Der Planer legte eine Illustration der künftigen Anlage vor.
Der Planer legte eine Illustration der künftigen Anlage vor. Susann Salzmann
Diskussion um Millionenprojekt

Lachsfarm geht in entscheidende Planungs-Phase

Mit der geplanten Ansiedlung einer Lachsfarm könnte eines der größten Vorhaben in der Stadtgeschichte von Malchow umgesetzt werden.
Malchow

Lachs in Sicht. Aber nur, wenn man sehr gute Fernsicht hat. Denn die in Malchow avisierte Lachsfarm hat quasi erst wenige Tropfen für ihre Planung im Becken. Aber immerhin: Es kommen stetig welche hinzu. So werden in diesen Tagen und Wochen „weitere Planungen und Überprüfungen durch Träger öffentlicher Belange“ erwartet, wie Irina Herling in Vertretung des Bürgermeisters gegenüber dem Nordkurier sagte.

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Stellungnahmen abwarten

Erst, wenn alle Stellungnahmen vorliegen – beispielsweise von Natur-, Tierschutz- und Umweltbehörden und allen, die sich aus unterschiedlichen Aspekten mit dem Bauvorhaben auseinandersetzen, erst dann könne man sich mit den Bedenken und Anregungen auseinandersetzen. „Das muss man abwarten. Wir als Stadt haben zwar Planungshoheit und müssen letztlich die entsprechenden Beschlüsse fassen, aber solange der Bebauungsplan nicht rechtskräftig ist, kann es nicht losgehen“, betont sie. Sofern das Ganze durch die Stadtvertretung komme.

Baurecht im nächsten Jahr

Dennoch: Man rechne im nächsten Jahr mit Baurecht. Es sei denn, dass es zu so schwerwiegenden Auflagen käme, dass der Investor – denn der wird die Interventionen auf den Tisch bekommen – von den Lachsen in Malchow nichts mehr wissen wolle. In dieser Woche sei erst mal ein Treffen mit dem Investor geplant, um an den Verträgen zu arbeiten. Das sei quasi kein leichter Fang, denn solche Vereinbarungen seien umfangreiche Werke. Und das sei dann nur die eine Seite, denn es gelte für den Lachsfarm-Bauer, etwa auch mit sogenannten Versorgern wie Telekommunikationsfirmen zu verhandeln. „Bei Verfahren wie diesem müssen mehr Beteiligte gehört werden, als es zum Beispiel beim Errichten von Wohnungen oder Gewerbegebieten der Fall ist“, sagt Irina Herling. Das sei einfach der Tatsache geschuldet, dass es sich um Tiere und Umweltfaktoren handele.

35.000 Quadratmeter große Halle

Doch man sei auf keinen Fall pessimistisch. Wenn es nicht die Überzeugung vom Sinn der Anlage gebe, dann hätten Politiker der Inselstadt der Anlage im April nicht ihre Zustimmung gegeben. Mit ihrer Entscheidung könnten sie ein Stück Geschichte schreiben, denn mit der geplanten Ansiedlung einer 35.000 Quadratmeter großen Halle zur Aufzucht und Schlachtung von Atlantischem Lachs könnte eines der größten Vorhaben in der gesamten Stadtgeschichte umgesetzt werden. Das geplante Investitionsvolumen für den Bau liegt laut Planer Frank Wiegandt bei etwa 100 Millionen Euro. Mindestens 55 Arbeitsplätze sollen durch die jährliche Produktion von 5000 Tonnen Lachs generiert werden. Das sei nicht nur für Malchow allein eine Chance, hatte auch Stadtchef René Putzar (parteilos) immer wieder betont.

Sorge um zu viel Wasser mit Gutachten entkräftet

Doch es gibt auch aus den Reihen der Stadtpolitik Gegenwind für das Fischprojekt. Und auch nicht jeder in der Inselstadt freut sich auf eine solche Anlage. Rasch waren schon zu Beginn der Überlegungen, so ein Lachsprojekt in der Dimension an Land zu ziehen, Bedenken laut geworden. Beispielsweise hatte es Befürchtungen um den zu erwartenden Wasserbedarf gegeben. Doch Stadtwerke-Chef Robert Kersting hatte mit einem hydrologischen Gutachten die Sorgen wohl etwas entkräften können. Skeptiker sahen zuletzt auch den Umgang mit den Abwässern kritisch. Tagtäglich stünden der Inselstadt etwa 18 000 Kubikmeter Grundwasser zur Verfügung. „Derzeit braucht die Stadt etwa 2100 Kubikmeter Wasser täglich“, hatte der Stadtwerke-Chef seinerzeit erklärt. Mit Nutzung von weiteren industriellen und privaten Abnehmern liege der Wasserbedarf bei geschätzten 2500 Kubikmetern täglich. Kommt die Lachszucht mit einer 5000-Tonnen-Produktion, würde die Anlage täglich 650 Kubikmeter Wasser benötigen. Ergo: Es sei genug Wasser da.

Komplizierter sei es da schon bei der Stromversorgung. Laut Planer benötigte die Anlage zwischen mehr als 3 Megawatt Strom. Über Fotovoltaik soll die Anschlussleistung um 1,4 bis 1,8 Megawatt gemindert werden, sagte der Planer. In etwa vier Jahren komme Malchow in Sachen Strom ohnehin ans Limit, so Kersting. Eine Leistungserweiterung unter finanzieller Beteiligung des Investors wäre mit der Lachsfarm möglich. Wie hoch diese finanzielle Mitwirkung aussieht, das werden die Verhandlungen zeigen.

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