KINDESMISSBRAUCH

Malchower soll sich auch an eigener Tochter vergangen haben

Ein Malchower wurde festgenommen, weil er zwei Mädchen missbraucht haben soll. Fatal: Er war schon wegen Missbrauchs angeklagt – seiner eigenen Tochter.
Nadine Schuldt Nadine Schuldt
Dunkle Wolken hängen über der idyllischen Stadt. In Malchow waren Eltern schon lange in Sorge vor dem Mann, der am Freitag wegen des Missbrauchs von zwei Mädchen festgenommen wurde. Denn es war offenbar nicht das erste Mal.
Dunkle Wolken hängen über der idyllischen Stadt. In Malchow waren Eltern schon lange in Sorge vor dem Mann, der am Freitag wegen des Missbrauchs von zwei Mädchen festgenommen wurde. Denn es war offenbar nicht das erste Mal. NK-Archiv
Malchow.

Die Herbstsonne glitzert an diesem Dienstag auf dem Malchower See. Doch die Idylle trügt. Viele Einwohner sind einfach nur wütend und fassungslos. Sie sind entsetzt über das, was nun öffentlich wurde.

Die Polizei hatte am Freitag einen mutmaßlichen Sexualstraftäter in Malchow festgenommen. Dabei handelt es sich um einen 33-Jährigen, der von der Staatsanwaltschaft Dresden per Haftbefehl gesucht wurde. Er soll über Internetportale Kontakt zu einer alleinerziehenden Frau aus Sachsen bekommen haben. Bei gemeinsamen Urlauben soll er deren Töchter sexuell missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann sieben Fälle von Missbrauch an zwei Mädchen vor. Die beiden sollen zum Tatzeitpunkt vier Jahre und zwölf Monate alt gewesen sein.

Missbrauch im Urlaub

„Die genaue Anzahl der Taten werden derzeit ermittelt“, sagt Steve Schulze-Reinhold, Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Dresden. Sie sollen erst im Oktober vorgefallen sein, sagt er. Auch die Online-Kontaktaufnahme sei Gegenstand der aktuellen Ermittlungen, so Schulze-Reinhold.

Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft offenbar aber auch gegen die Mutter der Mädchen. Sie soll bei einigen der Taten aktiv mitgewirkt haben, wie die Schweriner Volkszeitung am Mittwoch schrieb. Demnach habe das Jugendamt der Mutter die Kinder bereits entzogen.

In Malchow ist der Fall seit Bekanntwerden am Montagabend Gesprächsthema Nummer 1. „Es ist unfassbar, man kann es gar nicht glauben“, sagt Kathleen Stutz, die als Geschäftsführerin des Vereins Kultur- und Sportring „Regenbogen“ Kontakt zu vielen Leuten hat. Viele Malchower wüssten, wer der 33-Jährige ist, sagt sie. Denn in der Stadt ist es kein Geheimnis, dass er sich auch an seiner eigenen Tochter vergangen haben soll.

Berufung nach dem Urteil im September

Laut Michael Stork, Richter am Amtsgericht Waren, stand der Mann in diesem September vor Gericht, weil er seine vierjährige Tochter 2017 zweimal sexuell missbraucht haben soll. „Er wurde zu einem Jahr und zehn Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt“, sagt Stork. Allerdings legte der Angeklagte Berufung ein. Dadurch konnte das Urteil noch nicht vollstreckt werden, weil es noch nicht rechtskräftig war. Der Verdächtige blieb auf freiem Fuß. Weil er ohne Bewährung verurteilt wurde, habe er keine Auflagen gehabt, erklärt Stork.

Das könnten viele Malchower nicht verstehen, sagt Kathleen Stutz. Sie seien über den erneuten Vorfall richtig wütend. Und viele Eltern seien besorgt und sehr vorsichtig. Auf den Spielplätzen hätten sie schon extrem auf ihre Kinder aufgepasst. Kathleen Stutz vermutet, dass die Eltern jetzt noch vorsichtiger sein werden.

Wegen Nötigung einer 14-Jährigen verurteilt

Die Sorge war nicht unbegründet. So war der Mann schon 2014 das erste Mal aufgefallen. „Er hatte damals im Biestorfer Weg in Malchow eine 14-Jährige angefallen“, sagt Alexandra Sprigode-Schwenke, Richterin am Warener Amtsgericht. Allerdings habe sich das Mädchen befreien und weglaufen können. Schwenke hatte sowohl diese Tat als auch den mutmaßlichen Missbrauch der Tochter des Malchowers behandelt.

2014 wurde der Mann wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Sie habe ihn als ruhigen Mann erlebt, der sich in den Verhandlungen zurückgenommen hatte, erzählt Sprigode-Schwenke. „Er hatte die Taten abgestritten und sich nicht weiter dazu geäußert.“

Derzeit sitzt der 33-Jährige in Untersuchungshaft in Bützow. Von dort soll er in den kommenden Tagen nach Dresden gebracht werden. Er wird dann dort vernommen. „Dort wird er auch in Haft bleiben“, sagt Steve Schulze-Reinhold von der Staatsanwaltschaft Dresden.

 

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