Pauline Witt, Tabea Felstow und Louisa Hotzelmann (v. l.) fordern auch in Waren an der Müritz den Kohleausstieg und damit
Pauline Witt, Tabea Felstow und Louisa Hotzelmann (v. l.) fordern auch in Waren an der Müritz den Kohleausstieg und damit die Rettung des Ortes Lützerath. Dieses Banner wollten sie an die Herrenseebrücke hängen. Das wurde wahrscheinlich wegen zu kurzfristiger Anmeldung bei der Stadt jedoch nicht genehmigt, vermutet das Trio. Miriam Brümmer
Klimawandel

Müritzer Aktivisten protestieren gegen Kohleabbau und für das Dorf Lützerath

Statt mit Fridays for Future-Demos machen Warener und Malchower Schüler und Studenten mit kleineren Aktionen auf ihre Forderungen zum Klimawandel aufmerksam.
Waren

Es ist klirrend kalt, doch für die drei Klimaaktivistinnen ist das kein Grund, die geplante Aktion abzusagen. Forderungen wie „Kohleausstieg 2030“ und „1,5° heißt Lützerath bleibt“ haben sie mit Kreide auf das Pflaster am Hafen, am Bahnhof und im Zentrum der Stadt Waren geschrieben. Damit protestierten Louisa Hotzelmann (21) und Tabea Felstow (16) aus Waren sowie Pauline Witt (18) aus Malchow von der Organisation Fridays For Future (FFF) Waren ebenso wie Demonstranten anderswo gegen die Auslöschung von Lützerath, einem Dorf zwischen Aachen und Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen, das nur einen Steinwurf von der Abrisskante des Tagebaus entfernt ist. Der Energieversorgungskonzern RWE hat vor, das Dorf abzubaggern, um an Hunderte Millionen Tonnen Braunkohle zu kommen, welche unter diesem Dorf verborgen liegen.

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Mehr Verständnis auf dem Land?

Um diese Braunkohle abbauen zu können, muss das Dorf jedoch geräumt werden. Nicht nur, dass Menschen ihre Heimat verlieren, sei ein Problem, sondern auch, dass das 1,5 Grad-Celsius-Ziel für Deutschland nicht mehr erreichbar sein werde, wenn diese Kohle verbrannt werde, hieß es von den Klimaaktivisten. „Wir wollen in ganz Deutschland und also auch in Waren darauf aufmerksam machen. Ich glaube, gerade in dieser Region wissen die Menschen, was Heimatliebe ausmacht und welche Reize ländliches Leben hat. Was es bedeuten kann, dass Dörfer verschwinden aufgrund von Kohle, kann man hier vielleicht mehr verstehen als in großen Städten. Die meisten Dörfer sind dort schon weg, dabei sollte lieber die Infrastruktur wieder aufgebaut werden, für alle, die dort weiterleben wollen, statt die Löcher mit Wasser zu füllen“, so die Klimaaktivisten der Warener Ortsgruppe. Fridays for Future streike nicht für irgendein Dorf im Westen Deutschlands, sondern auch für die Lebensrealitäten der Einwohner und Einwohnerinnen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. „Wenn sich die Klimakrise durch die Ausbeutung von Natur und Mensch weiter so lebensbedrohend radikalisiert, wird eine sichere, lebenswerte Zukunft vieler Menschen nicht gewährleistet oder durch Klimamigration geprägt“, ist Louisa Hotzelmann überzeugt.

Hochwasser als Folge

Erste Auswirkungen der Klimakrise hätte Deutschland bereits erfahren. Die Hochwasserfluten wie im Ahrtal im zurückliegenden Jahr, Dürre und Wassermangel und immer wieder neue Hitzerekorde würden bereits jetzt die Existenz tausender Menschen in Deutschland bestimmen. Und vor allem Menschen aus dem globalen Süden seien bereits vom Klimawandel betroffen, meinen die Aktivistinnen.

„Enteignung stoppen”

Aktuell liege der Temperaturanstieg bei 1,2 Grad-Celsius. „Ein weiteres Dorf, welches für den Abbau von fossilen Rohstoffen zerstört wird, können wir uns nicht leisten. Lützerath ist ein wichtiger Bestandteil des deutschen 1,5 Grad-Ziels, welches im Pariser Klimaabkommen vereinbart wurde. Wir als Fridays For Future Waren fordern die Erhaltung des Dorfes, die Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels und somit den sofortigen Stopp des aktuell laufenden Enteignungsprozesses gegen den letzten Einwohner von Lützerath.“

Forderungen für die Stadt Waren sind in Arbeit

Außerdem ist die Warener Ortsgruppe dabei, neue Strukturen aufzubauen, mit denen sie nach der Pandemie gestärkt auftreten will. Durch Corona seien Streiks, wie sie noch vor 2020 stattfanden, aktuell nicht möglich. Zu globalen Klimastreiks wollen die Beteiligten aber weiterhin aktiv werden. Derzeit sind sie dabei, Forderungen für die Stadt Waren auszuarbeiten, die sie demnächst an die Verwaltung übergeben wollen. „In diesem Jahr haben wir noch einiges vor“, sagte Louisa Hotzelmann. Die Studentin wurde von der Stadt Waren zur Teilnahme am Klimarat eingeladen. Außerdem war sie kürzlich für Fridays for Future Deutschland und International bei der Klimakonferenz in Glasgow an der Seite von Greta Thunberg und koordinierte dort unter anderem deren Öffentlichkeitsarbeit (wir berichteten).

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