Fest im Griff des Fischers, aber ganz vorsichtig wird die Große Maräne aus dem Netz geholt.
Fest im Griff des Fischers, aber ganz vorsichtig wird die Große Maräne aus dem Netz geholt. Helga Wagner
Andreas Jaap und Hans-Joachim Behncke von den Alt Schweriner Fischern auf Maränenfang im Drewitzer See. Fest im Griff des
Andreas Jaap und Hans-Joachim Behncke von den Alt Schweriner Fischern auf Maränenfang im Drewitzer See. Fest im Griff des Fischers, aber ganz vorsichtig wird die Große Maräne aus dem Netz geholt.
Fischfang

Mit den Fischern zum Maränenfang auf dem Drewitzer See

Dieser Silberschatz gilt als Delikatesse. Laut Legende hat sich sogar eine heilige Frau mit dem Teufel eingelassen, nur um diesen Fisch auf den Speiseplan zu bekommen.
Alt Schwerin

Das Wetter ist gut. Heute ist der Himmel bedeckt, und es ist nicht so heiß. Sonst sengt oft die Sonne auf die Männer im Boot hernieder. „Aber wir sind ja alle Wetter gewohnt“, winken Andreas Jaap und Hans-Joachim Behncke ab. Hitze und Kälte, sanfte und hohe Wellen. Manchmal auch Sturm, aber dann steuern sie die Boote doch schnell an Land.

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Maräne lebt nur in den reinsten Seen

Die beiden Männer von der Fischerei und Räucherei in Alt Schwerin sind zum Maränenfang auf den Drewitzer See hinausgefahren. Jetzt im Juli und August ist die hohe Zeit für diesen besonderen und edlen Fisch, den es nur in glasklaren, sauberen Gewässern gibt. Der Drewitzer See gehört wie die Müritz und der Schaalsee dazu. Seit dem frühen Morgen sind sie unterwegs. Schnell noch eine kurze Stärkung! Andreas Jaap packt sein Brot aus. Tochter Jessica hat ihm das Frühstück gemacht und ein Salamiherzchen auf die Stulle gezaubert. „So viel Liebe!“, grient sein Spannemann. Hans-Joachim Behncke ist froh, dass Jaap wieder an Bord ist. Nach einem dummen Unfall und einer schweren Knieverletzung. Jaap ist einer der besten, wissen die Kollegen, und mit Leib und Seele Fischer. Er bildet selbst auch Azubis aus. Manche junge Leute haben da romantische Vorstellungen und hören auch schnell wieder auf, weiß er. Es gebe immer weniger, die diesen Beruf erlernen wollen. „Wer möchte die schwere Arbeit noch machen?!“ Auch die Fischgründe würden weniger. „Dazu diese Biester! Sehen Sie dort hinten. Kormorane! Fischhungrig und gewieft. Kommen in Scharen und stürzen sich auf die Fische.“ Einmal seien tausend dieser fischhungrigen Vögel am Himmel gewesen, wie eine schwarze Wolke“, klagt Hans-Joachim Behncke. „Hitchcocks Gruselvögel waren nichts dagegen!“,

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Der Fang kommt ins Wasser-Becken

Ihr Boot tuckert langsam hinaus zu den Stellnetzen. Das erste haben sie erreicht. Meter für Meter hieven sie das schwere Netz ins Boot. Es ist immerhin 200 Meter lang und liegt an die 15 bis 20 Meter tief. Bald schimmert es silbern. „Ein Fisch wird kommen …“, lacht Behncke. Es ist eine prächtige Große Maräne. Und dann noch eine. Bis zu 60 Zentimeter werden diese Fische, die mit Forelle und Lachs verwandt sind. Vorsichtig lösen die Männer die Tiere aus dem Netz. Werfen sie ins Wasser-Becken, das den Fang im Boot wohlbehalten an Land bringen wird. Am Nachmittag werden sie die Fische schlachten, ausnehmen und zum Räuchern oder für die Restaurants bereiten. „Eine Delikatesse!“, schnalzt Behncke mit der Zunge. Deshalb soll sich sogar eine heilige Frau mit dem Teufel eingelassen haben, nur um diesen Fisch auf den Speiseplan zu bekommen. „Hat den Gehörnten aber dann betrogen …“, lacht Behncke.

„Kennen Sie den Zauberspruch der Angler?”

