EU-AKADEMIE IN WAREN

Litauischer Botschafter kritisiert Nord Stream 2 als Fehler

Der litauische Botschafter Darius Jonas Semaška sprach in Waren über das angespannte Verhältnis zu Russland und kritisierte den Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2.
Carina Göls Carina Göls
Seine Exzellenz Darius Semaška, Botschafter der Republik Litauen in Deutschland entfachte durch seinen Vortrag eine rege Diskussion mit dem Publikum.
Seine Exzellenz Darius Semaška, Botschafter der Republik Litauen in Deutschland entfachte durch seinen Vortrag eine rege Diskussion mit dem Publikum. Carina Göls
In der Europäischen Akademie ist die Ausstellung „Wolfskinder” noch bis Ende April zu sehen.
In der Europäischen Akademie ist die Ausstellung „Wolfskinder” noch bis Ende April zu sehen. Carina Göls
Waren.

„Nicht alles, was Deutschland macht, ist gut,“ hieß es gleich zu Beginn aus dem Publikum an die Adresse des Diplomaten aus Litauen. Die Sparpolitik, der Abbau von Lehrern und Polizisten, Stuttgart 21, der Umgang mit den USA und den schleppenden Berliner Flughafen-Bau zählte Volkes Stimme auf.

Darius Semaška, Botschafter der Republik Litauen in Deutschland, hörte gut zu, als er in der Europäischen Akademie in Waren zu Gast war. Die Akademie hatte den Botschafter eingeladen, um über das angespannte Verhältnis zu Russland und die unsichere internationale Lage zu sprechen.

Steiniger Weg nach Europa

Litauen wurde im Zweiten Weltkrieg abwechselnd von Hitler-Deutschland und der Sowjetunion besetzt. Nach Kriegsende war der Baltenstaat bis 1990 unfreiwillig Teil der Sowjetunion – das Verhältnis zum russischen Nachbarn ist bis heute angespannt. Seit 2004 gehört Litauen EU und Nato an.

„Unser Weg zurück nach Europa war steinig“, betonte Semaška. Umso wichtiger sei es heute sagen zu können, „dass wir das Recht haben, frei zu wählen, zu welchem Bündnis wir gehören. Wir haben uns für Nato und EU entschieden. Freiheit ist kein Geschenk. Sie muss erstritten und erkämpft werden.“

Angst vor Russland?

„Hat Ihr Land Angst vor Russland?“, wollte jemand aus dem Publikum wissen. „Angst nicht, aber es gibt gewisse Verhaltensmuster, die uns beunruhigen“, sagte der Diplomat und schlug einen kritischen Tonfall an. „Russland versucht beispielsweise, unsere Medien zu beeinflussen und verbreitet selbst mit einer gezielten Informationspolitik immer wieder unterschiedliche vermeintliche Wahrheiten.“

Auf die Frage, wie es mit dem Umweltschutz und der Reinhaltung der Ostsee steht, antwortete Semaška mit noch mehr Stolz auf sein Land: „Wir sind vor 20 Jahren aus der Kohle ausgestiegen. Das Abwasser wird besser denn je gereinigt, die Landwirtschaft ist nicht mehr so intensiv wie zu Sowjetzeiten.“ Gas (das immer noch aus Russland bezogen wird) und Bioheizmasse gehörten zur Normalität.

Botschafter: Nord Stream 2 ist ein Fehler

Apropos Gas: Als Fehler bezeichnete der Botschafter den Bau der Unterwasser-Gasleitung Nord Stream 2. „Das schafft Abhängigkeit von Russland“, so der Litauer. Und es koste viel Geld. „Deutsche Unternehmen beteiligen sich mit knapp drei Milliarden Euro an dem Bau der Ostseepipeline“, berichtete Semaška.

Trotz kritischer Worte, die laut des litauischen Gastes unter Partnern möglich sein müssten, lobte der Botschafter die Beziehungen zwischen seiner Nation und Deutschland. „Litauen und Deutschland sind politisch und geschäftlich so eng miteinander verbunden wie nie zuvor.“

Mit Deutschland tausche Litauen Waren im Wert von mehr als fünf Milliarden Euro aus.Damit sei „Deutschland umsatzstärkster Handelspartner unter den baltischen Staaten und drittgrößter Investor in Litauen.“ Zudem sei sein Land beliebtes Reiseziel der Deutschen geworden, so der Diplomat.

Verhältnis zu Russland angespannt

„Dennoch ist und bleibt Russland größter Handelspartner Litauens“, sagte der Diplomat. Doch das Verhältnis zum großen Nachbarn ist angespannt. Mit Blick auf die Stationierung russischer Iskander-Raketen im Oblast Kaliningrad und vor dem Hintergrund der hybriden Kriegsführung Russlands mit der Ukraine setze die litauische Politik auf die Positionierung Litauens in der Nato und der EU. Der Verteidigungshaushalt solle bis 2030 auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes wachsen.

Trotz der guten wirtschaftlichen Entwicklung mit jährlich drei bis vier Prozent Wirtschaftswachstum habe Litauen mit Abwanderung und trotz leichter Verbesserung mit einer „immer noch niedrigen Geburtenrate“ zu kämpfen, so Semaška. Von den einst 3,6 Millionen Litauern zähle man heute nur noch 2,8 Millionen.

England, Irland, Norwegen und Dänemark seien die Länder, an die das Land die meisten Menschen auf der Suche nach Jobs vor allem und neuen Perspektiven verloren habe. Doch damit stehe man in Europa nicht allein da.

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Kommentare (1)

Aus dem warmem Regen der Kritiker von Nord Stream 2 sollte D gestärkt und frischen Geistes hervorgehen - zeigt sie doch die Positionierung unserer sogenannten Freunde gegenüber uns sehr direkt auf