Klinik-Investition
Land gibt Millionen für neues Therapiehaus in der Psychiatrie

Für insgesamt 19,5 Millionen Euro soll neu- und umgebaut werden. Vom Land gibt‘s eine riesige Fördersumme. Die übergibt Sibylle Scriba an Carsten Krüger und Sylke Ilg von der Röbeler Klinik (von links).
Für insgesamt 19,5 Millionen Euro soll neu- und umgebaut werden. Vom Land gibt‘s eine riesige Fördersumme. Die übergibt Sibylle Scriba an Carsten Krüger und Sylke Ilg von der Röbeler Klinik (von links).
Susann Salzmann

Das Land gibt 14,5 Millionen Euro für einen Neubau an der Klinik für Psychiatrie in Röbel. Ein Schwerpunkt wird die Familientherapie samt neuer Angebote sein.

Größer, moderner, vielfältiger – und 15,5 Millionen Euro teuer: So könnte der Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie des MediClin Müritz-Klinikums in Röbel beschrieben werden. Der Bau bringt mehr als eine Handvoll Vorteile mit sich, denn der Ist-Zustand zum Teil nicht mehr Standard.

Für die Klinik ist das Bauvorhaben, das bereits im Frühjahr 2019 mit dem Abriss zweier in die Jahre gekommener Objekte beginnen soll, eines der größten in der gesamten Geschichte. Insgesamt 14,5 Millionen Euro Fördermittel stellen Wirtschafts- und Gesundheitsministerium im Rahmen der Krankenhausfinanzierung für die Erweiterung zur Verfügung. „Das ist in dieser Dimension noch nicht dagewesen“, freut sich der kaufmännische Leiter am Standort Röbel, Carsten Krüger.

Auslastung bei über 100 Prozent

Dieser sieht die Investition auch in Zeiten, in denen um Mitarbeiter gebuhlt wird, als Wettbewerbsvorteil. Ziel der Investition solle sein, Aufenthalts- und Behandlungsbedingungen für schwerstkranke Jugendliche im Intensivbereich deutlich zu verbessern. Der geplante dreigeschossige Neubau biete einerseits mehr Einzelzimmer, andererseits mehr Therapieangebote. Allein die Auslastung im laufenden Jahr von über 96 Prozent im Kinder- und Jugendbereich mache den Bedarf an neuen, weitergehenden Kapazitäten deutlich. Bei den Erwachsenen liege die Auslastung 2018 sogar über 100 Prozent, merkt Krüger an.

Mit dem Bezug sei wohl nicht vor 2022 zu rechnen. Ist es erst einmal soweit, werde die oberste Etage als Therapiestandort samt Sportraum genutzt. Dort soll dann perspektivisch Arbeitstherapie angeboten werden. Diese in Röbel neu einzuführende Therapieform richte sich vornehmlich an die Altersgruppe der 17- bis 23-Jährigen (Adoleszenz).

Wohngruppe für Adoleszenten möglich

Sylke Ilg, Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie, kann sich vorstellen, dass die Räumlichkeit unter anderem mit Nähmaschinen und Bohrern ausgestattet wird. Heranwachsende könnten sich hier ausprobieren. Hinzu kommt, dass für die Adoleszenten im Neubau ein eigener Bereich mit acht Betten für teil- und vollstationäre Betreuung aufgebaut wird. Vielleicht sogar nach einem Wohngruppenmodell.

Das wäre ein Fortschritt zur derzeit lediglich ambulant möglichen Betreuung. Bei dieser würden die jungen Menschen auch stets mit dem Volljährigwerden von der Jugend- in die Erwachsenenpsychiatrie überwechseln. Heißt: Neue Umgebung, neue Bezugspersonen und damit verlorener Halt und Anstrengungen, neues Vertrauen zu neuen Betreuern aufzubauen. Mit der neuen Struktur sei das Vergangenheit.

Ein weiterer Fokus sei die Eltern-Kind-Arbeit. Sechs Familien sollen nach Fertigstellung gleichzeitig in Röbel behandelt werden können. Aktuell könnten Eltern samt Kinder dreimal im Jahr für jeweils ungefähr drei bis vier Wochen auf zwei tagesklinischen und zwei vollstationären Plätzen betreut werden.