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Neue Gesetze sorgen für Kahlschlag im Paradies

Noch grünt's so grün: Auch diese Hecke muss dem Abwasser-Fahrzeug noch weichen. Brigitte Gutow ärgert sich über den Kahlschlag in ihrer Kolonie.  FOTO: cs

VonCarsten SchönebeckNoch mehr Streit ums Kleingarten-Abwasser. Für die Entsorgungs-Fahrzeuge fehlen vielerorts entsprechende Zufahrten. Die Wut bei den ...

VonCarsten Schönebeck

Noch mehr Streit ums Kleingarten-Abwasser. Für die Entsorgungs-Fahrzeuge fehlen vielerorts entsprechende Zufahrten. Die Wut bei den Kleingärtnern ist groß.

Waren.Hunderte Meter Hecke mussten schon weichen. „Und das reicht doch immer noch nicht“, sagt Brigitte Gutow. Sie ist Mitglied in der Warener Kleingartenanlage „Niklasort“. Dort sitzt der Frust tief. Das gesetzliche Ende der Sickergruben sorgt für Ärger. Denn ab dem nächsten Jahr müssen alle Kleingärtner ihr Abwasser fachmännisch entsorgen lassen. Ein entsprechendes Tank-Fahrzeug muss Zugang zu den Gärten haben. Die Wege aber sind vielerorts zu eng. Zäune und Hecken müssen Platz machen. Ende März bekam ein Großteil der Mitglieder die Aufforderung, ihre Außenhecken zu entfernen. „Umgehend.“ Sonst drohten Strafen. Fast alle sind dem nachgekommen. „Dabei standen die Pflanzen hier schon seit Jahrzehnten“, so Brigitte Gutow. Wo vorher die Singvögel brüteten, sind jetzt bestenfalls noch Stumpen übrig. Der Weg aber ist immer noch eng – und unbefestigt. „Hier liegen überall Leitungen unter den Wegen. Die halten so ein schweres Fahrzeug gar nicht aus“, ist Gutow sicher.
Diese Sorge kann Eckhart Jäntsch gut nachvollziehen. Der Geschäftsführer der Warener Stadtwerke kennt den Groll der Gärtner. „Die Probleme mit den Wegen gibt es vielerorts. Aber das Abwasser muss ja irgendwie entsorgt werden“, sagt er. Und das möglichst kostengünstig. Denn eine passendere Technik sei an der Finanzierung gescheitert. „Wir hatten vorgeschlagen, ein kleineres Fahrzeug anzuschaffen“, so Jäntsch. Doch die Investitions-Kosten von rund 50 000 Euro hätten die Kleingärtner tragen müssen und waren dazu nicht bereit. „So ein Spezialgerät für einige Kunden können wir nicht einfach auf alle umlegen.“
Die Warener Kleingärten dagegen blicken mit Neid auf Röbel. Dort gibt es ein kleines Fahrzeug, dass für die Anlagen geeignet ist. „Warum kann das nicht zu uns kommen?“, fragt Brigitte Gutow. Könnte es, nur würde auch das nicht billig. „Wenn sich die betroffenen Vereine mit Röbel einigen, können wir uns das schon vorstellen. Aber da werden Fahrtkosten anfallen“, so Jäntsch. Und nun sind die Hecken ohnehin verschwunden.

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