IMPFUNG GEGEN MASERN

Kindergärten an der Müritz beim Thema Impfpflicht gelassen

An den Schulen verhindert die Schulpflicht, dass nicht geimpfte Kinder die Schule verlassen müssen. In den Kindergärten sieht das etwas anders aus.
Kitaleitungen müssen nun einen Blick in die Impfpässe werfen.
Kitaleitungen müssen nun einen Blick in die Impfpässe werfen. Petra Konermann
Waren ·

Kitas in der Region nehmen die seit Samstag geltende Masernimpfpflicht gelassen. Theoretisch müssen die Einrichtungen nun Neuzugänge, die nicht gegen Masern geimpft sind, abweisen. Für Kinder, die bereits betreut werden und die Mitarbeiter in Gemeinschafts- und medizinischen Einrichtungen gilt dagegen noch eine Übergangsfrist bis Sommer 2021, in der sie den Nachweis erbringen können. Haben sie keinen entsprechenden Impfschutz, müssen sie gehen.

„Wir haben uns entschieden, dass der Betreuungsvertrag dann sofort erlischt“, erklärt René Boldt vom Träger Jugend- und Sozialwerk. „Ich gehe aber davon aus, dass wir diese Regelung nicht nutzen müssen.“ Die Kinder seien „zu fast 100 Prozent durchgeimpft“. Gute Nachrichten auch aus der Kita „Simon unter‘m Regenbogen“ in Penzlin, wo der Impfstatus generell abgefragt wird: „Alle unsere Kinder sind geimpft“, so die Leiterin Nancy Thoms.

„Wir sind in MV, die DDR ist noch nicht so lange her”

Maik Luplow, Leiter der DRK-Kita „Haus Sonnenschein“ in Waren sieht durch das neue Gesetz ebenfalls keine großen Schwierigkeiten auf seine Einrichtung zukommen: „Wir sind in MV, die DDR ist noch nicht so lange her.“ Den Fall, dass ein Kind noch nicht geimpft war, habe er noch nicht gehabt.

„Vielleicht wird es einzelne geben, was wir dann erst bemerken“, meint Almut Falk vom Kita-Träger Diakonie, auch wenn der Impfstand bei der Impfberatung immer abgefragt worden sei. „Wir haben keine Erfahrungen mit Impfgegnern“, sagt sie. Auch das „Haus Sonnenschein“ vermeldet keine Beschwerden und dem Jugend- und Sozialwerk sind „wenige bis keine klassischen Impfgegner bekannt.“

Gesetz beeindruckt Impfgegner nicht

Diese Eindrücke scheinen die Kontrollen bei den jährlichen Einschulungsuntersuchen zu bestätigen: Laut dem Gesundheitsamt des Landkreises waren 2019 97,3 Prozent der Kinder, deren Impfausweis vorgelegt wurde, gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft. Damit war die Impfquote sogar noch etwas höher als 2017 – damals lag sie bei 95,49 Prozent.

Die wenigen Impfgegner scheint das neue Gesetz jedoch nicht sonderlich zu beeindrucken. „Wir haben viel, viel mehr Impfungen“, vermeldet zwar Schwester Antje Hochkeppler von der Kinderarztpraxis Sehan in Waren. Es seien aber nicht so sehr umgestimmte Impfgegner als vielmehr Menschen, die das Gesetz darauf aufmerksam gemacht habe, den Schutz zu erneuern. „Es gibt immer noch Impfgegner, und die werden die Lücken im Gesetz finden“, erklärt sie. Was nicht berücksichtigt wurde, sei, dass es keinen Impfstoff gegen Masern gebe, sondern nur die Dreifachimpfung gegen Mumps, Masern und Röteln. Vorgeschrieben sei aber nur der Masernschutz.

„Die wenigen Impfgegner sind renitent“, weiß auch Dr. Kathrin Hake, Chefärztin für Kinder- und Jugendmedizin am Müritz-Klinikum. „Wir beraten immer absolut für Impfungen“, sagt die Ärztin – manche Eltern aber sind resistent. Bei schulpflichtigen Kindern kalkulierten sie die 2500 Euro Strafe ein und hofften, dass es dabei bleibe. Die Kleineren seien ohnehin oft nicht im Kindergarten. Trotzdem: „Das Gesetz ist ein Anfang“, meint Dr. Kathrin Hake.

Immunitäts-Bescheinigung ist erforderlich

Ein Anfang, für den viele derzeit Zusatzbelastungen in Kauf nehmen. Seit Montag sei man nur noch dabei, Zettel auszufüllen, berichtet Schwester Antje Hochkeppler von der Kinderarztpraxis Sehan in Waren, etwa 40 bis 50 Stück am Tag. Und das zu Zeiten von Influenza und dem Corona-Virus.

In den Kitas müssen nun die Impfausweise oder ärztliche Nachweise kontrolliert werden. Bei nicht geimpften Kindern oder Mitarbeitern ist laut Almut Falk eine Bescheinigung einer Immunität über das Blutbild erforderlich, oder der Nachweis, dass aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden darf. „Die Kitas sind teils völlig überfordert“, beobachtet Antje Hochkeppler. Auch wenn die Einrichtungen sehr akkurat arbeiteten, das Personal sei nicht geschult, die Impfunterlagen zu lesen. „Es ist nichts gut vorbereitet“, sagt sie. Trotz des großen Mehraufwands, der wohl noch steigen werde, sie ist froh, dass die Impfpflicht gekommen ist: „Im 21. Jahrhundert muss keiner mehr an Masern sterben.“

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