Entlassungen

Luftfahrt-Museum kann seine Mitarbeiter nicht halten

Das Luftfahrttechnische Museum ist für Rechlin sowie für die südliche Müritz eine beliebte Einrichtung bei den Touristen. Doch nun muss die Einrichtung eine sehr schwierige Situation meistern.
Das Luftfahrttechnische Museum musste wegen der Corona-Krise schließen. Torsten Heinrichs musste vier Mitarbeiter entlassen.
Das Luftfahrttechnische Museum musste wegen der Corona-Krise schließen. Torsten Heinrichs musste vier Mitarbeiter entlassen. privat
Auf dem Gelände des Luftfahrttechnischen Museums werden auf absehbare Zeit keine Besucher betreut werden können.
Auf dem Gelände des Luftfahrttechnischen Museums werden auf absehbare Zeit keine Besucher betreut werden können. Torsten Heinrichs
Rechlin

Das Luftfahrttechnische Museum Rechlin ist in extrem schweres Fahrwasser geraten. „Wir mussten alle Mitarbeiter entlassen“, sagt Torsten Heinrichs, Vorsitzender des Fördervereins. Der Grund: Nachdem die Regierung vergangene Woche wegen der Corona-Pandemie angeordnet hatte, dass öffentliche Einrichtungen wie Museen bis zum 19. April geschlossen bleiben sollen, hätten die Mitarbeiter Kurzarbeitergeld beziehen müssen.

Verein kann kein Geld vorschießen

Da sich das Museum nicht in kommunaler Hand befindet, sondern von einem Verein betrieben wird, müsse der das Kurzarbeitergeld selber tragen. Zumindest die ersten drei Monate, erst danach könnte die Agentur für Arbeit einspringen – so wollte es die alte Regelung. Laut neuer, der Corona-Krise angepasster Regelung, sollte das Museum schneller als erst in drei Monaten Geld erhalten. Doch auf die Frage an die Arbeitsagentur, ob das Kurzarbeitergeld ab sofort übernommen werde, sei ihm gesagt worden, dass das Museum die ersten drei Monaten „vorschießen“ müsse, so Heinrichs.

Da es momentan keine Einnahmen gibt und auch noch andere Fixkosten in Höhe von jährlich 90 000 Euro bezahlt werden müssen, kann das Kurzarbeitergeld an die Mitarbeiter nicht gezahlt werden. Die Folge waren die Kündigungen. „Wenn wir jetzt nicht agiert hätten, wäre unser Konto im Juni auf Null“, verdeutlichte Heinrichs. Dann hätten wir Insolvenz anmelden müssen. „Ist eine Sache erst einmal tot, ist es schwer, sie wieder zu beleben“, macht er deutlich.

Martin Wallit, Teamleiter des Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Neubrandenburg, wies daraufhin, dass man drei Monate Zeit habe, das Kurzarbeitergeld zu beantragen. „Wir versuchen, das Geld so schnell wie möglich auszuzahlen“, sagte Wallit. Beim Rechliner Museum müsse es sich um ein Missverständnis handeln.

Nur ein Missverständnis oder bittere Realität?

Torsten Heinrichs hält dagegen. Ihnen sei es explizit so erklärt worden, sagt er mit Blick auf das Kurzarbeit-Thema. Als er daraufhin erwiderte, dass sich das Museum diese Ausgaben nicht leisten könne, habe er eine niederschmetternde Antwort erhalten. „Dann müssen Sie halt kündigen“, sei ihm gesagt worden.

Für Fördervereinschef Torsten Heinrichs ist die ganze Situation ziemlich bitter – pro Jahr strömen an die 30 000 Besucher in das Museum. Auch in diesem Jahr seien sie mit 500 Besuchern seit Eröffnung im Februar im Soll gewesen. Zudem seien viele der Mitarbeiter zwischen 10 und 15 Jahre beim Luftfahrttechnischen Museum aktiv, haben die Entwicklung Schritt für Schritt aktiv begleitet. „Sie haben die bittere Pille geschluckt und gesagt, dass sie im Ehrenamt leisten werden, was möglich ist“, erläuterte Heinrichs.

Ob die Gemeinde dem Museum aktuell oder künftig unter die Arme greifen kann, ist derzeit völlig ungewiss. Wie Rechlins Bürgermeister in einem Telefonat mitteilte, werde man sich mit den Auswirkungen für das Museum zum gegebenen Zeitpunkt befassen. Derzeit gebe es in allen Bereichen Einschnitte, gelangen kleine wie auch große Unternehmen an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit, so Wolf-Dieter Ringguth (CDU).

Gemeinde rutscht tief ins Minus

So fallen auch für die Gemeinde touristische Einnahmen weg, beispielsweise weil die Campingplätze geschlossen und Pachteinnahmen vom gemeindeeigenen Claassee verloren gingen. Aufgrund der landesweiten Verordnungen sei auch die Tourismus- und Dienstleistungsgesellschaft Rechlin mbH geschlossen und kurzfristig alles eingerichtet worden, damit die Mitarbeiter von zu Hause arbeiten können. Trotzdem werde für sie Kurzarbeit beantragt.

Darüber hinaus sei der Haushalt dieses Jahr erstmals mit 550 000 Euro ins Minus gerutscht, weshalb ein kräftiger Griff aus der Rücklage nötig war. „Die Möglichkeiten, um jetzt richtig gut zu handeln, sind eingeschränkt“, erklärte der Bürgermeister.

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