SEXUELLER MISSBRAUCH

Malchower wegen Vergewaltigung von Kindern vor Gericht

Der 34-jährige Daniel P. muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht Dresden verantworten. Er soll drei Kinder im Alter zwischen einem und sieben Jahren vergewaltigt haben. Eine Mutter hat bereits gestanden, ihm dabei geholfen zu haben.
Alexander Schneider Alexander Schneider
Daniel P. wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt.
Daniel P. wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt.
Seine ehemalige Freundin Christin I. und der Angeklagte aus Malchow würdigten sich keines Blickes.
Seine ehemalige Freundin Christin I. und der Angeklagte aus Malchow würdigten sich keines Blickes.
Malchow.

Die Fotografen bekamen sein Gesicht nicht zu sehen. Der kräftige Angeklagte hatte seinen Kopf unter der großen Kapuze seiner Jacke versteckt, als die Wachtmeister den 34-Jährigen am Dienstagmorgen in den Saal des Landgerichts Dresden führten und ihm seine Handschellen abnahmen. Daniel P. aus Malchow soll sich im Jahr 2018 an drei Kindern im Alter von einem, vier und sieben Jahren vergangen haben. Am Dienstag hat sein Prozess vor der Jugendschutzkammer begonnen. Mit einigem Abstand neben ihm saß die mitangeklagte Christin I., die 31-jährige Dresdnerin ist die Mutter von zwei missbrauchten Mädchen. Die beiden würdigten sich keines Blickes.

Mutter schickte kinderpornografische Bilder und Videos

Die Vorwürfe der Dresdner Staatsanwaltschaft haben es in sich. P. muss sich unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in sieben Fällen in Tateinheit mit Vergewaltigung verantworten. Der Frau wird Beihilfe zu diesen Taten vorgeworfen. Laut Anklage lernten sich die beiden Deutschen Anfang September 2018 auf der Dating-Plattform „Knuddels“ kennen. Innerhalb kürzester Zeit soll Daniel P. der Frau eine Heirat in Aussicht gestellt und sein sexuelles Interesse an ihren ein und vier Jahre alten Töchtern bekundet haben. Auf seinen Wunsch habe sie ihm kinderpornografische Fotos und Videos ihrer kleinen Tochter geschickt.

Darüber hinaus habe Daniel P. ihr aufgetragen, mit ihren Kindern „Verhaltensweisen“ einzuüben, um ihm den späteren Oralverkehr zu erleichtern. So sollte die Angeklagte ihren Mädchen Sahne und Schokocreme von einer Wurst ablutschen lassen. Schon bei seinem ersten Besuch in Dresden noch im September habe P. sich an dem erst ein Jahr altem Kleinkind vergangen – und Christin I. habe ihn dabei unterstützt.

Im Oktober hat der 34-jährige Malchower mit der Mutter und ihren beiden Kindern Deutschland verlassen. Laut Anklage habe er nach Dubai „auswandern“ wollen, um sich „dort ein neues Leben aufzubauen“. Über Tschechien und die Slowakei reisten die Vier nach Ungarn und Rumänien. Dort habe der Angeklagte wiederholt in Hotels und Pensionen das vier Jahre alte Kind vergewaltigt. Manchmal habe er sich ein Zimmer mit der Vierjährigen genommen, während die Mutter mit ihrer kleineren Tochter in einem anderen Zimmer war. Er müsse mit dem Kind noch „üben“, habe P. gesagt. Christin I. habe den Missbrauch unterstützt und sei selbst dann nicht eingeschritten, als das Mädchen vor Schmerzen schrie. Das Kind solle „sich nicht so gefährlich haben“, habe sie gesagt und: „Das wird schon werden.“

Auch Tochter einer Chemnitzerin missbraucht

Dubai erreichte das Paar nicht. Es trennte sich im Oktober in Rumänien. Daniel P., nach dem international gefahndet wurde, wurde am 27. Oktober bei seiner Einreise nach Deutschland verhaftet. Darüber hinaus wurde eine weitere Anklage gegen Daniel P. verlesen. So habe der Deutsche bereits im April 2018 ebenfalls über „Knuddels“ Kontakt zu einer Frau aus Chemnitz aufgenommen. Als er sie besucht habe, soll er nachts ihre sieben Jahre alte Tochter missbraucht haben. Angeklagt sind drei Fälle.

Noch ist nicht klar, wie der Prozess verlaufen wird. Am Dienstag wurden nur die beiden Anklagen verlesen. Kommenden Dienstag sollen Angeklagten die Möglichkeit haben, sich zu den Vorwürfen zu äußern, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Ziegel. Ab da seien auch die psychiatrischen Gutachter in der Hauptverhandlung anwesend.

Kristin I. ist nicht in Haft. Sie habe sich nach ihrer Festnahme umfassend zu den Taten geäußert und die Anklage erst ermöglicht, so ihre Verteidigerin und langjährige Betreuerin Peggy Glombik.

Ermittlungen zu fünf weiteren Missbrauchs-Fällen

Daniel P.s Verteidiger ist der Dresdner Rechtsanwalt Jörg Theißen. Für seinen Mandanten geht es um viele Jahre hinter Schloss und Riegel. Der Mann aus Malchow ist ein einschlägig vorbestrafter Sexualstraftäter. Erst im September 2018 erhielt er am Amtsgericht Parchim wegen Missbrauchs von Schutzbefohlenen – seine eigene Tochter – in vier Fällen eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung. Doch das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Darüber hinaus ermittelt die Staatsanwaltschaft in mindestens fünf weiteren Fällen gegen P., der bundesweit gezielt Kontakt zu Müttern von Kindern aufgenommen haben soll. Die Jugendschutzkammer muss auch prüfen, ob gegen Daniel P. im Fall seiner Schuld im Anschluss an eine Haftstrafe auch noch eine Sicherungsverwahrung verhängt werden muss.

Dieser Text wurde mit freundlicher Genehmigung aus der Sächsischen Zeitung entnommen.

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