenburger Polizeiinspektion nicht. Susann Salzmann
Waren.

Für eine Drosselung der Geschwindigkeit in der Karl-Marx-Straße in der Warener Westsiedlung gibt es nach Sicht der Verwaltung keine Gründe, die dies rechtfertigen. Das erklärte Ordnungsamtsleiter Dietmar Henkel jüngst öffentlich im Umweltausschuss. Liliana Gamba von der Bürgerinitiative aus der Karl-Marx-Straße reagierte empört auf das Ergebnis, das rund drei Jahre lang auf sich hat warten lassen.

Im Jahr 2017 forderte die Bürgerinitiative mehr Sicherheit für Radfahrer, Fußgänger und auch Autofahrer sowie weniger Lärm und dafür mehr Lebensqualität in der Karl-Marx-Straße. Auf der gut 700 Meter langen Straße soll das Tempo von derzeit 50 auf 30 Stundenkilometer heruntergesetzt werden. Vor dem Warener Umweltausschuss musste die Anrainerin nun dieselben Absage-Gründe wie schon vor drei Jahren hören. Lärm und Gefahr rechtfertigten die niedrigere Geschwindigkeit nicht, so Henkel.

Der Ordnungsamtsleiter zog mit Zahlen ins Feld: so häuften sich in den letzten Jahren die Unfälle in jener Sammelstraße, in der Fahrzeuge aus mehreren Querstraßen einmünden, nicht. Im Gegenteil: 2017 wurden zwei Unfälle und 2018 sowie 2019 sogar nur ein Unfall registriert. Zudem besteht laut Prüfung durch die Stadt als zuständiger Straßenverkehrsbehörde keine erhöhte Gefahr für Radfahrer und Fußgänger. Radfahrerin Gamba und auch Jutta Gerkan (B90/Grüne) als Vorsitzende des Umweltausschusses sahen das anders. „Es ist sehr eng, dort zu fahren und ich sehe öfters Erwachsene, die aus Angst vor einem Unfall auf den Gehwegen fahren”, zeigte Gerkan Verständnis für die Problematik und schlug zusammen mit Sven Boldt (FDP/MUG-Fraktion) die Möglichkeit von Straßen-Ausbuchtungen ähnlich wie in der Warener Goethe- oder Kietzstraße vor.

Die Bürgerinitiative will weiter kämpfen

Trotz allem gibt es aber laut Verwaltung (derzeit) keine Handlungsoption. Weder die Einbettung in eine bestehende Tempo-30-Zone noch eine lärmbedingte Geschwindigkeitsreduzierung kommt infrage. „Berechnungen ergaben, dass auch bei einer Verdopplung der Verkehrsbelastung die Richtwerte der Lärmschutz-Richtlinien-StV unterschritten werden”, legte Henkel dar. Die Entscheidung der Stadt zweifelt Anwohnerin Gamba an. Dabei beruft sie sich auf unterschiedliche Daten. Die maximalen Dezibel-Werte lägen in der Karl-Marx-Straße tags bei 66, nachts bei 55 Dezibel. Würde die 16. Verordnung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes angewendet, würden die Grenzwerte in der Straße eindeutig überschritten. Stattdessen wird die Lärmschutz-Richtlinie mit Maximalwerten von 70 Dezibel tagsüber und 60 nachts als Messlatte angelegt.

Liliana Gamba und ihre Mitstreiter wollen weiter für eine Tempo-30-Zone vor ihrer Haustür kämpfen. Sie werden insbesondere durch die Aussicht motiviert, dass der von Verkehrsexperten erstellte Lärmaktionsplan (LAP) für die Karl-Marx-Straße Tempo 30 in ihrer Straße vorsieht. Bis dahin, sagte Gamba, seien „Ausbuchtungen das Minimale, was man sofort tun sollte”. Und die Radfahrerin gab noch etwas zu bedenken mit Verweis auf offizielle Statistiken: Wird statt 50 nur noch 30 gefahren, dann schlage das mit einem Zeitverlust von etwa 30 Sekunden zu Buche.

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