"Ungeheuerliche Anschuldigungen"

Malchower Wahlkampf wirft schon lange Schatten

Zwischen Bürgermeister und Ex-Bürgermeister flogen in Malchow jetzt die Fetzen - die Vorwürfe haben es in sich.
Ingmar Nehls Ingmar Nehls
Der ehemalige Bürgermeister von Malchow, Joachim Stein (links), und der aktuelle Bürgermeister René Putzar lieferten sich einen verbalen Schlagabtausch
Der ehemalige Bürgermeister von Malchow, Joachim Stein (links), und der aktuelle Bürgermeister René Putzar lieferten sich einen verbalen Schlagabtausch NK-Bildmontage mit Fotos: Thoralf Plath und Florian Ferber
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Malchow.

Es ging zur Sache, aber weniger um die Sache. Obwohl die Kommunalwahlen erst im nächsten Mai stattfinden, bringen sich einige Malchower Kommunalpolitiker schon in Stellung und feuerten bei der Stadtvertretersitzung am Donnerstagabend auf die Gegner.

Der Wahlkampf ist eröffnet und mehr als 60 Einwohner verfolgten das Spektakel in der Werleburg. Bürgermeister René Putzar (parteilos) hat scharf abgerechnet. Nicht nur mit dem Stadthaushalt, sondern vor allem mit seinem Vorgänger Joachim Stein.

Harte Vorwürfe an Vorgänger Stein

Nur durch extern eingekaufte Unterstützung könne Putzar die Finanzen der Stadt wieder gerade rücken. Geld, das er gern für etwas anderes ausgegeben hätte. Derjenige, der aus Sicht Putzars für die Misere verantwortlich ist, saß im Publikum. „Der damalige Behördenleiter hat sich 2014 nicht gekümmert, einen Haushalt für 2015 vorzulegen. Er hat seinen Mitarbeitern sogar verboten, einen Haushalt zu erarbeiten und damit bewusst der Stadt Schaden zugefügt. Dies geschah aus Eigennutz, gekränkter Eitelkeit und politischem Kalkül. Sie haben das Recht, das zu wissen mit Blick auf die anstehenden Wahlen“, teilte Putzar aus.

"Ungeheuerliche Anschuldigungen"

Neu ist das Thema und die Kritik an Stein nicht. Aussitzen wollte das ehemalige Stadtoberhaupt den Verbalangriff aber auch nicht und so nutzte Stein den Tagesordnungspunkt der Einwohnerfragestunde, um zurück zu schießen. „Die Anschuldigungen zum Haushalt sind ungeheuerlich. Es ist unmöglich, wie Sie damit umgehen. Sie werden noch von mir hören“, drohte Stein.

Streit auch über Brücke über den Recken

Auch das Thema, eine Brücke über den Malchower Recken zu bauen und so eine Verkehrsberuhigung auf der Insel zu erreichen, versank im Streit. Ausgelöst wurde die Debatte durch die neu gegründete Bürgerinitiative von Joachim Stein. Er hatte mit Mitstreitern Unterschriften gesammelt, um einen Grundstücksverkauf an der „Alten Ziegelei“ zu verhindern.

Verkehrskonzept für 200.000 Euro

René Putzar machte auch bei diesem Thema seinem Ärger über den ehemaligen Bürgermeister Luft. Der habe schließlich im Jahr 2005 für 200.000 Euro ein Verkehrskonzept erstellen lassen und sich stets gegen eine weitere Brücke ausgesprochen. „Berechtigte Sorgen der Bürger für den Wahlkampf auszunutzen, halte ich moralisch für bedenklich“, sagte Putzar.