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„Kerniger Mecklenburger“ stirbt auf dem Weg zur Leipziger Messe

Der Grabstein der Familie Ladewig, die enge Beziehungen zu Malchow unterhielt.

Jürgen Gramenz hat die Geschichte seiner Familie erforscht und die Ergebnisse in einem Buch veröffentlicht. Das Besondere daran: Vieles im Leben der Familie ...

Jürgen Gramenz hat die Geschichte seiner Familie erforscht und die Ergebnisse in einem Buch veröffentlicht. Das Besondere daran: Vieles im Leben der Familie Ladewig ist eng mit Malchow verbunden. Dieter Kurth hat über dieses Buch geschrieben. Heute Teil 3 einer Serie.

Malchow.Mit tiefer Betroffenheit nahmen der Magistrat der Stadt Malchow sowie die Einwohner der Stadt dann jedoch die Nachricht vom tödlichen Unglücksfall des Stifters Louis Ladewig zur Kenntnis. „Er starb an den Folgen eines Verkehrsunfalles am 27. August 1921, als er sich mit seinem Auto auf den Weg zur Leipziger Messe befand.“
Bei Jürgen Gramenz ist zu lesen, dass Louis Ladewig in einem Nachruf der Zeitschrift „Im deutschen Reich“ als kerniger Mecklenburger, aufrechter deutscher Mann mit gutem jüdischen Herzen, Feind jeder Leisetreterei und Freund jeder offenen Aussprache bezeichnet wurde.“
Im Malchower Tageblatt vom 5. September 1921 heißt es: „Welche Liebe sich Ladewig auch in seiner Geburtsstadt Malchow (Meckl.) erworben hat, war daraus zu entnehmen, dass Bürgermeister Dr. Friedrich Zelck mit einer Malchower Trauergesellschaft nach Chemnitz gekommen war, um den Wohltäter der Armen in Malchow einen letzten Gruß zuzurufen.“ Jürgen Gramenz schreibt, „nach der Trauerfeier folgte dem Sarg ein großer Zug Trauernde, welchem die Arbeiter und Angestellten seiner Firma vorangingen.“ Laut Testament erhielten die Stadt Chemnitz einen bedeutenden Betrag für die „Chemnitzer Stiftung zur Ausbildung von Kaufleuten“ und nochmals die „Ladewig-Stiftung“ in Malchow einen Betrag von 40000 RM.“
Louis Ladewig zu Ehren wurde später auf Vorschlag des Bürgermeisters Dr. Karl Elling durch den Magistrat der Stadt Malchow am 12. Mai 1928 beschlossen, eine Straße nach ihm zu benennen. Ausschlaggebend waren sicherlich neben den bereits erfolgten gemeinnützigen Zuwendungen von Louis Ladewig auch die von seinem Sohn Karl Ladewig übergebene Spende von 3000 RM im Jahre 1929 für die Anlage eines neuen städtischen Sportplatzes in Malchow.
So wurde die Straße, die am Sportplatz in Richtung der heutigen Landesfeuerwehrschule bis zur Bungalowsiedlung am Rande der Trostfeldsiedlung „Ladewigallee“ benannt, so wie sie heute noch im Stadtplan von Malchow erkennbar ist.
1936 musste dieser Straßenname wegen der Judenverfolgung der Nazis aus dem Stadtplan entfernt werden und das Straßenschild abgebaut werden. Nach 1945 erhielt diese Straße wieder ihren ursprünglichen Namen „Ladewigallee“.
Am 18. Januar 1940 wurde die „Ladewig – Stiftung“ umbenannt in „Stiftung zur Errichtung eines Altersheimes in Malchow.“
In diesem Heim sollten alleinstehende alte Leute ohne Rücksicht auf die Konfession, jedoch ausgenommen Leute jüdischen Glaubens, freie Wohnung erhalten. Aus dem Buch erfahren wir: „Obwohl sich die Firma in Chemnitz unter Führung seines Sohnes Karl erfolgreich weiter entwickelte, wurde sie unter den Nationalsozialisten als jüdisches Unternehmen eingestuft und 1938 zwangsweise „arisiert“. Louis Kinder wurden als Hauptaktionäre aus der Gesellschaft hinausgedrängt und enteignet.
Sie mussten ins Ausland flüchten, um der Verfolgung zu entkommen.“
Louis Ladewig wird heute noch in Chemnitz und Malchow verehrt und ist nicht vergessen.
Als bedeutender Sohn der Stadt Malchow ist ihm mit der „Ladewigallee“ ein Denkmal gesetzt worden. Die Herausgabe des „Familienbuches“ von Jürgen Gramenz und die heutige Veröffentlichung im „Malchower Tageblatt“ sollen ebenfalls dazu beitragen, den Namen Louis Ladewig weiter in Ehren zu halten als bedeutender Sohn der Stadt Malchow.