Ein Lkw-Prototyp mit Brennstoffzellen-Antrieb, der keine Abgase mehr ausstößt, wurde heute im Existenzgründung
Schön bunt sieht dieser Laster aus. Ein Hingucker, aber auch sonst kann das Fahrzeug was, was die Transportbranche an der Müritz staunen lässt. Michael Grote
Transportbranche

Dieser Lkw ist besonders – und das liegt nicht an diesen Farben

Es summt lediglich – schon ist er vorbeigerollt. Eine komplette Sattelzugmaschine – und so leise! Präsentiert wurde dieser Prototyp nun in Waren.
Waren

Dass die akku-gestützte Elektromobilität wirklich die Zukunft ist, wird vor allem in der Nutzfahrzeugbranche bezweifelt. Eine mögliche Alternative wurde am Mittwoch in Waren auf dem Gelände des Existenzgründungszentrums Mecklenburgische Seenplatte vorgestellt. Es handelt sich um einen Lkw, der mittels Brennstoffzelle seine Antriebsenergie aus Wasserstoff gewinnt. Der Hauptvorteil: Das Fahrzeug stößt keine Abgase aus, sondern nur Wasserdampf.

Mehr lesen: Erster Wasserstoffzug für Taunus-Strecken eingetroffen

Alternative Antriebskonzepte gesucht

Um die Mobilität der Zukunft nachhaltig und klimafreundlich zu gestalten, werden alternative Antriebskonzepte benötigt. Allerdings ist die Idee, eine Brennstoffzelle zum Antrieb eines Fahrzeugs zu nutzen, nicht wirklich neu. So stellte Mercedes-Benz bereits 1994 ein Fahrzeug mit Brennstoffzelle vor. Jedoch nahmen die Komponenten für die Erzeugung der Antriebsenergie seinerzeit fast den kompletten Laderaum des Kastenwagens ein.

Fuhrunternehmer zeigen Interesse

Da ist der aus einer DAF-Zugmaschine vom Typ XF 106 entstandene Prototyp namens Fyuriant wesentlich näher an der Praxistauglichkeit. Zwar ist die Sattelzugmaschine in der Länge um 60 Zentimeter gewachsen und einige Hundert Kilo schwerer als in ihrer Verbrenner-Zeit, doch das fällt kaum auf. Außerdem handelt es sich um einen Prototypen, der in der Serie noch etwas leichter und handlicher werden soll. Die bei der Präsentation anwesenden Fuhrunternehmer kamen überwiegend aus der Region und zeigten sich mehrheitlich interessiert. Allerdings hatten sie doch einige Fragen, zu Beispiel die notwendige Infrastruktur betreffend. Wasserstoff-Tankstellen sind hierzulande nach wie vor Mangelware – bundesweit gibt es aktuell rund 150. Doch das wird sich schon bald ändern.

Mit „grünem Strom” erzeugter Wasserstoff

Davon ist nicht nur Maik Groß von der Firma Clean Logistics überzeugt, dessen Unternehmen den Prototypen gebaut hat und in absehbarer Zeit eine Flotte von zunächst 5000 Brennstoffzellen-Lkw auf die Straße bringen will. Mit ihrem Partner GP Joule Hydrogen GmbH will die Firma einen einfachen Einstieg in die emissionsfreie Logistik ermöglichen. Im Grunde geht es darum, den für die Fahrzeuge notwendigen Wasserstoff auf umweltfreundliche Weise in der Region zu produzieren. Über ein zu errichtendes Tankstellennetz sollen die (wahlweise zum Leasing angebotenen) Brennstoffzellen-Lkw versorgt werden, die den regional mit „grünem“ Strom erzeugten Wasserstoff dann in eben dieser Region verbrauchen sollen. Das bietet sich an, denn die Reichweite der Brennstoffzellen-Lkw ist mit 400 bis 500 Kilometern Reichweite nur begrenzt fernverkehrstauglich – auch wenn Maik Groß betont, dass ein Tankvorgang nicht wesentlich länger dauern soll als bei heutigen Brummis mit herkömmlichem Diesel.

Leea bietet sich als Ansprechpartner an

Von den Lastwagen mit alternativem Antrieb soll ein Teil auch in der Müritzregion seinen Standort bei verschiedenen Transportunternehmen finden. Dass diese Vision Realität wird, dabei möchte das Kompetenzzentrum alternative Mobilität Mecklenburg-Vorpommern einen Beitrag leisten. Das im Landeszentrum für erneuerbare Energien M-V (Leea) mit Sitz in Neustrelitz beheimatete Zentrum bietet sich als Ansprechpartner bei allen Fragen zu Förderungen, Tank- und Ladeinfrastrukturen an. Außerdem weiß Projektleiter Robert Grzesko, welche Fahrzugmodelle mit Wasserstoffantrieb aktuell am Markt angeboten werden. Die Beratung ist seitens des Kompetenzzentrums grundsätzlich kostenlos.

zur Homepage