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Tierschutz

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Nackt und fast blind: Dackel Daddy hat sein Paradies gefunden

Das Fell am Körper ist verschwunden. Der 15-jährige Dackel „Daddy“ hat schlimme Jahre hinter sich.
Das Fell am Körper ist verschwunden. Der 15-jährige Dackel „Daddy“ hat schlimme Jahre hinter sich.

Tierleid an der Müritz – das gibt es immer mehr. Aber es sind viel zu wenige Helfer, meint eine Initiative. Fälle wie Dackel Daddy geben ihnen Kraft. Der Hund musste ein klägliches Dasein fristen, bis er ein neues Zuhause fand.

Hier bin ich Hund. Hier darf ich‘s sein. Die tierische Abwandlung von Goethes Osterspaziergang im „Faust“ spiegelt die Welt von Daddy, wie es trefflicher kaum geht. Wohl kein anderer deutscher Text besingt den Frühlingsbeginn und damit den Neuanfang so plastisch. Und auch für Daddy, den 15-jährigen Dackel ist nun alles neu und so, wie es eigentlich schon immer hätte sein sollen.

War es aber nicht. Denn der Hund musste ein klägliches Dasein fristen. Einen Tierarzt sah er wohl nie. Und sein Frauchen, das selbst irgendwann krank wurde und noch einen weiteren Hund hatte, erkannte nicht mehr, was das Tier braucht. Eitriges Zahnfleisch, kaum Bewegung und alles andere als artgerecht. So fassen Mitstreiter der Initiative „Müritzer für Tiere“ das Leben des fast nackten Dackels zusammen, den sie aus einer Wohnung in Groß Gievitz geholt haben.

Sammy war im Zwinger eingesperrt

Ein paar Wochen ist das jetzt her. Und Daddy ist seitdem regelrecht aufgeblüht, meint Claudia Mohnke. Bei ihr auf dem Hof in Hungerstorf hat der Hund ein Zuhause gefunden. Für den Rest seiner Tage. Denn Daddy wird nicht mehr weiter vermittelt aus dieser Pflegestelle. „Das wollen wir ihm nicht zumuten“, sagt Claudia Mohnke. Der Hof ist ein Paradies für die Tiere. Und jede freie Minute der jungen Frau, die in einer Malchower Tierarztpraxis arbeitet, gehört ihren Schützlingen auf Zeit.

Es beschämt gar ein wenig, wenn man sieht, dass sie auf fast alles verzeihen – auf ihre Weise. Dass sie trotz ihrer grausamen Erfahrungen mit dem Menschen neues Zutrauen fassen und nach Zuwendung und Obhut suchen. Und nach Liebe.

So wie auch Sammy auf dem Hungerstorfer Hof. Den linken Hinterlauf zieht er nach. Drei Jahre im Zwinger ohne Auslauf. Statt Streicheln Schläge. Das prägt. Langsam, ganz langsam hat er sich ins Hundeleben, wie es sein soll, zurück getastet. Verständnis braucht er dennoch und wartet auf ein neues Zuhause.

Der Kater lässt Daddy naschen

Das hat Dackel Daddy längst für sich entdeckt. Mit mitunter wackeligen Schritten dreht er seine Runden auf dem Hof, gerät auch mal ins Schwanken. Denn er sieht nicht mehr gut und manche Hand fürs geliebte Leckerli erst sehr spät. Dann duckt er sich und zuckt kurz zusammen. „Doch, alles gut“, sagt Claudia Mohnke.

Er hat seinen Platz gefunden. Das respektiert sogar der Haus- und Hofkater und schaut nachsichtig zu, wenn Daddy sich am weichen feuchten Katzenfutter labt. Und Daddy ist Kumpel und lässt ihm sogar etwas im Napf. Die wenigen Zähne, die er noch hat, müssen geputzt werden. Wie widerwärtig er das findet, kann „Opi“, wie der alte Hund auf dem Hof liebkosend genannt wird, durchaus zeigen.

Helfer und Spender gesucht

Viel Arbeit, viel Zeit und so manchen privaten Euro investiert Claudia Mohnke ebenso wie die anderen Müritzer, die eine Pflegestelle betreiben, in die Tiere. Und das tun sie so selbstverständlich, wie sie ihr Ehrenamt leben. Doch mit nur vier Pflegestellen, die aktuell durch die Initiative „Müritzer für Tiere“ betreut werden, bleiben viele Fälle im Ex-Müritzkreis noch unbetreut. Trotz des Malchower Tierheimes.

„Wir übernehmen die Futterkosten und versuchen auch die Besuche beim Arzt zu zahlen, das Impfen und Kastrieren“, beschreibt Sophia Gödecke aus der Initiative. Diese finanziere sich durch Spenden und die Schutzgebühr, die fällig wird, wenn jemand ein Tier aus ihrer Obhut zu sich nimmt. Mehr Helfer, mehr Engagierte, die ein Tier auf Zeit betreuen, das wünscht sich die Initiative. Damit Schicksale wie das von Daddy so ausgehen wie nun in Hungerstorf.

Wer helfen möchte, etwa indem er ein Tier in Pflege nimmt oder eine Rechnung zahlt oder spenden möchte, der kann sich an Sophie Gödecker wenden: 0152/04661623 (auch via Whatsapp).