FUßBALL

Nationalspielerin bringt Malchower SV unverhofften Geldsegen

Kurios: Dass derMalchower SV 90 eine deutsche Nationalspielerin ausgebildet hat, erfuhr er erst durch einen neuen Kontostand.
Malchows Männertrainer Sven Lange, Rieke Tietz und ihr früherer Jugendtrainer Rainer Wendt (von links) mit dem symbo
Malchows Männertrainer Sven Lange, Rieke Tietz und ihr früherer Jugendtrainer Rainer Wendt (von links) mit dem symbolischen Scheck vom Landesfußballverband. Jens-Uwe Wegner
Malchow.

„Haben Sie denn Ihr Klapp-Handy nicht mehr?“, fragte Rieke Tietz schelmisch ihren ehemaligen Jugendtrainer Rainer Wendt, der mit seinem früheren Schützling nach langer Zeit endlich wieder einmal einen Schwatz halten konnte. Denn die 18-jährige Rieke ist nur zu Besuch, sie spielt schon seit längerer Zeit bei Turbine Potsdam. „Dann haben ja die vielen Liegestütze, die ihr bei mir machen musstet, doch etwas gebracht“, antwortete Rainer Wendt ebenfalls scherzhaft. Bei ihm hatte Rieke Tietz das Einmaleins des Kickens gelernt.

„Mein etwas älterer Bruder Ole spielte in Malchow Fußball und ich fand damals die Trikots und Trainingsanzüge schick. Außerdem spielte ich mit Ole mit einem Gummiball zu Hause und so wollte ich unbedingt auch zum Fußball“, verriet Rieke Tietz. Und weil das auch andere Kinder aus der Malchower Kita „Spatzennest“ wollten, fing sie mit ihren Freunden in der Bambini-Gruppe des MSV 90 an. Zunächst bei Trainer Gerhard Siegert, dann etwas später bei Rainer Wendt. Dass sie das einzige Mädchen in der Mannschaft war, störte sie überhaupt nicht. Und die Jungs erst recht nicht.

Sportgymnasium: Der Anfang war schwer

„Rieke gehörte von Anfang an mit ihrem Talent zu den Leistungsträgern in der Truppe und die Jungs waren froh, dass sie mit Rieke mitspielen konnten“, sagte Rainer Wendt. Somit war auch klar, dass Rieke später zum zusätzlichen DFB-Stützpunkttraining in Klink delegiert wurde. „Da hat uns der Stützpunkttrainer Matthias Held betreut und uns so einige Tricks beigebracht“, erinnerte sich Rieke Tietz. Und dort wurde ihr auch nahegelegt, zur Sportschule nach Neubrandenburg zu wechseln, was Rieke dann auch mit 13 Jahren tat. „Das war schon zu Anfang schwer. Ich war ja mit vielen vom Kindergarten an über die Goethe-Grundschule bis zur Fleesenseeschule befreundet und kannte ja in Neubrandenburg nur wenige Leute“, gab Rieke zu. Außerdem war neben dem Heimweh auch das ungewohnte hohe Trainingspensum nicht einfach.

Aber Rieke biss sich durch und hielt sogar nach anderen Vereinen Ausschau. „Wir haben ja auch gegen Turbine Potsdam gespielt und Kontakte geknüpft, und Potsdam ist ja bekanntermaßen eine Hochburg im Frauenfußball“, sagte Rieke Tietz. Und so wechselte sie zum Sportgymnasium nach Potsdam, wo sie jetzt bei Turbine Potsdam in der 2. Bundesliga spielt. Zuvor war sie imU17-Turbineteam erfolgreich, was ihr eine Nominierung für die deutsche U17-Nationalmannschaft einbrachte. Am 13. Dezember 2018 war es dann so weit: Rieke lief in Duisburg erstmals bei einem offiziellen Testspiel gegen die Niederlande im Nationaltrikot auf. „Natürlich war das aufregend, besonders dann, als die Nationalhymne gespielt wurde“, verriet Rieke Tietz.

„Das ist wirklich eine sehr gute Regelung“

Seltsamerweise bekam der Malchower SV 90 davon gar nichts mit. Erst vor ein paar Wochen bemerkte MSV-Trainer Sven Lange, der sich auch um die Geschäftsstelle kümmert, einen überraschenden Zahlungseingang vom Landesfußballverband. „Ich hielt das zuerst für eine Fehlbuchung und rief dort an. Doch dann wurde mir erklärt, dass für jedes Spiel, das eine Nationalspielerin absolviert, alle Ausbildungsvereine in ihrer Karriere eine Geldzuweisung für die Nachwuchsausbildung erhalten. Das wusste ich zwar, aber dass Malchow eine Nationalspielerin hat, das nicht“, sagte Sven Lange. Und der Manager Bernd Klein fügte hinzu: „Das ist wirklich eine sehr gute Regelung des DFB, die es ja noch gar nicht so lange gibt. Damit wird die Nachwuchsarbeit gewürdigt, ohne die es Profis nicht geben würde. Die 4450 Euro sind für einen Amateurverein wie uns eine große Summe. Und wir werden das Geld natürlich für die Nachwuchsarbeit verwenden“, sagte Bernd Klein, der Rieke Tietz auf den Malchower Waldsportplatz eingeladen hatte.

Und die hatte keinen langen Anfahrtsweg, da sie aus Nossentiner Hütte stammt und zur Zeit sowieso wegen einer Knieverletzung in der Heimat weilt. Sonst kommt sie nur alle drei Wochen mal nach Hause. Mit dem Abitur hat sie in diesem Jahr noch nichts zu tun. „Auf der Sportschule sind es ja 13 Jahre und da bin ich dann erst im nächsten Jahr dran“, sagte Rieke. Und nach dem Abitur? „Ich möchte ein duales Studium im Polizeidienst aufnehmen. Da gibt es sehr gute Kontakte zwischen Turbine und der Polizei. Dann kann ich gleichzeitig trainieren und studieren“, verriet Rieke Tietz. Apropos Training: Bis vor Kurzem hatte sie acht Mal Training in der Woche im Verein und zusätzlich zweimal Schulsport.

Im Februar des Vorjahres absolvierte sie bei einem Trainingslager der deutschen Nationalelf noch zwei Testspiele. Gegen Frankreich wurde mit 3:2 gewonnen und gegen England ein 1:1 erkämpft. Durch die Knieverletzung steht Rieke Tietz derzeit nicht im Nationalkader. Doch sie hofft nach der Genesung auf eine Rückkehr.

Und was macht ihr ehemaliger Jugendtrainer? „Ich habe wieder eine Jugendgruppe übernommen wie in jedem Jahr. Wenn man mit Leib und Seele Jugend-Trainer ist, dann kann man nicht aufhören“, sagte Rainer Wendt.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Malchow

Kommende Events in Malchow (Anzeige)

zur Homepage