Später, auf der Heimfahrt, wird er die Legende ganz erzählen. Jetzt müssen sie aufpassen, dass das Netz wieder gut und glatt ins Wasser kommt. „Kennen Sie den Zauberspruch der Angler“, fragt er plötzlich. „Maräne, Maräne bit, ik heff keen Tied!“ – Zeit ist wahrlich kostbar. Sie müssen noch zu den Stellnetzen für die kleine Maräne, die mit ihren 25 Zentimetern ebenso als besonderer Leckerbissen gilt. Maränen an die Angel zu kriegen, ist übrigens schwieriger als Barsche, weiß Behncke. Als sie etwas näher am Ufer die Netze für die kleinen Maränen einholen, zappelt ein großer Barsch darin, und ein prächtiger Hecht hat sich dazu gesellt. Die nehmen sie natürlich gern mit. „Hatten es wohl auf die kleinen Maränen abgesehen und teilen nun ihr Schicksal“, lachen die Männer.

Kluge Äbtissin: Sie hat einfach am Zeiger gedreht

Der Fang ist gut. Sie steuern das Boot zurück. Morgen werden sie die Netze andernorts im See stellen. Auch das ist eine schwere Arbeit.Wie war das nun mit dem Teufel und der Äbtissin von Zarrentin?! Behncke erzählt vom Pakt, wie der Teufel bis Mitternacht der Gottesfürchtigen die Maränen gebracht haben muss, um ihre Seele zu gewinnen. Sie aber überlistet ihn. Stellte die Kloster-Uhr um ein paar Minuten vor. So läutete es gerade zwölf, als der Gehörnte mit den Maränen über den See fliegt. Vor lauter Wut über die verlorene Seele warf er die Fische in den See. Seitdem gebe es sie dort.

„Wir brauchten den Teufel nicht. Im Drewitzer See hat es die Große Maräne schon immer gegeben! Ursprünglich, unverfälscht, edel und wundervoll, ein reines Naturprodukt!“ Behncke ist stolz. Auch, dass sie seit einigen Jahren den Fischern vom Schaalsee helfen können, den Große-Maränen-Bestand wieder anzuheben. Sie liefern die befruchteten Eier und winzige Nachkommen der Brüder und Schwestern aus Drewitzer Gefilden nach Zarrentin.

Ein bisschen Nachhilfe in Liebesdingen

Zuvor aber ist immer Mühevolles angesagt. Wenn sie in eiskalten Zeiten das Liebesleben der Fische stimulieren. „Die Maräne laicht nur um den Nikolaustag herum. Da beißt der Frost nicht nur durch die Handschuhe“, sagt Fischer Andreas Jaap. Jede einzelne Maräne wird gefangen und abgetrocknet. Bei den Fisch-Damen streicht er den Laich ab, bei den Herren den Samen. „Nur zwei Minuten habe ich dafür. Es muss schnell gehen. Kommt ein Tropfen Wasser hinzu, verschließen sich die Eier.“ Und nichts wird’s mit dem Nachwuchs. Mit einer Schwanenfeder wird alles fein umgerührt. Man brauche einen klaren Blick, dass die Maränen-Dame schon reif ist und der Herr auch nichts dagegen hat zu spenden. Zum Schluss kommt das Wasser des Lebens dazu, alles wird in Gläser gefüllt und erbrütet. Wenn die Kleinen schlüpfen, sind sie nur gut einen Zentimeter groß. Sie dürfen dann in ihre beleuchteten Gazewohnungen im Plauer See. Es sind Käfige mit Licht, das Plankton anzieht. Da haben sie gut zu fressen. „Und wenn sie die richtige Größe haben, kommen sie zu uns in den Drewitzer und in den Schaalsee“, erklärt Hans-Joachim Behncke.

2005 das Unternehmen übernommen

Die Fischer in Zarrentin freuen sich über diese Hilfe, die sie jedes Jahr vom Werder bekommen. Es garantiert ihnen einen guten Maränen-Fang jetzt im Juli und August. Gerade sind sie auch mit ihren Booten hinausgefahren. 2005 hat Diana Rehbohm das Unternehmen von ihrem Vater übernommen und es mit Erfolg weitergeführt. Die Maränenzeit ist auch für sie immer eine ganz besondere.

Einige der leckeren Maränen vom Drewitzer See werden am Samstag um 20 Uhr auch die Kinofreunde in Nossentin beglücken. Die Fischer von Alt Schwerin spendieren nach dem Film „Das brandneue Testament“ in der Kunst- und Kinokirche feine Fischhäppchen. In der belgisch-französisch-luxemburgischen Komödie von 2015 geht es um Gott höchstpersönlich, der sich allerdings langweilt und so immer neue Dinge erfindet. Manch Wundersames geschieht. Ob er dabei den Fang der Fischer vom Werder manipuliert hat, damit sie gut diese Maränen fangen konnten, um die Nossentiner Kinofreunde zu speisen, – das bleibt wohl aber ein biblisches Geheimnis.

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