In einigen Fällen werden nach schlimmen Ereignissen Seelsorger für Opfer oder Angehörige gebraucht.
In einigen Fällen werden nach schlimmen Ereignissen Seelsorger für Opfer oder Angehörige gebraucht. Marc Tirl
Dr. Stephan Handy (links) vor einigen Jahren bei einer Informationsveranstaltung.
Dr. Stephan Handy (links) vor einigen Jahren bei einer Informationsveranstaltung.
Ehrenamt

Müritzer Seelsorger weisen nach Brandnacht Kritik zurück

Obwohl sie bei der Brand-Tragödie in Möllenhagen zur Stelle waren, gab es Kritik an ihrer Verfügbarkeit. Zu Unrecht, sagen die empörten Seelsorger der Region.
Möllenhagen

Sie sind immer da, wenn man sie braucht. Auch in jener August-Nacht, als sich die Brand-Tragödie in Möllenhagen abspielte, war ein Seelsorger vor Ort, der sich um die Geretteten kümmerte. Darum reagieren die Seelsorger an der Müritz mit Unverständnis und Ärger auf eine Aussage von Möllenhagens Bürgermeister Thomas Diener (CDU). Der hatte dem Nordkurier gesagt, dass es nicht leicht gewesen sei, Sonntagnacht einen Seelsorger zu bekommen.

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Tatsächlich rückte Diakon Stephan Handy aber sofort aus, nachdem er von der Leitstelle nachts um 3.17 Uhr einen Anruf bekommen hatte. Nach eigener Aussage war er eine gute halbe Stunde später um 3.51 Uhr in Möllenhagen bei der Familie. „Durch die Aussage entsteht ein falscher Eindruck und möglicherweise ein Imageschaden. Wir haben schon Nachwuchsprobleme, und bei solchen Aussagen wirkt das eher demotivierend, sich ehrenamtlich zu engagieren“, sagte Stephan Handy.

Ehrenamtler wehren sich

Nachgefragt bei Thomas Diener, wie er zu der Aussage kam, dass es schwer sei, einen Seelsorger zu bekommen, hieß es von ihm, dass ein Mitarbeiter der Leitstelle den Möllenhagener Feuerwehrleuten genau dies so gesagt hätte. „Ich stand daneben. Es wurde gesagt, dass wir uns selbst um einen Pastor kümmern müssten. Daraufhin haben wir erneut dort angerufen und einen Seelsorger für die Familie angefordert“, sagt Diener.

Auch Karl-Martin Schabow, Pastor im Ruhestand und Seelsorger, sieht die ehrenamtliche Arbeit der Psychosozialen Notfallversorgung in ein falsches Licht gerückt. „Wir rücken aus und riskieren dabei selbst Leib und Leben. Erst kürzlich ist mir auf dem Rückweg von einem Einsatz nachts um 2 Uhr ein Keiler ins Auto gerannt“, sagt Schabow.

Auch wenn das derzeitige Team, das sich um den alten Müritzkreis kümmert, aktuell durch Krankheit etwas geschrumpft sei, würde man regelmäßig Listen an die Leitstelle schicken mit den Seelsorgern, die Bereitschaft haben und einem Vertreter. „Das ist eigenartig gelaufen. Denn als ich den Anruf bekam, hörte sich das eigentlich nach einem Routinevorgang an“, sagt Stephan Handy über den Möllenhagener Einsatz.

 

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