Der Hybrid-Van fing plötzlich Flammen und brannte vollständig aus.
Der Hybrid-Van fing plötzlich Flammen und brannte vollständig aus. Feuerwehr
Das Feuer soll laut Polizei im Motorraum des VW T7 entstanden sein.
Das Feuer soll laut Polizei im Motorraum des VW T7 entstanden sein. Feuerwehr
Ein Blick in das Cockpit des erst im Sommer auf den Markt gebrachten VW T7 Multivan.
Ein Blick in das Cockpit des erst im Sommer auf den Markt gebrachten VW T7 Multivan. Alexander Migl unter CC-Lizenz BY-SA
VW T7 Multivan Hybrid

Neues Elektroauto in Flammen – wie hoch ist die Gefahr?

Keine zwei Wochen war der VW-Van alt, der jüngst auf der B192 ausgebrannt ist. Bei der neuen Technologie sorgt so ein Vorfall für viel Aufmerksamkeit.
Waren

Der am vergangenen Sonntag auf der Bundesstraße 192 bei Waren in Flammen stehende Hybrid-Van hat bei vielen Menschen eine altbekannt Frage aufgeworfen: Geht von Elektro- und Hybridautos eine besondere Brandgefahr aus? Brennen E-Autos häufiger als Verbrenner? Entzünden sie sich gar selbst? Jüngste Brände bei den noch nicht sehr lange auf unseren Straßen rollenden Elektroautos haben bei vielen Menschen Ängste geschürt.

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Aber was war geschehen? Ein neuer VW T7 Multivan Hybrid war auf der Bundesstraße 192 bei Waren in Brand geraten. Der Grund für das Feuer war laut Polizeimitteilung ein technischer Defekt. Dem Fahrer gelang es noch rechtzeitig, am Fahrbahnrand zu halten und das Fahrzeug, das sowohl von einem Elektro- als auch einem herkömmlichen Verbrennungsmotor angetrieben wird, zu verlassen, als der Motorraum und der Fahrgastraum auch schon brannten.

Immer wieder brennen E-Autos plötzlich

Das Auto, das gerade erst am 25. November zugelassen wurde, brannte komplett aus. Und das ist kein Einzelfall. Im Februar brannte ein gerade mal zwei Tage alter VW Golf GTE Plug-in-Hybrid in Hessen mit nur 300 Kilometern Laufleistung. Die hiesige Feuerwehr berichtete damals: „Nach Angaben des Fahrers gab es während der Fahrt einen hellen blauen Blitz und einen lauten Knall. Der Knall und die Druckwelle waren so heftig, dass die Scheiben des Fahrzeugs aus der Karosserie gedrückt wurden. Der Knall war auch in weiteren Stadtteilen hörbar.“

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Im österreichischen Vorarlberg fing in diesem Jahr ein Renault Zoe Feuer. Im August brannte im niederländischen Groningen ein VW ID.3 aus, kurz bevor die Besitzerin losfahren wollte. Eine Kommune in Franken hat wegen der Brandgefahr zeitweise E-Autos aus Tiefgaragen verbannt. In Bayern fing ein nagelneuer Hybrid-Passat wegen eines technischen Defekts Feuer und brannte komplett aus. In Hessen war im vergangenen Jahr ein Ford Kuga direkt an der Ladestation abgebrannt – kurz zuvor hatte Ford das Modell noch wegen einer beschädigten Steckverbindung an der Batterie weltweit zurückgerufen.

Feuer löschen ist schwieriger

Der Kuga ist nicht das einzige E-Modell, das wegen Problemen in großem Stil zurückgerufen wurde. Jüngst wurden bei weltweit 66.000 Fahrzeugen vom Typ Chevrolet Bolt vor dem Aufladen gewarnt, auch das deutsche Schwestermodell Opel Ampera-e war von dem Rückruf betroffen. Hyundai musste im Frühjahr Tausende Fahrzeuge in die Werkstätten zurückbeordern, beim Audi E-tron kam es schon im Jahr 2019 zu Rückrufen, BMW hat Probleme bei Elektroautos gehabt, und auch zum US-Hersteller Tesla gibt es viele Berichte von Bränden und Selbstentzündungen.

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Der Deutsche Feuerwehrverband betont, dass auch Elektrofahrzeuge von den Einsatzkräften der Feuerwehr gelöscht werden können, auch wenn das unter Umständen etwas schwieriger sein kann als bei herkömmlich angetriebenen Fahrzeugen. Und generell ist so ein brennendes Auto nichts ungewöhnliches: Jeden Monat stehen deutlich mehr als 1000 Autos in Deutschland in Flammen, die meisten von ihnen werden von Benzin angetrieben.

Flammen in der linken Motorraumhälfte

Der in Waren betroffene VW T7 ist erst seit Sommer auf dem Markt. Angetrieben wird der 218 PS starke Van von einem 1.4 Liter TSI-Motor und einer rund 13 kWh großen Batterie, die am Unterboden des Autos angebracht ist. Bei dem Brand auf der B192 fiel auf, dass die Flammen vor allem aus dem linken Motorraum schlugen, auch die Polizei nimmt an, dass das Feuer im Motorraum seinen Ursprung nahm. Das Hybrid-System findet sich bereits bei Modellen wie dem Golf eHybrid, Passat GTE oder auch Tiguan eHybrid. Geladen wird der T7 Hybrid zwar über einen Anschluss auf der rechten Seite im Kotfügel, im linken Bereich des Motorraum jedoch steckt ein Großteil der Hybridtechnik.

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Grundsätzlich sind sich die Experten einig: Das Brandrisiko ist bei einem Elektroauto nicht höher als bei einem Benziner. „Aktuell gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass Elektroautos mit oder ohne Unfalleinwirkung eher zum Brennen neigen als Autos mit Verbrennungsmotor“, heißt es in einem aktuellen Statement des ADAC. Auch Dekra-Unfallforscher Markus Egelhaaf schlägt in dieselbe Kerbe: „Tatsache ist, dass nach unseren Erkenntnissen von E-Autos keine höhere Brandgefahr ausgeht als von konventionell angetriebenen Autos.”

Mehr Hilfe bei E-Auto-Bränden gefordert

Natürlich gebe es bei Elektroautos auch – wie bei Benzinern und Diesel-Autos – Spontanbrände. Doch rein statistisch brennen E-Autos bei weitem seltener als Benziner und Diesel. Die Feuer sind meist auf Produktionsfehler der Hersteller zurückzuführen – wenn denn überhaupt eine Ursache ermittelt werden kann. Volkswagen hat sich diesbezüglich bislang bedeckt gehalten und keine öffentliche Auskunft zu selbstentzündeten E-Autos gegeben.

Der Deutsche Feuerwehrverband fordert allerdings von der Autoindustrie mehr Unterstützung beim Umgang mit Bränden von Elektroautos. „Die Hersteller werden ihrer Verantwortung für Elektroautos und den damit verbundenen Risiken nach einem Brandereignis bislang nicht ausreichend gerecht”, sagte Peter Bachmeier, Vorsitzender des Fachausschusses Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz der deutschen Feuerwehren, dem „Spiegel”.

Das Löschen einer brennenden Batterie sei häufig komplizierter und langwieriger. „Ein normales Auto löscht man in einer Viertelstunde ab und braucht dafür 500 Liter Wasser”, sagte Bachmeier dem Nachrichtenmagazin. „Beim E-Auto ist die Feuerwehr hingegen oft zwei bis drei Stunden beschäftigt und braucht 10.000 Liter Wasser.”

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