CHEMIE-EINSATZ

Landwirt hat Gärten in Göhren-Lebbin kontaminiert

Ein Paar aus Göhren-Lebbin erlitt nach eigenen Angaben gesundheitliche Schäden, nachdem ein Landwirt auf seinem Feld Pflanzenschutzmittel versprühte. Der Bauer beteuerte, sich an alle Vorschriften gehalten zu haben.
Malte Schindel und Ingmar Nehls Malte Schindel und Ingmar Nehls
Jan-Hendrick Rust, Betriebsleiter der Agrargesellschaft Sietow, war im Juni noch guter Dinge. Nun darf in seinem Unternehmen nichts mehr schlieflaufen. Sonst werden seinem Betrieb die staatlichen Beihilfen gestrichen. Foto: Malte Schindel
Jan-Hendrick Rust, Betriebsleiter der Agrargesellschaft Sietow, war im Juni noch guter Dinge. Nun darf in seinem Unternehmen nichts mehr schlieflaufen. Sonst werden seinem Betrieb die staatlichen Beihilfen gestrichen. Malte Schindel
Göhren-Lebbin.

Vor etwa zwei Monaten berichtete der Nordkurier von einem Streit um einen Chemie-Einsatz auf einem Acker in Göhren-Lebbin. Der Anwohner Rainer Boos beschwerte sich über Atemnot, seine Lebensgefährtin über einen Juckreiz. Dafür verantwortlich soll der Landwirt gewesen sein, der zu viel Pflanzenschutzmittel versprüht haben soll.

Die Pestizide wurden – so die Aussage von Rainer Boos – bei der Bewirtschaftung des Ackers auch auf sein angrenzendes Grundstück getragen, wo das Paar kontaminiert wurde. Zwei Mitarbeiter des Landesamts für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei MV (LALLF) nahmen Bodenproben und schickten sie zur Analyse.

"Wenn etwas auftaucht, ist etwas schief gelaufen"

Die zuständige Agrargesellschaft war sich keiner Schuld bewusst und beteuerte gegenüber dem Nordkurier, dass sich der zu dem Zeitpunkt des Vorfalls im Einsatz befindliche Mitarbeiter an alle gesetzlichen Regelungen gehalten habe. Doch nun liegen die Analyse-Ergebnisse vor – und die beweisen das Gegenteil!

„Es wurden Werte festgestellt”, sagt die Pressesprecherin des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) Antje Krüger dem Nordkurier. Was genau und in welchen Mengen, das darf Krüger aufgrund des laufenden Verfahrens leider nicht preisgeben. Nur so viel: „Normalerweise darf nichts festgestellt werden. Wenn etwas auftaucht, ist etwas schief gelaufen.”

Nachbarn wollen auch Prüfungen vornehmen lassen

Und wie geht es nun weiter? Rainer Boos, der betroffene Dorfbewohner, der das LALLF und den Nordkurier eingeschaltet hat, teilte uns jetzt mit, dass er die Analyse-Ergebnisse bekommen hat. Die Werte für das Feld seien geschwärzt. Die Proben, die in seinem Garten genommen wurden, würden aber Werte aufweisen, die 15-fach höher seien als der erlaubte Wert. Das Feld grenzt unmittelbar an das Grundstück von Rainer Boos.

„Ich werde mich mit einem Experten besprechen, wie es weitergeht“, sagte Rainer Boos. Die ersten Nachbarn haben ihn schon informiert, dass sie nun auch ihre Böden untersuchen lassen wollen. 20 Häuser stehen an dem Feld im Urlauberdorf. Der überwiegende Teil davon sind Ferienhäuser. „Dort spielen Kinder, die auch mal Gras in den Mund nehmen. Das geht nicht. Die Landwirte haben sich an die Gesetze zu halten. Wir müssen weiter Druck ausüben, damit wir auch für die Zukunft sicherstellen können, dass unsere Gesundheit nicht gefährdet wird“, fordert Boos.

Landwirt verspricht für die Zukunft mehr Vorsicht

Landwirte, die sich nicht an das Pflanzenschutzgesetz halten, haben mit drastischen Konsequenzen zu rechnen. So werden Wiederholungstätern die staatlichen Beihilfen gekürzt. Auf mehrere tausende Euro muss eine Firma dann verzichten. Was auf die Agrargesellschaft zukommt, ist noch nicht klar. „Wenn das erste Mal etwas auftritt, folgt eine behördliche Anordnung, ein Schreiben, das zu unterlassen. Der erste Verstoß ist noch nicht mit einer Kürzung der Fördermittel verbunden”, sagt LALLF-Sprecherin Antje Krüger.

Und was sagt das betroffene Unternehmen dazu? Jan Hendrick-Rust, Betriebsleiter der Agrargesellschaft Sietow, kann die Analyse-Ergebnisse kaum glauben. „Ich habe mich geärgert. Wir haben eine Technik eingesetzt, die sicherstellt, dass es nicht zu solchen Vorfällen kommen kann”, wundert sich der Landwirt. „Ich behaupte nach wie vor, dass wir alles richtig gemacht haben.” Er kann sich den Vorfall nur so erklären, dass die Thermik zu einem Abdrift gesorgt hat. Sprich: Die versprühten Mittel durch den Wind weiter getragen wurden als geplant.

