SPRENGKöRPER IM BODEN

Munitionsberger nehmen Rechlin unter die Lupe

Die Region in der südlichen Müritzregion zählt zu den am meisten munitionsverseuchten Gebieten im Land. Kein Wunder – schließlich zählte die ehemalige Lufterprobungsstelle der Nazis zu den bevorzugten Bombenzielen der Alliierten.
Eine kleine Auswahl der Fundstücke der Munitionsberger aus Mirow.
Eine kleine Auswahl der Fundstücke der Munitionsberger aus Mirow. Elke Enders
Munitionsberger Georg Tiedt: Die Gegend um Rechlin und Boek zählt zu dem am meisten kampfmittelverseuchten Gegenden der Region.
Munitionsberger Georg Tiedt: Die Gegend um Rechlin und Boek zählt zu dem am meisten kampfmittelverseuchten Gegenden der Region. Elke Enders
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Der halbe Hektar Land in Rechlin, auf dem sich das Luftfahrttechnische Museum der Gemeinde zusätzlich breitmachen will, wird in allernächster Zukunft von den Spezialisten des Munitionsbergungsdienstes aus Mirow auf der Suche nach versteckten Kampfmitteln intensiv durchforstet. „Eine unserer nächsten Aufgaben“, sagte Georg Tiedt, Vize-Chef der Munitionszerleger. Die in Mirow stationierten acht Experten mit den ganz ruhigen Händen sind unter anderem zuständig für sämtliche Munitionsfunde in der Müritzregion. Erst in den vergangenen Tagen sind die Männer zu zwei Einsätzen in die Gegend gerufen worden. Im Malchower See erwies sich die Suche Gott sei Dank als „blinder Alarm“, ein Urlauber hielt einen länglichen Stein irrtümlicherweise für eine vergessene Bombe. Ernster wurde es dagegen an der Landesgrenze zu Brandenburg. Bei Buschhof musste eine immer noch intakte Stielhandgranate entschärft werden.

„Hier muss immer mit Fundmunition gerechnet werden“

Zwischen 80 und 90 Mal jährlich werden die Munitionsberger aus Mirow alarmiert, die meisten Einsätze mit ernstem Hintergrund, so Georg Tiedt, weil tatsächlich noch immer Kampfmittel in der Erde stecken. Zu den häufigsten Adressen zählt dabei die Gegend um Rechlin, Lärz und Boek. Noch immer gebe es hier, wo vor und während des II. Weltkrieges die deutsche Luftwaffe ihre Erprobungsstelle unterhielt, Flächen, die aus Sicherheitsgründen für sämtlichen Verkehr gesperrt sind, heißt es weiter. Genau diese Ziele in und um Rechlin hatten vor Ende des Krieges alliierte Kampfflugzeuge bei mehreren Bombenangriffen im Visier. „Hier muss immer mit Fundmunition gerechnet werden“, so Tiedt.

Niemand weiß, was in der Erde steckt

Besonders auf jener Fläche, die jetzt dem Luftfahrttechnischen Museum zugeschlagen werden soll. Hier standen bei Kriegsende die Hangars der Lufterprobungsstelle, die bei den Bombenangriffen komplett zerstört wurden. Das Gelände hat das Militär kampflos preisgegeben, schon vor der Schließung des Bundeswehrdepots in Rechlin im Jahr 2017 soll die Gemeinde das für ihre Zwecke nutzen können. Aber niemand wisse eben, was dort neben den Trümmern noch in der Erde steckt, sagte bei der Übergabe Rechlins Bürgermeister Wolf-Dieter Ringguth (CDU).

Im Jahr 2013 mussten die Mitarbeiter des Munitionsbergungsdienstes landesweit insgesamt 422 Mal zu sogenannten Soforteinsätzen ausrücken, weil Einwohner Kampfmittel oder kampfmittelverdächtige Gegenstände gefunden haben. Dabei wurden mehr als neun Tonnen Munition geborgen.

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