Heimatgeschichte

▶ Malchow erinnert an die Opfer der Werwolf-Tragödie

Als der Opfer der Werwolf-Tragödie in Malchow gedacht wurde, gab es mit dem Röbeler Bürgermeister einen besonderen Gast.
Erstmals sprach Röbels Bürgermeister über die Werwolf-Erfahrungen seiner Ahnen.
Erstmals sprach Röbels Bürgermeister über die Werwolf-Erfahrungen seiner Ahnen. Susann Salzmann
Ein langes Anliegen konnte nun umgesetzt werden: Horst Vau steht neben der frisch enthüllten Namenstafel, die verstorbene
Ein langes Anliegen konnte nun umgesetzt werden: Horst Vau steht neben der frisch enthüllten Namenstafel, die verstorbene Opfer der Tragödie namentlich benennt. Susann Salzmann
Die Familien Vau und Halbig kümmern sich jährlich darum, eine würdige Gedenkveranstaltung für die Opfer de
Die Familien Vau und Halbig kümmern sich jährlich darum, eine würdige Gedenkveranstaltung für die Opfer der Werwolf-Tragödie zu gestalten. Das gelang auch diesmal. Susann Salzmann
Der Onkel von Andreas Sprick brachte zum Teil verstörende Momente aus einer Zeit der „Werwolf”-Haft zu Papier
Der Onkel von Andreas Sprick brachte zum Teil verstörende Momente aus einer Zeit der „Werwolf”-Haft zu Papier. Susann Salzmann
Röbel

Mädchen wie Jungen, die des „Werwolf“-Daseins verdächtigt wurden, wurden zu Unrecht gefoltert, verurteilt und inhaftiert. Dieses grausame Schicksal erlitt auch Werner Sprick, der Vater des Röbeler Stadtoberhauptes Andreas Sprick (CDU). Anlässlich des Gedenkens der Werwolf-Tragödie in der Malchower Gartenstraße sprach Stadtchef Sprick erstmals über das, was neben seinem Vater auch 33 Malchower Jugendlichen zugestoßen war: Sie wurden verdächtigt, einer Hitler-Jugendbewegung anzugehören, die als Partisanen gegen die heranrückende Sowjetarmee kämpfen sollte.

Direkt vom elterlichen Hof abgeholt

Heute sind die Opfer rehabilitiert, doch damals wurden ganze Leben zerstört. Für Werner Sprick und dessen Bruder Wilhelm begann das Grauen am 25. September 1945. An diesem Tag wurden sie abgeholt. Direkt vom elterlichen Hof in Fincken unweit von Röbel.

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Die Sprick-Geschwister waren nicht allein. Auch vier weitere Jungen wurden verhaftet. Werner Sprick war damals 16 Jahre alt. „Es ist unbekannt, wie es zur Verhaftung kam“, erzählte Andreas Sprick erstmals über das Schicksal seines Vaters und Onkels im Rahmen der Malchower Gedenkveranstaltung. Spricks Angehörige, beide bereits verstorben, wurden nach ihrer Verhaftung in den Kellern des GPU-Geheimdienstes in Röbel, Waren und später in Schwerin verhört. Als sie schließlich vor ein sowjetisches Militärgericht gestellt worden waren, wurden sie freigesprochen – zunächst. Im August 1946 folgte eine zweite Verhandlung vor dem Militärgericht. Dort wurden die Sprick-Brüder wegen antisowjetischer Propaganda zu einer acht Jahre währenden Freiheitsstrafe verdonnert. Aufenthalte in mehreren Internierungslagern folgten. 1948, also nur rund zwei Jahre später, „waren bereits drei der sechs Finckener Jungen an den Folgen der unmenschlichen Haft verstorben“, sagte Sprick. Seine Angehörigen hätten die Haft überlebt, seien „im Oktober 1950 mit schweren seelischen und körperlichen Schäden entlassen“, erzählte Röbels Stadtchef die Geschichte mit gesenktem Kopf zu Ende.

600 Zeichnungen von der Haftzeit

Wilhelm Sprick fertigte über 600 Zeichnungen mit Szenen aus der Haftzeit an. Es sind verstörende Motive. Sie zeigen auch eine Begebenheit, die sich auf einem Marsch zugetragen haben soll. Werner Sprick drohte, vor Schwäche zusammenzubrechen. Er sollte daher erschossen werden. Sein Bruder Wilhelm und ein anderer Mithäftling stützten den Jugendlichen. So brachten sie ihn gemeinsam ins nächste Lager und retteten ihm damit das Leben.

Organisator Horst Vau aus Neubrandenburg konnte zur Gedenkveranstaltung mehr als 50 Menschen aller Generationen zum Gedenkort in der Gartenstraße holen. Seit dem Volkstrauertag ist der Erinnerungsort um eine Gedenktafel reicher. Sie benennt die 13 der 33 Malchower Jugendlichen, die die stalinistische und kommunistische Gewalt nicht überlebten.

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