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Aufmarsch am Volksbad

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Möwen-Armada belagert späte Strandbesucher

Abends bedrängen zahlreiche Möwen die Gäste im Volksbad: Auch eine Silbermöwe fliegt majestätisch über Mensch und Lachmöwe hinweg. 
Abends bedrängen zahlreiche Möwen die Gäste im Volksbad: Auch eine Silbermöwe fliegt majestätisch über Mensch und Lachmöwe hinweg.
Robin Peters

Abends gehört der Strand den Möwen. Wenn die dort aufmarschieren, nehmen Badegäste Reißaus. Und die Möwen werden nicht nur mehr, sie werden auch größer.

„Oh nein, die Möwen sind wieder am Strand“, schreien die Kinder in den derzeit immer noch warmen Abendstunden am Warener Volksbad. Denn wenn die Sonnenstrahlen tief über die Müritz glitzern, beginnt eine ganze Armada von Möwen auf dem Rasen aufzumarschieren. Zu Dutzenden rücken sie dicht an die späten Badegäste heran, kreisen wenige Meter über ihren Köpfen und stieren auf Essbares.

Das verunsichert viele Urlauber. Manche verlassen gar den Strand. Nicht zuletzt trübt die schiere Masse der Wasservögel auch die Wasserqualität. So wurden gerade erst gesundheitsschädliche Zerkarien in der Müritz nachgewiesen.

Silbermöwen breiten sich aus

Auch Kurt und Erika Barczynski haben beobachtet, wie sich abends ganze Möwen-Schwärme über die Reste der Strandgäste hermachen. Die Mitarbeiter der Stadt würden sich aber bereits gewissenhaft bemühen, den Abfall auf den Plätzen – und damit die Beute der Möwen – möglichst gering zu halten. Dennoch: „Die Möwen haben die Scheu vor dem Menschen verloren“, sagt sie.

Kurt Barczynski ist hier aufgewachsen. Beim täglichen Schwimmen in der Müritz habe er über die Jahre eine Entdeckung gemacht: Neben kleinen Möwen, die schon immer da gewesen wären, sehe er nun vermehrt riesengroße Exemplare. „Die hat es hier früher nicht gegeben“, sagt er. So lassen sich neben den kleineren Lach- und Sturmmöwen heute immer mehr Silbermöwen an der Müritz sichten. Die majestätischen Tiere sind mit etwa 1,5 Metern Flügelspannweite größer als ein Mäusebussard. Erst im 20. Jahrhundert wanderten die Silbermöwen in den Nordosten ein und breiteten sich seither immer weiter aus. In Warnemünde etwa sind sie berühmt dafür, „Jagd“ auf Leute mit Fischbrötchen zu machen. In Waren wurde das noch nicht zum Problem.

Auch die Gänse kommen

Die Stadt ist sich des Problems bewusst. Doch: „Es ist nicht lösbar“, sagt Stefanie Schabbel, Sprecherin der Stadt Waren. Gegenmaßnahmen seien derzeit nicht geplant.

Viele Badende arrangieren sich lieber mit der größeren Präsenz der gefiederten Gesellen: „Die Möwen haben eher das Recht, hier zu sein, als wir“, sagt Norbert Gresser. Schließlich würden die Urlauber in die natürliche Heimat der Tiere eindringen. Er kommt aus Trier in Rheinland-Pfalz und ist schon das zweite Mal an der Müritz. „Das ist in der Natur nun mal so“, stimmt Ute Buss aus Waren bei. Wer sich gestört fühle, müsse in eine Schwimmhalle gehen.

Ist die Sonne untergegangen, kommen weitere, ungebetene Gäste hinzu: „Gänse beherrschen nachts den Strand“, sagt Rettungsschwimmerin Lydia Müller. Seit einer Woche würden die Vögel am Strand übernachten. Auch ihre Spuren bleiben.