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Malchows Namen bis nach Amerika getragen

Die Liste der Ehrenbürger in der Region ist eine lange. Berüchtigte Nazis, wie bis Donnerstag in Stavenhagen, sind Gott sei Dank aber nicht darunter. Besonders sparsam mit der Ernennung zeigen sich seit fast 90 Jahren die Malchower.

Hohe Ehrung: In den vier Städten der Müritzregion tragen 20 Persönlichkeiten den Titel Ehrenbürger. Auffällig dabei die offensichtliche Verkennung weiblicher Qualitäten. Unter den besonders geehrten Mitbürgern befindet sich nur eine Frau. Positiv dagegen: Weder Waren noch Malchow, Röbel oder Penzlin müssen besondere Anstrengungen unternehmen, um Leuten die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen, die das nicht verdient haben. In Stavenhagen musste man gerade entdecken, dass unter den Ehrenbürgern der Reuterstadt auch immer noch ein gewisser Adolf Hitler rangierte. Am Donnerstag haben die Stadtvertreter beschlossen, diesen Namen aus der Liste zu tilgen.

Die meisten Ehrenbürger unter den hiesigen Städten verzeichnet Malchow. Allerdings, wie der Stadtarchivar Dieter Kurth auf Nachfrage sagte, verzichten die Inselstädter schon seit 1926 auf die Möglichkeit, einen der ihren so zu ehren. Der letzte Name, den Kurth im Archiv entdeckte, ist der des langjährigen Bürgermeisters Friedrich Zelck, der von 1895 bis 1926 die Geschicke der Stadt leitete – immerhin 31 Jahre lang. Unerreichbar heute. Auch nach Ablauf seiner jetzigen Legislaturperiode wird Malchows Stadtoberhaupt Joachim Stein die Zahl nicht toppen können. 1894 sind in Malchow die ersten Ehrenbürgerer nannt worden, gleich fünf auf einmal. Allesamt langjährige Mitglieder des Bürgerausschusses. Der berühmteste unter Malchows besonderen Männern: Professor Karl Zerrahn (1826-1909). Der einstige Barrikadenkämpfer in der Revolution 1848 floh vor Verfolgung nach Amerika und galt dort als berühmter Musiker. „Er hat den Namen Malchows in die USA getragen“, freut sich Dieter Kurth.

Röbels Ehrenbürger ist der Maler und Grafiker Werner Schinko, Waren dagegen nennt drei Ehrenbürger sein eigen. Den Volkskundler Richard Wossidlo, der 1934 dazu ernannt wurde, Pastor Hans-Henning Harder, der im Herbst 1989 „seine“ Georgenkirche dem unzufriedenen Volk öffnete und Jost Reinhold, den Mäzen und Spender. In Penzlin stehen fünf Ehrenbürger in den Chroniken, darunter die einzige Frau: Die bekannte Dokumentarfilmerin Anneliese Thorndike, die von 1945 bis 1950 hier eine Schule leitete.