Krebskranke Röbelerin
Letzter Wunsch führt nun für immer ins Saarland

Beate Lorbeer mit ihrem Mann Nico bei einem Besuch in Waren. Es wird einer der letzten gewesen sein.
Beate Lorbeer mit ihrem Mann Nico bei einem Besuch in Waren. Es wird einer der letzten gewesen sein.
Susann Salzmann

Wie viel Lebenszeit die Uhr der krebskranken Beate Lorbeer noch anzeigt, ist unklar. Ihr sehnlichster Wunsch erfüllte sich vergangene Woche. Sie sah ihren Sohn wieder. Nun möchte sie unter ihr Leben in Röbel einen Schlussstrich ziehen. Doch dabei brauchen sie Hilfe.

Der Krebs in Lunge und Leber arbeitet sich vor im Körper von Beate Lorbeer. Ihr Körper wird schwächer. „Nun muss ich noch mal alle meine Kraft aufbringen“, sagt die 53-Jährige. Nachdem ihr sehnlichster Wunsch – ihren Sohn im knapp 800 Kilometer entfernten Saarland wiederzusehen – vergangene Woche dank des Wünschewagens des ASB und großzügiger Spenden realisiert werden konnte, zerriss es das Mutterherz fast, sich wieder von ihm zu trennen.

Vielleicht bleiben ihr nach der Krebsdiagnose im Dezember 2018 noch einige Monate, mitunter wenige Wochen. Ihren Lebensabend möchte sie nun für immer bei ihrem Sohn im Saarland verbringen. „Meinen Sohn jeden Tag sehen und umarmen, Zeit mit ihm und seiner netten Freundin verbringen“, erzählt sie fast träumerisch. Sohn Kai sei der einzige noch lebende Familienangehörige. Weil die Zeit knapp wird, soll der Umzug schon im März über die Bühne gebracht werden.

Einer ihrer Söhne verstarb bereits an Krebs

Umzugsstrapazen, denen sich die Röbelerin zwischen ihren alle drei Wochen stattfindenden Chemotherapien stellen möchte. „Wenn es mein Herzenswunsch ist, soll ich das machen“, zitiert sie die Meinungen ihrer Ärzte, die ihr den Umzug aus gesundheitlichen Gründen noch nicht untersagen würden.

Im saarländischen Neunkirchen hat sie 47 Jahre gelebt, wuchs dort selbst auf und hat ihre zwei Söhne – von denen einer mit 29 Jahren an Krebs verstarb – großgezogen.

Den Rest des Geldes haben sie selbst gespendet

Ein Lkw für den Umzug stehe schon bereit. Wie die Frau ohne große Strapazen erneut ins Saarland kommt, ist gegenwärtig ungeklärt. Beide Seiten – sowohl Lorbeers Ehemann als auch der Sohn – besäßen weder Führerschein oder Auto. Zugreisen schaffe die Frau aufgrund der körperlichen Verfassung und aufgrund einer starken Sehschwäche gar nicht mehr. Seine Hoffnung legt das Ehepaar daher nun ein zweites Mal auf den Wünschewagen. Neuneinhalb Stunden dauerte die Fahrt zuletzt. Dabei wurde aus medizinischer Sicht immer ein wachsames Auge auf sie gehalten.

Im Saarland selbst möchte Beate Lorbeer nicht nur durch die Nähe zum Sohn Kraft für den Alltag schöpfen, sondern ihrem Leben durch die Arbeit in einer Behindertenwerkstatt wieder mehr Sinn geben, damit sie durch die Gedanken an ihre Krankheit nicht zermürbt werde.

Sie brauchen Hilfe für den Umzug

Sebastian Kairies von der Initiative „Tätowierte gegen Krebs“ aus Wismar spendete 1000 Euro für das erste Wiedersehen. Der Restbetrag, der nach dem Saarland-Aufenthalt übrig blieb, wurde auf Wunsch des Röbeler Ehepaars gespendet. „Etwa 400 Euro gingen an den Arbeiter-Samariter-Bund“, erzählt Nico Lorbeer. Nur mit Spenden wie diesen kann der Wünschewagen, der Schwerkranken die letzten Sehnsüchte erfüllt, betrieben werden.

Weil das Paar nach dem Bekanntwerden mit großer Hilfsbereitschaft konfrontiert war, entschied es sich, auch diese zu spenden. An die „Elterninitiative für krebskranke Kinder“, eine bundesweite Hilfsorganisation.

Es war gut und richtig, das Geld, was man nicht benötigte, an andere Hilfsbedürftige weiterzugeben, sagt der Ehemann. Und doch, fühlt dieser sich unangenehm wie ein Bittsteller, benötige man noch Hilfe, um den Umzug stemmen zu können. Nach den Hilfebekundungen der letzten Zeit haben beide diese Hoffnung darauf nicht verloren.

Kommentare (1)

Dafür gibt's doch das Leserhilfswerk, oder nicht?