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Keine Torschlusspanik, aber Wehmut

Bei Rettungsschwimmer Henry Reinharz stellen sich allmählich gemischte Gefühle ein. Er hofft, dass er auch nach dem 1. September Arbeit findet - vorübergehend, bis die Therme wieder öffnet. Enders
Bei Rettungsschwimmer Henry Reinharz stellen sich allmählich gemischte Gefühle ein. Er hofft, dass er auch nach dem 1. September Arbeit findet - vorübergehend, bis die Therme wieder öffnet. Enders

Noch eine Woche, exakt bis zum 31. August, hat die Müritz-Therme ihre Pforten geöffnet. Danach kehrt Ruhe ein, bis die Baumaschinen den Ton angeben. Noch werden aber keine Badesachen in den Schränken verstaut. Alles läuft wie immer - zumindest fast.

Das Haar zum Zopf gebunden, das orange-farbene T-Shirt mit dem Logo der Müritz-Therme an: Noch ist für Henry Reinharz ein ganz normaler Arbeitstag. Der 52-Jährige steht am Beckenrand, die Augen aufmerksam auf die Schwimmer gerichtet.

Ob ihm schon anders wird, jetzt, wo die Beckenkopf-Sanierung unmittelbar bevorsteht? „Ich hab‘ mich noch nicht wirklich damit befasst“, winkt der Rettungsschwimmer ab. „Das wird einem erst bewusst, wenn der 1. September da ist.“

Und wahrlich, dass die Müritz-Therme in wenigen Tagen schließt, ist im Bad noch nicht zu spüren. Eine Physiotherapie-Gruppe um Therapeutin Katrin Dallmann macht Übungen. Mit Bade-Nudeln wird das Wasser durchpflügt. Ob ein Foto möglich sei für die Zeitung? „Wenn es beiträgt, dass die Therme bald wieder aufmacht“, ruft eine Frau lächelnd. Dann nicken alle und sind einverstanden.

Indes will Thermen-Geschäftsführer Marko Lüders von der Fun GmbH von Torschluss-Panik nichts hören. Bis zum letzten Tag soll der Badegast die Therme so nutzen können, wie er sie kennt. Jetzt schon zusammenzupacken und manche Schwimm-Utensilien einzumotten, davon hält Marko Lüders nichts. Alle Kurse würden planmäßig laufen, Wassergymnastik, Babyschwimmen. Selbst die Gutscheine blieben gültig. Dennoch, am 1. September ist erst mal Ebbe.

Auch Schulleiterin Jutta Lorenz ist in Badekluft. Gerade hat ihre Fünfte, deren Klassenleiterin sie ist, die Schwimmstufenprüfung absolviert. Zwei Kinder haben sogar Bronze geschafft, alle anderen bis auf zwei ihr Seepferdchen. Familie Wenning indes plagen noch andere Sorgen. Die Bootsurlauber aus Legden (Nordrhein-Westfalen) sind eifrig dabei, mit ihren Kindern vom Startblock Köpper zu üben. Ein erholsamer Tag in der Röbeler Therme gehöre zu einem Urlaub dazu. Dass die Einrichtung bald schließt, davon wussten sie allerdings nichts. Hier ist eben alles wie immer - noch bis 31. August.