Seltener Müritz-Hecht
Minister im Gespräch mit einem Gestörten

Nicht an die Scheibe klopfen. Agrar-Minister Till Backhaus kann der Versuchung, beim goldenen Hecht um Aufmerksamkeit zu fordern, gerade noch widerstehen.
Nicht an die Scheibe klopfen. Agrar-Minister Till Backhaus kann der Versuchung, beim goldenen Hecht um Aufmerksamkeit zu fordern, gerade noch widerstehen.
Thomas Beigang

Endlich war es soweit, der ganz besondere Hecht des Müritzeums konnte in seinem neuen Becken präsentiert werden. Ihre Aufwartung machten dem Pigmentgestörten sogar Stadtoberhäupter und auch der Mann, dem alles zu verdanken ist.

Hartmut Kacan steht ganz hinten. Bescheiden wie die meisten Fischer. Damit er nach vorne kommt, in die Reihe, wo schon ein Minister, Bürgermeister, die Vize-Landrätin und ein Landtagsabgeordneter stehen, bedarf es der besonderen Aufforderung der Müritzeum-Geschäftsführerin Andrea Nagel. Denn ohne Hartmut Kacan wäre hier gar nichts gelaufen, ohne den Fischer vom Malchiner See bliebe der Mittwoch im Müritzeum ein Tag wie jeder andere.

Ist der aber nicht. Denn Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) darf den Schleier zur Eröffnung des jüngsten Beckens im Müritzeum lüften und allen zeigen, wer hinter dickem Glas im Wasser schwimmt: Der goldene Hecht, die ganz besondere Attraktion in dem Naturkunde-Museum. Vor ein paar Tagen durfte der Räuber umziehen, raus aus dem einsamen Becken unter der Herrenseebrücke und rein ins Müritzeum, wo er sich bestaunen lassen kann.

Wie das seltene Tier ins Müritzeum kam

Die ausgesprochene Seltenheit, eine Pigmentstörung ist schuld am goldigen Aussehen, musste lange ausharren. Denn schon 2010 hat Fischer Kacan den Hecht in seinen Reusen im Malchiner See gefangen. Und weil das selbst für einen Mann, der seit 1970 den Fischen hinterher jagt, etwas ganz besonderes zu sein schien, hat er in Waren angerufen. Bei Günther Ziebarth, dem Fischexperten. Der fuhr sofort los und war begeistert. Ganz klar etwas für das Müritzeum. Ziebarth transportiere das seltene Tier an die Müritz und hier nahmen sich die Spezialisten vom Müritzeum des Hechtes an. „Aber wir brauchten noch ein besonderes Zuhause für den Goldenen“, erklärt die Chefin vom Müritzeum, Andrea Nagel. Vor Jahren, als das Müritzeum für rund 15 Millionen Euro gebaut wurde, sei ein solches Becken aus Kostengründen gestrichen worden. „Aber dann, als Domizil für den Hecht, war unser Ehrgeiz wieder geweckt.“ Immerhin – 57 000 Euro kostet das Aquarium mit allem Drum und Dran. 21 000 Euro sind als Spenden eingeworben worden, den „Rest“ will das Land drauflegen.

Minister Till Backhaus, neben der Landwirtschaft auch für die Fischerei in Mecklenburg-Vorpommern zuständig, erzählt, auch stolzer Besitzer des Fischereischeins zu sein. Doch muss sich der Goldene deshalb keine Sorgen machen. Backhaus geht vor ihm auf die Knie und betrachtet ihn aus der Nähe. Das macht auch Teterows Bürgermeister Reinhard Dettmann, Oberhaupt der sogenannten Hechtstadt. Und behauptet gar, der Hecht wäre ein Teterower, der sich in den Malchiner See verirrt habe und nun eben in Waren gelandet ist. Doch gönnt Dettmann den Fisch den Nachbarn, schenkt der Müritzeum-Chefin sogar ein Glöckchen. Denn einst hatte der Teterower Stadtfischer, so die Sage, einen kapitalen Hecht gefangen. Um diesen frisch zu halten, beschlossen die Stadtväter, den Hecht mit einer Glocke um den Hals zurück in den See zu setzen. Die Glocke würde in einem fort läuten und der Fisch leicht wiederzufinden sein.

Das Geschenk-Glöckchen aus Teterow muss der Goldene nicht umbinden. Davor bewahrt ihn der Aquarium-Experte Marco Kastner im Müritzeum, der den Hecht seit dessen Gefangenschaft hegt und pflegt. Denn geht alles gut, bleibt der Hecht noch an die 20 Jahre am Leben und den Besuchern erhalten.