GERICHTSBERICHT

Mutter soll zweijährigen Sohn geprügelt haben

Beinahe wäre der Fall eines kleinen Jungen aus Waren genauso ausgegangen wie im Fall der sechsjährigen Leonie aus Torgelow. Das meinen zumindest Zeugen. Nun sollte der Mutter der Prozess gemacht werden.
Der heute Dreijährige wächst nun in einer Pflegefamilie auf. Und auch das zweite Kind, das inzwischen ein Jahr alt i
Der heute Dreijährige wächst nun in einer Pflegefamilie auf. Und auch das zweite Kind, das inzwischen ein Jahr alt ist, wurde der Angeklagten direkt nach der Entbindung weggenommen. Patrick Pleul
Waren ·

Clemens (Namen von der Redaktion geändert) lebt schon seit gut einem Jahr nicht mehr bei seiner leiblichen Mutter Bettina B. Diese Regelung soll das Leben des heute Dreijährigen schützen und davor bewahren, dass die Kinderseele weiteren Schaden nimmt.

Denn Clemens wurde misshandelt. Von seiner eigenen, heute 23 Jahre alten Mutter. Vor dem Warener Amtsgericht sollte der jungen Frau am Montag der Prozess gemacht werden. Doch die Angeklagte erschien nicht zu ihrem Verhandlungstermin.

Vier Schläge ins Gesicht lassen sich nachweisen

Im Raum standen ungeheuerliche Vorgänge, welche die Neubrandenburger Staatsanwaltschaft anklagte. Am 22. Mai 2020 musste der damals zweijährige Sohn der Angeklagten um sein Leben fürchten, als die Gewalt der Mutter an ihrem eigenen Sohn vollkommen außer Kontrolle geriet. Ein vorangegangener Streit mit dem Lebensgefährten Bettina Bs. soll diese derart in Rage versetzt haben, dass sie ihre Wut darüber an ihrem Kind ausgelassen haben soll.

Im Hausflur soll sie demnach den Kopf ihres Erstgeborenen fest zwischen ihre Oberschenkel gedrückt, ihn regelrecht gequetscht haben. Nachbarn hörten das panisch schreiende Kind, hieß es in der Anklageschrift. Doch anstatt von dem Zweijährigen abzulassen, soll die Mutter kurz darauf ihre Hand auf das Gesicht des Kindes gedrückt haben, um die Schreie zu ersticken. Dass der Sohn der Beschuldigten dabei zu ersticken drohte, schien der Mutter offenbar egal zu sein.

Als sie das Kind auch damit nicht zur Ruhe brachte, soll die überforderte Mutter zu roher Gewalt gegriffen haben. Nach den Ermittlungen lassen sich mindestens vier Schläge mit der Hand beziehungsweise der Faust ins Gesicht des Zöglings nachweisen. Inwieweit Alkohol zu dieser Tat einen Beitrag leistete, war nicht vollständig aufzuklären. In jedem Fall war Bettina B. bekannt für ihre Alkohol- und Drogenprobleme. Als die Polizei an jenem verhängnisvollen Abend einen Atemalkoholtest machte, wies der 0,63 Promille auf.

Immer wieder soll das Kind verbaler wie auch körperlicher Gewalt vonseiten der Mutter ausgesetzt gewesen sein. Zeugen, mit denen der Nordkurier sprach, meinten, dass es dem kleinen Clemens beinahe wie der sechsjährigen Leonie aus Torgelow gegangen wäre. Er hätte an den körperlichen Misshandlungen sterben können, wenn nicht das Jugendamt zeitnah nach der Tat gehandelt hätte.

Ihre zwei Kinder wohnen nicht mehr bei der Mutter

Die Nachbarn bekamen mit, wie die Mutter ihren zum Tatzeitpunkt zweijährigen Sohn auch verbal attackierte. Sie schrie den Sohn an. Und mit den Aussagen soll die Mutter sogar den Tod Clemens angekündigt, zumindest aber angedroht haben. Wenn er nicht verschwinde, dann wollte ihn Bettina B. nach protokollierten Aussagen „zu Brei schlagen“. Aussagen, bei denen wohl jedem der Atem stockt. Und doch muss die Mutter nicht ins Gefängnis.

In ihrer Abwesenheit besiegelte das Gericht am Montag eine Freiheitsstrafe von einem Jahr. Die allerdings soll laut Antrag der Neubrandenburger Staatsanwaltschaft zur dreijährigen Bewährung ausgesetzt werden. So kann die Mutter, die selbst eine schwere Kindheit verlebt haben soll, auf freiem Fuß bleiben. Damit das Leben Bettina Bs., die im Dezember von Waren nach Warnemünde zog, wieder auf den rechten Weg kommt, soll ihr ein Bewährungshelfer an die Seite gestellt werden. „Sie braucht jemanden, der ihr auf die Finger schaut“, sprach sich Richterin Alexandra Sprigode-Schwencke für eine Betreuung aus und erntete ein bestätigendes Nicken vom Pflichtverteidiger. Zusätzlich sollen 120 Arbeitsstunden dem Leben der Beschuldigten wieder mehr Sinn geben, ihr helfen, ihre Aggressionen abzubauen und sich ein Leben ohne Alkohol und Drogen aufzubauen.

Sohn Clemens wurde in die Obhut des Jugendamtes genommen. Er wächst nun gewaltfrei in einer Pflegefamilie auf. Auch der Zweitgeborene befindet sich nicht mehr bei der Mutter. „Das Kind wurde ihr direkt im Krankenhaus weggenommen“, bestätigten Zeugen die Aktenlage.

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