EISERNE HOCHZEIT IN DER SEENPLATTE

Mit eigenem Außenbordmotor in die Flitterwochen nach Mecklenburg

Im Berliner Standesamt Prenzlauer Berg gaben sich Hans-Joachim und Hilde Braatz aus Malchow vor 65 Jahren das Ja-Wort. Die Feier war etwas anders als heute, erinnern sich die Jubilare.
Seit 70 Jahren kennen sich die 89-jährige Hilde und ihr ein Jahr älterer Gemahl Hans-Joachim Braatz. Ihre Ehe blieb
Seit 70 Jahren kennen sich die 89-jährige Hilde und ihr ein Jahr älterer Gemahl Hans-Joachim Braatz. Ihre Ehe blieb zwar kinderlos, aber ihre Nichten und Neffen unterstützen das Ehepaar sehr. Susann Salzmann
Bevor der Ehering ihres Mannes noch verloren geht, hat das Paar beide Ringe zu einem verschmelzen lassen.
Bevor der Ehering ihres Mannes noch verloren geht, hat das Paar beide Ringe zu einem verschmelzen lassen. Susann Salzmann
1955 heirateten die beiden auf dem Standesamt Prenzlauer Berg in Berlin.
1955 heirateten die beiden auf dem Standesamt Prenzlauer Berg in Berlin. Susann Salzmann
Bei der Hochzeit musste damals etwas improvisiert werden …
Bei der Hochzeit musste damals etwas improvisiert werden … Susann Salzmann
Malchow.

Verliebte Blicke tauschen Hilde und Hans-Joachim auch noch nach 70 Jahren täglich miteinander aus. Als sich ihre Lebenswege 1950 zum Beginn ihrer Lehre beim Rostocker Landratsamt kreuzten, wussten sie noch nicht, dass sie fünf Jahre später auf dem Berliner Standesamt Prenzlauer Berg den Bund der Ehe schließen würden, der dann stolze 65 Jahre andauerte – bis heute.

Liebe auf den ersten Blick sei es bei den Wahl-Malchowern aber nicht gewesen, räumen sie lächelnd ein. „Liebe muss sich erst entwickeln“, sagt er. Etwa ein Jahr verging, bis das Ehepaar wusste, dass sich zwischen ihnen etwas angebahnt hatte. Begegnungen über die FDJ – sie war beim Volkstanz engagiert, er beim Laienspiel eingebunden – forcierten die Zuneigung.

Gestreifter Anzug und dunkles Etuikleid

Doch schon bald stand die erste Trennung auf dem Plan: 1951 wurde ihr „Jochen“, wie sie ihn liebevoll nennt, von Rostock nach Berlin ins Organisationsteam der III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten berufen. Hilde Braatz folgte dem Geliebten Monate später. Der Zeitraum, nach dem er ihr einen Heiratsantrag macht, erinnert fast an eine Wette. „Ich sagte aus Spaß einmal zu ihr, dass ich sie heirate, wenn der erste Fünf-Jahres-Plan der DDR zu Ende ist“, meint der heute 90-Jährige. Als es soweit war, hielt er sich jedoch an sein Versprechen – und das mit dem Blick auf die Nachkriegszeit, in der sich schon eine bescheiden gehaltene Trauung als organisatorische Bewährungsprobe entpuppte.

Denn viel gab es nicht. Von seinem monatlichem Einkommen von 250 Mark zusammengespart, trug Hans-Joachim Braatz einen gestreiften Anzug. Sie kam elegant im dunklen Etuikleid daher. Hochzeit in Weiß? Hilde Braatz lacht. An die pompösen Tüll-Kleider von heutzutage war 1955 überhaupt nicht zu denken.

Lebensmittelkarten für Hochzeits-Menü gesammelt

Stattdessen war immer wieder Improvisation gefragt. Um etwa die zehnköpfige Gästegesellschaft an einem Tisch bewirten zu können, stellte extra ein Arbeitskollege seine vier Wände zur Verfügung.

Der Ortswechsel brachte aber einen Nachteil mit sich: „Ein Straßenmusiker hatte am Aushang beim Standesamt von unserer Hochzeit erfahren und wollte einen Musikgruß überbringen. So fuhr er zu unserem Zimmer“, erinnert sich die heute 89-jährige Frau so klar an die Geschehnisse, als wären sie erst gestern passiert. Hilfsbereite Nachbarn verwiesen den Geiger schließlich an die korrekte Adresse.

Flitterwochen verbrachten sie in Malchow

Damit die Hochzeitsgesellschaft mit gut gefülltem Magen nach Hause gehen konnte, sammelte das Paar schon Tage vorher Lebensmittelkarten. Die goldenen Eheringe besorgten damals ihre Eltern. Ein genauer Blick auf die Hände der Senioren in der Gegenwart offenbart, dass er keinen und sie dafür beide Eheringe trägt. „Einen Ring trug er nicht so gern“, nimmt es die Malchowerin mit Humor. Damit das Erinnerungsstück nicht verloren geht, wurden beide Ringe zu einem verschmolzen. Den trägt sie nun – so lange, bis der Tod sie scheidet.

Bis dahin aber, beteuert Hans-Joachim Braatz, freue er sich noch auf viele Umarmungen und Küsschen. Und irgendwie ist für den Ex-Polizisten und die einstige Verwaltungsfachangestellte nun jeder Tag wie 1955 in ihren Flitterwochen. „Die verbrachten wir damals in Malchow“, erzählt er. Dort lebten ihre Eltern und Geschwister – und es gab ein Boot. Das einzige, was das Ehepaar Braatz damals mitbrachten, war ein Außenbordmotor, um zügig übers Gewässer zu brausen. Für diesen Spaß war keine siebenstündige Zug- und anschließende Lkw-Fahrt zu mühselig.

 

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Kommentare (1)

und noch viele schöne gemeinsame Jahre