Ansteckungsgefahr
Krätze-Fälle in Rechlin und Malchow registriert

An der Rechliner Grundschule ist ein Fall von Krätze aufgetreten.
An der Rechliner Grundschule ist ein Fall von Krätze aufgetreten.
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Schon wieder ist ein Krätze-Fall in der Müritz-Region bekannt geworden. Beim kreislichen Gesundheitsamt spricht man allerdings nicht von einer Zunahme, sondern hat eine andere Erklärung.

An der Rechliner Grundschule ist ein Fall von Krätze aufgetreten. „Es wurde am 6. März bei uns ein erkranktes Kind gemeldet, dass sich bei seinem Geschwisterkind angesteckt hatte“, sagte Franz-Josef Stein, Arzt sowie Sachgebietsleiter Umwelt und Hygiene beim Gesundheitsamt des Landkreises. Jenes erkrankte Kind wurde sofort aus dem Unterricht genommen und von einem Arzt behandelt.

Zugleich hätte man alle Eltern in einem Elternbrief über die Krankheit und das weitere Vorgehen informiert. Bei einem Krankheitsverdacht sollten die Kinder beim Arzt vorgestellt werden. „Krätze kann schon ansteckend sein, bevor man es merkt“, erklärte der Experte.

Manuela Senst, stellvertretende Grundschulleiterin in Rechlin, ist erschrocken, dass in ihrer Einrichtung so ein Fall aufgetreten ist. „Wenn man von anderen Kollegen hört, dass an ihren Schule Krätze auftritt, denkt man, das ist weit weg“, sagte Senst. Komme es in der eigenen Schule vor, sei man natürlich sehr betroffen, schildert sie.

Bis zu sechs Wochen bis Krankheitsausbruch

Krätze ist eine parasitäre Hautkrankheit bei Menschen, die durch die Krätzmilbe verursacht wird. Die 0,3 bis 0,5 Millimeter großen Weibchen der Krätzmilbe bohren sich in die Oberhaut und legen dort ihre Eier ab. Vor allem aber ihre Absonderungen führen zu einer erheblichen Schädigung der Haut. Bis die Krankheit ausbricht, dauert es einige Tage bis zu sechs Wochen.

„Um Krätze zu übertragen, braucht man längeren und engen Körperkontakt“, sagte Franz-Josef Stein. Die Betroffenen erhalten eine Salbe oder Tablette, die alle Milben abtötet. Bereits nach 24 Stunden solle keine Ansteckungsgefahr mehr von dem Erkrankten ausgehen. An Schulen, in denen die Kinder in den Pausen im Freien toben, sei eine Ansteckung nicht sehr wahrscheinlich. Doch in Einrichtungen, in denen sich viele Kleinkindern aufhalte, sei die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Krätze übertragen werde, so Stein.

So seien im Februar auch in einer Malchower Kinder-Einrichtung zwei bis drei Krätze-Fälle aufgetreten. Zur selben Zeit traten auch Krätze-Fälle an zwei Warener Schulen sowie in Demmin auf. Auch in Neubrandenburg waren Schüler betroffen. Erst nach Vorlage eines Arzt-Attestes dürfen die Erkrankten wieder zur Schule.

Krätze in der Öffentlichkeit präsenter

Dass es in den vergangenen Jahren eine Häufung der Fälle gab, findet Arzt Franz-Josef nicht. „Es wurde vor einigen Jahren das Infektionsschutzgesetz geändert“, erklärt er. Dadurch waren noch mehr Einrichtungen – wie beispielsweise Gefängnisse – als zuvor angehalten, Krätze-Fälle zu melden. Dadurch erscheine die Erkrankung in der Öffentlichkeit präsenter.

Darüber hinaus gebe es bei der Krankheit auch ein ein anderes Phänomen zu beachten: „Hat eine Familie vier unterschiedlich alte Kinder, von denen eines Krätze hat, dann gibt es gleich vier betroffene Einrichtungen“, veranschaulicht Stein. Krätze, Läuse oder Flöhe, also Parasiten, die auf den Menschen spezialisiert sind, wird es so lange geben, wie es den Menschen gibt, so Stein.

Damit so etwas in der Rechliner Grundschule nun aber nicht noch einmal auftritt, sollen Vorkehrungen getroffen werden. „Wir werden mit den Kindern in einer Sachkundestunde über die Krankheit und Hygienemaßnahmen reden“, sagte Senst. Zudem wird überlegt, Desinfektionsspender im Schulgebäude anzubringen.