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Müritzer Landwirte haben mehr Schwein, als ihnen lieb ist

Wildschweine stecken ihre Schnauze immer wieder in fremde Felder – zum Ärger der Bauern.
Wildschweine stecken ihre Schnauze immer wieder in fremde Felder – zum Ärger der Bauern.
Frank May

Die Jagdsaison nimmt Fahrt auf. Für die Waidmänner bedeutet das viel Arbeit. Auch damit die Wildschäden sich künftig wieder in Grenzen halten. Denn auf den Feldern der Region sagen sich Sau und Hase nur all zu gerne "Guten Appetit".

In den letzten Erntewochen sind vor allem die Schweine das Problem, erklärt Matthias Schmidt, Geschäftsführer des Bauernverbandes an der Müritz. Landen Keiler, Bache und Co. nicht vor der Flinte, dann landen sie auf der Nahrungssuche in so manchem Feld. Und verursachen dort erhebliche Schäden.

Aber auch Vögel, Rehe und Rotwild sorgen bei den Landwirten für Verdruss. „Die knabbern schon im Frühjahr an der Saat und den ersten Trieben“, erklärt er. Wie hoch der Schaden ist, wird oft erst im Laufe des Jahres klar, wenn die kahlen Flecken auf dem Feld auffällig werden. Das Problem ist so alt wie die Landwirtschaft und trotzdem wird man seiner nicht Herr. „Ich habe nicht den Eindruck, dass die Schäden weniger werden“, formuliert es Schmidt.

Auch auf Seiten der Jäger sieht man das Problem. „Wir hatten im Frühjahr wirklich eine dramatische Situation“, sagt Ulrich Saweliev. Der Rügebander ist bei der Wildschadenausgleichskasse für das Gebiet des ehemaligen Müritz-Kreises zuständig. Den Sommer über habe sich die Lage allerdings normalisiert. Die Jäger der Region sorgen mit ihren Beiträgen an die Kasse für Ausgleichszahlungen an die Landwirte. „Die Jäger tragen eine Verantwortung für das, was die Tiere anstellen“, erklärt Saweliev. In 14 Fällen in der Region sei die Ausgleichskasse im Frühjahr bemüht worden. Es sei aber zu erwarten, dass bis zum Ende der Jagdsaison noch weitere Anträge hinzukommen.

Zwei Regionen sind dabei besonders betroffen. Zum einen ist es das Gebiet um den Müritz-Nationalpark. In dem Schutzgebiet wird entsprechend der Vorschriften nur wenig gejagt. „Das merken die Tiere“, vermutet Matthias Schmidt vom Bauernverband. Das Wild käme zum Fressen auf die Felder und verziehe sich dann schnell wieder in das Schutzgebiet.

Aber auch am südlichen Rand der Müritz-Region kommt es vor allem zu Jahresbeginn zu einem erhöhten Schadensaufkommen. Grund seien Unterschiede im Jagdrecht zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Für Rot- und Dammwild beispielsweise beginnt an der Müritz im Januar die Schonzeit. „Viele Wildarten können in Brandenburg deutlich länger bejagt werden, als hier“, erklärt Uwe Saweliev. Das treibe die Brandenburger Tiere über die Landesgrenze auf die Felder. Gerade in den harten Wintermonaten sind die schließlich eine willkommene Nahrungsquelle.

Auch andere Entwicklungen sehen die Landwirte mit Unbehagen. „Wir beobachten, dass die Gruppen in denen die Tiere unterwegs sind, immer größer werden“, erklärt Matthias Schmidt. Er vermutet dahinter die Gefahr durch den Wolf, der in Brandenburg und einigen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns wieder zu Hause ist. Potenzielle Beutetiere würden damit auf die zusätzliche Gefahr reagieren.