FRIEDLICHE REVOLUTION

Kerzen-Denkmal soll Mut der DDR-Bürger würdigen

Gisela Dunker möchte ein Erinnerungszeichen für die mutigen Bürger der Friedlichen Revolution schaffen. Dafür erntete sie Gegenwind. Doch sie bleibt bei ihrem Standpunkt.
Der kleine Entwurf zeigt, wie das große Erinnerungszeichen künftig wirken könnte: Kerzen sind ein Symbol f&uum
Der kleine Entwurf zeigt, wie das große Erinnerungszeichen künftig wirken könnte: Kerzen sind ein Symbol für Anerkennung und Würdigung, sagt Gisela Dunker. Christian Holz
Zum Wende-Jubiläum kamen viele Menschen in die St. Georgenkirche und gedachten der Geschehnisse vor rund 30 Jahren.
Zum Wende-Jubiläum kamen viele Menschen in die St. Georgenkirche und gedachten der Geschehnisse vor rund 30 Jahren. Ingmar Nehls
Waren.

„Ein Denkmal kommt von ,denk mal‘ und erinnert jeden daran, über die Friedliche Revolution nachzudenken“, schreibt Gisela Dunker in einem Brief, der dem Nordkurier vorliegt. Sie reagiert damit auf den Leserbrief von Friedrich Drese. Der Leiter des Mecklenburger Orgelmuseums in Malchow hatte in einem Leserbrief Anfang April im Nordkurier sein Unverständnis über ein weiteres Wende-Denkmal in Waren ausgedrückt. Denn es gibt immerhin bereits Pläne für ein Denkmal.

Reichen „Freie Horizonte” nicht?

Gisela Dunker möchte dennoch ein zweites Denkmal oder vielmehr ein Erinnerungszeichen schaffen. Sie hat einen triftigen Grund dafür. Sie und viele andere hätten sich darüber gefreut, dass Waren von der Landesregierung als Gedächtnisort bestimmt wurde. „Doch an der Denkmalauswahl bei der Veranstaltung auf dem Neuen Markt und beim Festakt in der Marienkirche waren nur wenige Warener dabei und ein Denkmal ‚Freie Horizonte‘ wird den Menschen vom Herbst 1989 nicht gerecht“, erklärt die 79-Jährige.

Friedrich Drese sieht das anders. Es habe mehrere Entwürfe gegeben, die auch öffentlich vorgestellt wurden und zu denen jeder Bürger sein Votum abgeben konnte, argumentierte er in seinem Leserbrief. „Das Betreiben eines zweiten Wendedenkmals ist ein Affront gegen jene, die sich für Waren als Gedächtnisort und die Aufstellung eines Denkmals eingesetzt haben und verunglimpft aus meiner Sicht diese politische Entscheidung“, schrieb Drese. Ein zweites Denkmal zu installieren, habe immer den Anschein, es besser zu wollen oder besser zu können. Das sei kleinkariert, formulierte Drese.

Mut war nötig

Gisela Dunker, die jahrelang in der Warener Stadtvertretung mitwirkte, hält dagegen. „Alle aktiven Zeitzeugen und die vielen Sympathisanten für das Kerzendenkmal sind nicht ‚kleinkariert‘ und ein ‚Affront‘ ist unser Anliegen sicher nicht.“ Sie findet, dass Friedrich Drese mit seinen Worten alle alten und jungen Warener beleidigt, die sich dafür engagieren, erwidert sie in ihrem Schreiben. Den Mut derer zu würdigen, die gegen die DDR-Diktatur auftraten, sollte ihrer Meinung nach das Anliegen dieses Denkmals sein.

Denn Mut, so die Zeitzeugin, brauchte man im Herbst 1989, um mit Kerzen auf die Straße zu gehen und für Änderungen wie beispielsweise eine größere Reise- und Pressefreiheit einzutreten. Mut gehört auch dazu, die Vorbereitungen dafür möglichst unauffällig zu erledigen. So hat es laut Gisela Dunker beispielsweise Handzettel-Verteilungen abends im Dunkeln im Briefkasten von Gemeindemitgliedern der Marienkirchgemeinde gegeben.

„Die Kerzen haben uns damals in der Hoffnung getragen, etwas verändern zu können“, erklärt Gisela Dunker. Doch an die Deutsche Einheit oder an „Freie Horizonte“ sei in jenen Wochen nicht gedacht worden, sagt die Zeitzeugin. Die Aussage „Wir sind ein Volk“ sei erst nach dem „10-Punkte-Programm zur deutschen Einheit“ Ende November 1989, nach dem Mauerfall, entstanden, so Dunker.

Bald soll ein Buch erscheinen

Für das Erinnerungsdenkmal, zu dem bereits ein erster Entwurf des Keramikmeisters Franz Poppe vorliegt (wir berichteten), hätten sie bereits viel Zustimmung erfahren. Es zeigt sechs unterschiedlich große Kerzen, die dicht nebeneinander stehen. „Kerzen sind ein Symbol der Dankbarkeit, der Anerkennung sowie der Würdigung“, sagt Gisela Dunker.

Sie freut sich, dass in den kommenden Monaten ein Buch unter der Federführung von Jürgen Kniesz, Leiter des Stadthistorischen Museums Waren, von Zeitzeugen des Herbstes 1989 erscheinen soll. Das sei Warener Geschichte, die die jüngeren Menschen, so wie es aus Sicht der 79-Jährigen auch noch Friedrich Drese ist, vielleicht gar nicht kennen können.

 

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