MALCHOWER ANGEKLAGT

Missbrauchtes Mädchen spricht vom „bösen Wolf“

Ein Malchower muss sich wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten. Vor Gericht sagten die Väter zweier Mädchen aus.
dpa
Ein Malchower steht wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht (Symbolbild).
Ein Malchower steht wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht (Symbolbild). David-Wolfgang Ebener
Malchow.

Im Prozess um schweren Kindesmissbrauch am Landgericht Dresden sind neue Details bekannt geworden. Die Väter von zwei betroffenen Mädchen (zum Tatzeitpunkt ein und vier Jahre alt) waren im Oktober 2018 selbst in die rumänische Hauptstadt Bukarest geflogen, um ihre Kinder abzuholen.

Zwei Wochen lang war die Mutter mit den Mädchen und ihrem neuen Partner, Daniel P. aus Malchow, in Osteuropa unterwegs. Der 34-jährige steht seit April wegen der Vorwürfe vor der Jugendschutz-Kammer, die Mutter Christin I. (31) aus Dresden wegen Beihilfe. Beiden wird darüber hinaus Kindesentziehung vorgeworfen.

Gemeinsame Zukunft in Dubai versprochen

Eine Ermittlerin berichtete am Freitagnachmittag als Zeugin, dass Daniel P. der Mitangeklagten sehr schnell „ein gutes Leben“ versprochen habe, eine gemeinsame Zukunft in Dubai. Mit diesen Zusagen habe er wohl auch erreicht, dass die Frau ihm Nacktfotos und Videos ihrer Kinder geschickt habe. „Menschlich war es nicht nachvollziehbar“, betonte die erfahrene Ermittlerin.

Daniel P. könne gut reden, gerne über sich selbst, berichtete die Kriminalbeamtin von ihrem Eindruck des Angeklagten, den sie auch vernommen hatte: „Er ist selbstbewusst und weiß sich gut zu verkaufen.“ Es sei nachvollziehbar, dass Frauen Beziehungen mit ihm eingegangen sind, dass sie „darauf anspringen“. Die Ermittlerin berichtete von weiteren Verfahren gegen ihn, unter anderem in Leipzig und Brandenburg.

Nachdem er mit Christin I. und deren Töchtern am ersten Oktober-Wochenende abgereist war, sollte es offenbar auf dem Landweg nach Dubai gehen. Über Tschechien und die Slowakei waren sie zunächst in Ungarn und zuletzt in Rumänien.

Väter machten sich selbst auf die Suche

Die Väter der Mädchen ahnten zunächst von nichts. Sie trafen sich am Sonntag, dem 7. Oktober, zufällig auf einem Dresdner Polizeirevier – um ihre Töchter als vermisst anzuzeigen. Dann begann die Fahndung wegen Kindesentziehung. Fast zwei Wochen dauerte es, bis es den Vätern gelungen war, Kontakt zu ihrer ehemaligen Partnerin herzustellen. Zuvor sei ihr Handy ausgeschaltet gewesen oder sie sei nicht rangegangen. Nun jedoch war die Situation eine andere. P. hatte die Mutter mit den beiden Kindern in Bukarest verlassen und war allein mit deren Auto in Richtung Heimat unterwegs.

Die Väter suchten zunächst die Unterstützung der deutschen Botschaft in Bukarest. Das habe jedoch nicht funktioniert, sagte der 32-Jährige Vater des älteren Mädchens: „Wochenende.“ Am Montag sei er mit dem 27-jährigen Vater der jüngeren Tochter nach Bukarest geflogen. Die ganze Familie habe dafür zusammengelegt. Nach Mitternacht angekommen, machten sich die Männer erfolglos auf die Suche nach der Adresse, die die Mutter ihnen genannt hatte. Schließlich gingen sie zur Polizei.

Albtraum in Bukarest

Die Unterkunft entpuppte sich als „eine Art Frauenhaus“, sagte der 32-Jährige. Am nächsten Morgen übernahm er seine Tochter und flog mit ihr zurück nach Deutschland. Noch vor Ort und im Flugzeug habe das Kind über Schmerzen beim Wasserlassen geklagt.

Später erzählte das Kind, dass es sich auf „Daniels Pullermann“ habe setzen müssen, dass er ihr wehgetan habe. So kamen nach und nach die Taten ans Licht.Die Männer berichteten auch von psychischen Problemen, die Christin I. haben soll. Jeweils nach der Geburt sei sie für längere Zeit stationär in der Psychiatrie wegen Depressionen im Zusammenhang mit der Geburt behandelt worden.

Die zur Tatzeit Vierjährige leide noch heute an den Folgen, ist noch immer in psychotherapeutischer Behandlung. Sie habe anfangs große Angst gehabt, P. könnte wieder vor ihr stehen, vor allem nachts, berichtete der Vater. Sie habe P. den „bösen Wolf“ genannt, der ihr wehgetan habe – und sie habe auch ihre Mutter „böse“ genannt, weil sie von ihr auf P. gelegt worden sei.

Der Prozess wird am 29. Mai fortgesetzt. Ein Urteil wird Mitte Juni erwartet.

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