Birgit Meier verschwand am 15. August 1989 spurlos.
Birgit Meier verschwand am 15. August 1989 spurlos. Courtesy Of Netflix
Kurt-Werner Wichmann, hier bei einer Polizeivernehmung zu sehen, nahm sich 1993 in Haft das Leben.
Kurt-Werner Wichmann, hier bei einer Polizeivernehmung zu sehen, nahm sich 1993 in Haft das Leben. Courtesy Of Netflix
Als Birgit Sielaff erblickte das Mordopfer am 9. Juli 1948 an der Müritz das Licht der Welt.
Als Birgit Sielaff erblickte das Mordopfer am 9. Juli 1948 an der Müritz das Licht der Welt. Courtesy Of Netflix
Im Garten von Kurt-Werner Wichmann fanden Ermittler ein ganzes, vergrabenes Auto.
Im Garten von Kurt-Werner Wichmann fanden Ermittler ein ganzes, vergrabenes Auto. Courtesy Of Netflix
Göhrde-Morde

Netflix-Serie arbeitet Mord an gebürtiger Warenerin auf

Ein Mord in Niedersachsen vor mehr als 30 Jahren und dessen Aufklärung ist Thema einer Doku-Reihe des Streaming-Dienstes. Wie jetzt bekannt wurde, stammt das Opfer von der Seenplatte.
Lüneburg

Es ist einer der aufsehnserergenden Kriminalfälle der Bundesrepublik: Unter der Bezeichnung „Göhrde-Morde” geriet die Tötung zweier Paare in einem niedersächsischen Wald vor mehr als 30 Jahren in die westdeutschen Schlagzeilen. Wenige Wochen nachdem die vier Leichen im Sommer 1989 entdeckt wurden, verschwand die damals 41-jährige Birgit Meier aus ihrem Wohnort im angrenzenden Landkreis Lüneburg spurlos.

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Ihrem Bruder ist hauptsächlich zu verdanken, dass im Jahr 2017 die Leiche der bis dahin als vermisst geltenden Frau gefunden, ihre Ermordung sowie die beiden Doppelmorde in der Göhrde zu einem großen Teil aufgeklärt werden konnten.

Nun wurde erstmals bekannt, die ermordete Birgit Meier stammt ursprünglich von der Seenplatte. Wie Angehörige dem Nordkurier mitteilen, wurde ihre Familie 1943 wegen Bombenangriffen von Hamburg zu Verwandten nach Waren evakuiert. „Dort ist dann auch Birgit Meier geboren worden”, so die Familie. Den Angaben von Birgit Meiers Personalausweis zufolge, erblickte sie am 9. Juli 1948 an der Müritz das Licht der Welt.

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In der vierteiligen Netflix-Dokumentation „Dig Deeper – Das Verschwinden von Birgit Meier” wird aufgearbeitet, wie die Hartnäckigkeit von Wolfgang Sielaff, ehemaliger Chef des Landeskriminalamts Hamburg, zur Aufklärung des Verbrechens an seiner Schwester trotz unfassbarer polizeilicher Ermittlungspannen führte. Die Doku zeige, wie „Bürokratie und polizeiliches Versagen die Wahrheitsfindung zur Sache der Privatperson werden lässt”, heißt es etwa von den Produzenten der Doku-Reihe. Demnach kommen in dem Vierteiler „Zeugen, Angehörige, ehemalige Ermittler und Opfer zu Wort, die sich bisher noch nie zum Fall Birgit Meier geäußert haben.”

Allen voran Wolfgang Sielaff, der nach seiner Pensionierung mit Unterstützung eines privaten Teams von Fachleuten zunächst dafür sorgte, dass zuvor bereits eingestellte Ermittlungen der Polizei wieder aufgenommen wurden, die schließlich den ehemaligen Friedhofsgärtner Kurt-Werner Wichmann als Mörder überführten.

Die Ermittlungen zu den vorangegangenen Doppelmorden sind allerdings bis heute nicht abgeschlossen. Bei der Lüneburger Polizei gehen Kriminalbeamte im „Ermittlungskomplex Göhrde” nach wie vor der Frage nach, ob Kurt-Werner Wichmann, der als potentieller Täter dutzender weiterer bislang ungeklärter Morde infrage kommt, auch die beiden Paare in der Göhrde getötet hat.

Kurt-Werner Wichmann, hier bei einer Polizeivernehmung zu sehen, nahm sich 1993 in Haft das Leben.

Bislang wird er offiziell als Tatverdächtiger betrachtet, heißt es auf Nordkurier-Anfrage von der Lüneburger Polizei. Zum aktuellen Stand der Ermittlungen teilt eine Sprecherin mit: „Das Verfahren umfasst über 2.000 Spurenakten, zu denen rund 700 neue Ermittlungsspuren hinzugekommen sind.”

Zudem würden sich die Ermittlungen „weiterhin auch gegen einen mutmaßlichen und noch lebenden Mittäter” Wichmanns richten. Der frühere Friedhofgärtner selbst hatte sich bereits 1993 in Haft das Leben genommen. Sein mutmaßlicher Komplize lässt sich laut Polizei von einem Rechtsanwalt vertreten und äußert sich in der Sache nicht. Demnach läuft momentan ein Abgleich seines DNA-Musters „mit festgestellten und relevanten Verfahrensspuren”, zu dem noch nicht alle Ergebnisse vorliegen.

„Die Ermittlungen müssen sich sowohl auf be- wie auch auf entlastende Tatsachen ausrichten und umfassen ebenfalls den molekulargenetischen Abgleich einer Vielzahl weiterer Personen”, erläutert die Polizeisprecherin zu den „zeitintensiven” Analysen. Dieses Vorgehen sei für „eine akribische Cold Case-Bearbeitung zwingend notwendig.”

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