BÄRENWALD MÜRITZ

Mutiges Team zieht Braunbärin Dushi einen Zahn

Regelmäßig kommt Tierarzt Marc Gölkel an die Müritz, um sich um die pelzigen Bewohner im Bärenwald zu kümmern. Die erste Herausforderung ist dabei ein gezielter Schuss.
Tiermediziner Marc Gölkel musste Bärin Dushi einen Zahn ziehen.
Tiermediziner Marc Gölkel musste Bärin Dushi einen Zahn ziehen. Stephan Radtke
Hier wird Maß genommen: Wie groß ist Braunbärin Dushi?
Hier wird Maß genommen: Wie groß ist Braunbärin Dushi? Stephan Radtke
Vor der Zahn-OP wurden zwei Röntgenaufnahmen angefertigt. Dazu waren Spezialisten auf Hessen dabei.
Vor der Zahn-OP wurden zwei Röntgenaufnahmen angefertigt. Dazu waren Spezialisten auf Hessen dabei. Stephan Radtke
Stuer ·

„Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von 'Marc spielt mit Tieren'“, startete Marc Gölkel am Mittwoch locker in die Visite im Bärenwald Müritz. Nach der Begrüßung erläuterte er, was seine Mitstreiter in den nächsten Stunden erwartet, und verschwieg auch die Risiken nicht. „Der Bär ist ein großes Tier und potentiell gefährlich, Punkt“, sagte der Berliner Tierarzt, der bereits seit sechs Jahren die Einrichtung der Tierschutzorganisation Vier Pfoten in Stuer am Plauer See betreut. Dementsprechend routiniert und sicher wirkte der Veterinär vom Leibniz-Institut Zoo- und Wildtierforschung (IZW) angesichts des Tagesprogramms: „Für die heutige Untersuchung und Behandlung werden wir die beiden Braunbären Dushi und Micha kurz und schmerzlos in Narkose legen.”

Der Schuss sitzt

Gesagt, getan – nach knapp zwei Stunden Vorbereitung hatten Marc Gölkel und sein Team alle Gerätschaften, darunter jede Menge Instrumente, eine mobile Inhalationsnarkose sowie ein kleines Röntgengerät, und die nötigen Medikamente jeweils am richtigen Platz positioniert. „So, jetzt alle zurück und Ruhe“, forderte der Tierarzt und nahm sich seine Narkosepistole. Das es nun losging, schien auch Braunbär Dushi zu spüren und scharrte aufgeregt im Nachbargehege. „Hierher wurde sie mit Hilfe von etwas Futter gelockt“, verriet Tierpflegerin Bianca Böhlke. Dann ein gezielter Schuss durch das Stahlgitter. „Der sitzt“, zeigte sich Marc Gölkel zufrieden. Der Pfeil steckte im Bereich der linken Schulter und wenige Augenblicke später wurde das Tier bereits merklich ruhiger.

Erst die Waage, dann der OP-Tisch

Immer wieder blickte der Tierarzt auf die Uhr, denn Marc Gölkel würde als erster und vorerst einziger auf Tuchfühlung mit dem schlafenden Braunbären gehen. „Wer schießt, der prüft auch“, so der Berliner. Alles lief nach Plan und die Trägermannschaft konnte nachkommen. Auf einem Tuch wurde Dushi, die seit April 2019 im Bärenwald Müritz lebt und durch ihr dramatisches Vorleben in einem albanischen Zoo bereits ein Vorderbein verloren hat, auf die Waage gehievt. „91 Kilogramm, aber sie schaut sehr gut aus“, registrierte Tierarzt Marc Gölkel die ersten Daten für das Protokoll. Noch einmal Muskelkraft und Dushi lag auf dem OP-Tisch.

Zungentest gibt Auskunft über Narkose

Sauerstoffsättigung, Herzschlag, Atmung und Temperatur wurden von dem Team erfasst. Alles im Normbereich. Auch die Körpergröße wurde mit 149,5 Zentimeter erfasst. Dann wurden die Zähne kontrolliert werden und bei „Dushi“ musste einer sogar gezogen werden. Immer wieder zuckte die Nase des Braunbären, doch Marc Gölkel ließ sich davon nicht beeindrucken. „Mit dem Zungentest können wir schnell schauen, ob die Narkose noch ausreicht und der Bär tief und fest schläft“, so der Tierarzt. Ein kurzer Zug an der Zunge und schließlich zufriedenes Nicken. Dennoch, immer wieder wurden die Vitalfunktionen durch den Arzt abgefragt, denn zu lange sollte die Behandlung und damit die Narkose nicht dauern. „Wir müssen und wollen das Tier schonen“, so der Veterinär. Aber Minute um Minute verstrich. Immer wieder musste das Tier neu platziert werden, um alle Behandlungen gut durchführen zu können.

Röntgen-Spezialisten aus Hessen

Für die geplante Zahn-OP mussten der Schädel und das Gebiss geröntgt werden. Hierfür rückte Holger Noisternig und sein Team der Physia GmbH extra aus dem hessischen Neu-Isenburg an. Zwei Bilder reichten Marc Gölkel, um sich an den mächtigen Kiefer zu wagen. Immer wieder wechselte er zwischen Spritzen, Skalpell und Tupfer, bis der Zahn endlich freigelegt war.

Nach zwei Stunden im Freigehege wieder aufgewacht

„Es ist ein gutes und eingespieltes Team, dem wir beruhigt vertrauen können“, versicherte Petra Konermann vom Bärenwald Müritz. Dennoch war die Anspannung greifbar. Erst nach rund zwei Stunden konnte „Dushi“ wieder im Freigehege aufgeweckt werden. Noch etwas schläfrig, aber mit den besten Anzeichen, dass die ärztliche Behandlung gut überstanden ist, zog sich die Braunbärin zurück. Eine kurze Verschnaufpause blieb dem Team, bis der zweite Patient „aufgerufen“ wurde. Auch bei Braunbär Michal stand eine routinemäßige, aber gründliche Untersuchung an. „Auch diesem Bären fehlt eine Vorderpfote und durch die einseitige Belastung kann es schnell zur Arthrose kommen“, erklärte Wildtierarzt Marc Gölkel. Michal bringt es auf stattliche 188,5 Zentimeter und 220 Kilogramm. Auch bei Braunbär Michal, der im Bärenwald Müritz mit Bärin Tapsi eine treue Gefährtin gefunden hat, verlief die Behandlung erfolgreich. Übrigens: Besuch dürfen die beiden tierischen „Patienten” und die 13 weiteren Bewohner des Bärenwalds immer zu den Öffnungszeiten empfangen.

 

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