TURMFALKE AUF ABWEGEN

Kleiner Pechvogel erweicht ein Röbeler Herz

Kleine Turmfalken sollten eigentlich kuschlig im Nest sitzen. Dieser aber unternahm seine Flugversuche viel zu früh. Und landete in einer Katzenbox - gleich zwei Mal.
Na, noch Hunger? Mit Pinzette und rohem Fleisch hat Nele Turtschan aus Röbel einen kleinen Turmfalken aufgepäppelt.
Na, noch Hunger? Mit Pinzette und rohem Fleisch hat Nele Turtschan aus Röbel einen kleinen Turmfalken aufgepäppelt. privat
Die 17-jährige Nele Turtschan steht an dem Platz, an dem sie in Röbel den kleinen Vogel gefunden hat. Der war aus dem Turm der Röbeler Nikolaikirche gefallen.
Die 17-jährige Nele Turtschan steht an dem Platz, an dem sie in Röbel den kleinen Vogel gefunden hat. Der war aus dem Turm der Röbeler Nikolaikirche gefallen. Petra Konermann
Röbel.

Einfach vorbei laufen, wenn jemand  Hilfe braucht? Für Nele Turtschan aus Röbel kommt das nicht in Frage. Als die Schülerin der 11. Klasse mit ihrem Freund an der Nikolaikirche vorbeifuhr, entdeckte sie einen jungen Turmfalken, der hilflos auf dem Pflaster saß.

Hoch oben im Turm nisten in jedem Jahr Turmfalken, die sich die Behausung in luftiger Höhe mit Dohlen teilen. „Man konnte dem jungen Falken genau ansehen, dass er wohl aus dem Nest gefallen war“, erzählte Nele. Helfen wollte sie sofort, aber wie fängt man einen Turmfalken, der nicht gefangen werden will? „Ich habe dann von Zuhause schnell eine Katzen-Transportbox geholt. Der Falke hat gar nicht lange gezögert und ist gleich in die Box gesprungen“, erinnerte sich die Schülerin.

Herz und Gulasch für den Grünschnabel

Zuhause gönnte sie dem Falken erst einmal Ruhe. Sich selbst aber nicht. Sie startete über soziale Netzwerke einen Aufruf. Wer, so fragte Nele, kennt sich mit Turmfalken aus? „Leider kam da nicht viel Hilfreiches. Denn den Falkner in Wredenhagen, der mir vorgeschlagen wurde, den gibt es dort ja schon lange nicht mehr.“ Ihr junger Turmfalke suchte inzwischen sein Heil in der Flucht und segelte aus dem Fenster aufs Dach des Nachbarn „Ich dachte, gut, der wird zurück zum Nest finden“, sagte die Schülerin.

Doch als sie am nächsten Tag aus der Schule kam, saß der kleine Vogel wieder auf der Straße, auf dem gleichen Platz. Nele  holte wieder die Katzen-Transportbox, und wieder hüpfte der Vogel schnurstracks hinein. Zuhause gab‘s dann ordentlich was zu futtern für den Nestflüchter: Geflügelherzen und Rindergulasch hatten Nele und ihr Freund für den kleinen Falken extra eingekauft. „Der haute ordentlich rein. Immerhin hatte der fast zwei Tage nichts gegessen“, hatte Nele nachgerechnet. 

Und dann half ihr Aufruf auf Facebook doch noch weiter. Denn der Leiter des Schulcampus Röbel, Hans-Dieter Richter, war inzwischen aufmerksam geworden. Und er vermittelte den Kontakt zu dem Mann, der sich um die Dohlen in der Nikolaikirche und auch um die Falken kümmert. Mit ihm stieg die Schülerin hinauf auf den Kirchturm und setzte den Falken ab. „Dann konnten wir nur noch hoffen, dass die Eltern sich wieder um ihn kümmern würden“, erzählte Nele. Und das Wunder geschah: Die Falken übernahmen die Fütterung des Kleinen, der wohl von seinen vier Geschwistern aus dem Nest gestupst worden war.

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