ANFRAGENFLUT WEGEN CORONAVIRUS

▶ Lebenshilfswerk Waren näht Tausende Atemschutzmasken

Weil es wegen der Corona-Krise keine zu kaufen gab, begann das Warener Lebenshilfswerk, selbst Atemschutzmasken zu produzieren – mit ungeahnten Folgen.
Durch die Corona-Krise näht Cathleen Lasarzek erstmals in ihrem Leben Atemschutzmasken aus 100-prozentiger Baumwolle. Hie
Durch die Corona-Krise näht Cathleen Lasarzek erstmals in ihrem Leben Atemschutzmasken aus 100-prozentiger Baumwolle. Hier vernäht sie die gelegten Falten. Susann Salzmann
Können sich vor Anfragen kaum retten: Fünf Tage die Woche werden gegenwärtig in der Schneiderei des Lebenshilfs
Können sich vor Anfragen kaum retten: Fünf Tage die Woche werden gegenwärtig in der Schneiderei des Lebenshilfswerks in Waren von Liane Ahrens, Stefanie Garavito-Vargas, Sabine Kruse und Sybille Hoffmann (v. r. n. l.) Atemschutzmasken produziert. Im Hintergrund Geschäftsführerin Anke Koth. Susann Salzmann
Ruckzuck sind drei Falten in den Baumwollstoff gelegt. Die Kanten werden vernäht.
Ruckzuck sind drei Falten in den Baumwollstoff gelegt. Die Kanten werden vernäht. Susann Salzmann
Waren.

In Zeiten der Corona-Krise macht das Lebenshilfswerk in Waren aus der Not eine Tugend. Um Fachkräfte und beeinträchtigte Mitarbeiter vor einer Ansteckung mit der Atemwegskrankheit zu schützen, mussten Atemschutzmasken her. Auf dem freien Markt jedoch ist der Kauf solcher Masken gegenwärtig vollkommen aussichtslos. Was liegt also näher, als die Idee, dass sich eine gelernte Schneiderin und drei Fachkräfte des Lebenshilfswerks zusammentun, um in der eigenen Schneiderei selbst Schutzmasken anzufertigen. „Bisher haben wir 920 Stück geschafft“, erklärte Schneiderin Sybille Hoffmann am Donnerstagnachmittag.

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Anfang vergangener Woche hatte sie begonnen, die Kolleginnen in die Arbeit mit Industrienähmaschinen einzuweihen. Zu den Fachkräften gehören etwa eine Rezeptionistin und eine Konditorin. Normalerweise hätten sie im Hotel Am Tiefwarensee und dem dazugehörigen Café zum Frühlingsanfang alle Hände voll zu tun. Doch seit vergangenem Mittwoch sind das Hotel und das Café geschlossen. Touristen dürfen wegen der Corona-Krise ohnehin nicht mehr aufgenommen werden. Und ein Café ist angesichts des erlassenen Kontaktverbots zur Eindämmung des Virus derzeit auch nicht der richtige Ort, um mit Freunden und Familie eine Auszeit vom Alltag zu genießen.

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Hotel-Bettlaken sind guter Ausgangs-Stoff

Aus den Bettlaken des Hotels Am Tiefwarensee werden in sieben Arbeitsschritten Atemschutzmasken. Aus 100-prozentiger Baumwolle. Zum besseren Schutz wird der Stoff doppellagig verarbeitet, zeigt Sybille Hoffmann und zieht im Handumdrehen drei Falten ein. Der Vorteil der Anfertigungen: „Die Baumwolle ist schon vorgewaschen, damit sie nicht einläuft, und später sind die Masken für das Reinigen kochfest“, erzählt die gelernte Schneiderin. Auch wenn die Masken keinen 100-prozentigen Schutz bieten, so filtern sie doch die Atemluft. Dadurch vermindern sie die Gefahr, dass der Träger andere ansteckt, aber auch dessen eigenes Infektionsrisiko.

In der Näherei arbeiten eigentlich Fachkräfte mit ihren beeinträchtigten Kollegen andere Aufträge ab. Die sind nun aber zurückgestellt. Stattdessen werden sieben Stunden täglich – bislang an fünf Wochentagen – Atemschutzmasken hergestellt. Alle auf Bestellung. Bisher gebe es insbesondere Anfragen aus dem medizinischen und pflegerischen Bereich, und das zum Teil weit über die Grenzen der Müritzregion hinaus. Das Auftragsvolumen nur aus diesem Bereich wuchs laut Verwaltungsmitarbeiter Gordon Kempf allein am Mittwoch auf 2000 Stück.

Großteil der behinderten Mitarbeiter zu Hause

Zu den ersten Auftraggebern gehörte nach Nordkurier-Informationen auch die Warener Tafel. Insgesamt 16 Masken wurden für die dortigen Mitarbeiter angefordert. Weitere Unternehmen, Apotheken, Institutionen, aber auch Privatleute haben inzwischen Interesse angemeldet. Deshalb existiere bereits eine Warteliste. Die versucht das Quartett, an den Nähmaschinen peu à peu abzuarbeiten. Bis auf unbestimmte Zeit. Denn zum Schutz der knapp 300 behinderten Mitarbeiter ist ein Großteil dieser nun zu Hause. Insbesondere bei schwerst mehrfach Beeinträchtigen wäre eine Weiterbeschäftigung in den Werkstätten laut Geschäftsführerin Anke Koth verantwortungslos.

Am Donnerstag stieß zum Näher-Quartett mit Sabine Kruse aber doch eine behinderte Mitarbeiterin, die seit 24 Jahren in der Näherei des Lebenshilfswerks arbeitet. Zu Hause, erzählt die 43-Jährige, falle ihr die Decke auf den Kopf. Deshalb sei sie dankbar für die Möglichkeit des Mithelfens, sagt sie und widmet sich wieder dem Glätten der Masken-Bänder.

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In der Näherei an der Gievitzer Straße in Waren wird übrigens nicht mit Atemschutzmasken gearbeitet. Dafür halten die Kolleginnen Abstand und reinigen mit Desinfektionsmittel die Nähmaschinen und Flächen, auf denen sie arbeiten.

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