Wie es für ihn und das Unternehmen jetzt weitergeht, weiß Rust noch nicht genau. „Ich habe wirklich keine Ahnung. Ein Schreiben ist jedenfalls noch nicht eingetroffen.” Der Betriebsleiter ärgert sich, dass die Situation so eskalieren musste, obwohl Rainer Boos betont habe, ein friedliches Miteinander anzustreben. Rust stellt klar, dass es sich bei dem Vorfall nicht um Vorsatz handle und er und seine Mitarbeiter künftig vorsichtiger arbeiten werden.

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Kommentare (6)

Das ist auch kein Wunder, denn zwischen Röbel und Waren sind die Trinkwasserwerte inzwischen alarmierend hoch. Solch hohe Nitratbelastung im Grundwasser gab es schon lange nicht mehr, von den Pestiziden mal ganz zu Schweigen. Die Bauern hauen auch viel zu viel Gift und Dreck auf ihre Äcker rauf. Der Leidtragende ist inzwischen nicht nur die Natur, sondern auch der Mensch geworden. Studien haben ergeben, das normaler weise 60 Prozent der benötigten Menge an Pflanzenschutzmittel eingespart werden könnten, um das gleiche Ergebniss zu gewährleisten. Das kann aber nur mittels Drohnenanalyse und Computertechnik auf dem Traktor erreicht werden. Da man hierzulande aber technologisch hinter her hinkt und sich hinzu dem Ökolandwirtschaft verweigert, gehen solche Dramen wie oben im Artikel beschrieben einfach weiter. Wo sind eigentlich unsere ach so tollen Politiker, wenn es um die Gesundheit und der Zukunft unserer Kinder geht? Die Landwirte haben sich nur um den Profit der Banken verpflichtet und nicht um ihre Zukunft.

kann so stark sein, dass sogar Brombeersträucher am Feldrand, die eine Wolke aus Herbizid abbekommen haben, vollständig absterben. Ungewollt wohlgemerkt! Das habe ich mit eigenen Augen gesehen.

Ich denke wenn man einen solchen Artikel schreibt sollte man sich doch im Klaren sein um was es sich handelt.
Im Link zum vorherigen Arrtikel steht Pestizide, während der Landwird im zitierten Artikel von Herbiziden spricht.
Herbizide sind jedoch keine Pflanzenschutzmittel, sondern Unkrautvernichtungsmittel, die aber auch alles andere was grün ist vernichten. Diese führen dann in der Regel auch zu den Erscheinigungen über die das Ehepaar berichtet.
Von einer Zeitung und Ihrer Redaktion, die vornehmlich au dem ländlichen Raaum und damit auch über die Landwirtschaft berichtet erwarte ich mir deutlich mehr Sachverstand!!

ist eine aus dem englischen Sprachgebrauch übernommene Bezeichnung für chemische Substanzen, mit der als lästig oder schädlich angesehene Lebewesen getötet, vertrieben oder in Keimung, Wachstum oder Vermehrung gehemmt werden können. Pestizide kann man wie folgt einteilen: Akarizide gegen Milben/Spinnentiere; Avizide gegen Vögel; Bakterizide gegen Bakterien; Fungizide gegen Pilze; Herbizide gegen Pflanzen; Algizide gegen Algen; Arborizide gegen Gehölze; Graminizide gegen Gräser; Insektizide gegen Schadinsekten; Molluskizide gegen Schnecken; Nematizide gegen Nematoden (Fadenwürmer); Ovizide gegen (Insekten-)Eier; Rodentizide gegen Nagetiere und Viruzide gegen Viren und Viroide. (Quelle Wikipedia)

Bringen Sie hier nicht einiges durcheinander? Was haben die Nitratwerte mit Pflanzenschutz zu tun? Zudem sollten sie mal überlegen, wie es denn mit den Kläranlagen und Abwassern im Bereich Waren bestellt ist. Die größte Verschmutzung von Gewässer erfolgt durch Kläranlagen, die Nitrat und Artzneimittel nicht rausfiltern können. Zudem möchte ich nicht wissen, welcghe Altlasten sich noch in den Böden befinden. Leider ist in dem Artikel nicht ersichtlich, ob und welche Proben bei dem Landwird auf der Fläche gezogen wurden. Dort müßten dann ja auch erhöhte Werte gewesen sein. Es wäre vielleicht tatsächlich Iinteressant im gesamten Wohngebiet Proben zu ziehen. Auch an Stellen, die sich weit entfernt von dem Acker befinden. Da es sich um die neuste Technik bei dem LAndwirt handelt, ist davon auszugehen, dass auch die Pflanzenschutzspritze Computergesteuert und evtl sogat Sateliteng gestützt ist. Ich finde es ziemlich anmaßend hier solche Anschuldigungen zu machen. Zudem werden im ökologischen Landbaue auch Pflanzenschutzmittel eingesetzt, diese sind jedoch noch schädlicher für Insekten und Menschen. Aber das wissen sie natürlich selbst.

Zu DDR Zeit floss das Abwasser ungeklärt in der Müritz, das wurde alles verheimlicht, man hatte Angst vor der Stasi, die Umweltschützer wurden eingesperrt