Offener Brief

Nordkirche distanziert sich von Corona-Kritik des Pastors

Der Brief von Pastor Marcus Wenzel an den Bundespräsidenten hat viel Aufsehen erregt. Deshalb hat sich nun die Pröpstin persönlich an die Kirchgemeinde gewandt.
Die Pröpstin Britta Carstensen hat gestern im Namen der Nordkirche Stellung zum Brief von Pastor Marcus Wenzel bezogen, d
Die Pröpstin Britta Carstensen hat gestern im Namen der Nordkirche Stellung zum Brief von Pastor Marcus Wenzel bezogen, den er an den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier geschrieben hat. Miriam Brümmer
Der Warener Pastor Marcus Wenzel hatte mit seinem Brief an den Bundespräsidenten für viel Aufsehen gesorgt.
Der Warener Pastor Marcus Wenzel hatte mit seinem Brief an den Bundespräsidenten für viel Aufsehen gesorgt. Petra Konermann
Waren

Wer am Sonntag in die Marienkirche wollte, musste eine Maske tragen, eine der 3G-Regeln nachweisen und seine Daten zur Nachverfolgung im Falle einer Infektion hinterlegen. Das soll noch am ersten Adventssonntag ganz anders gewesen sein. Nach Informationen von Gemeindemitgliedern hätten Besucher keine Masken tragen und ihre Anwesenheit nicht dokumentieren wollen. „Da bin ich gleich wieder gegangen“, sagte ein Gemeindemitglied und auch, dass es erfreulich sei, dass die Andacht wieder so schön wie sonst war.

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Gleich zu Beginn des Gottesdienstes richtete Pröpstin Britta Carstensen deutliche Worte im Namen des Kirchenkreises Mecklenburg und der Nordkirche an die Gemeinde. Anlass war der öffentliche Brief des Pastors Marcus Wenzel und die damit zusammenhängenden Vorgänge während des Gottesdienstes am 1. Advent (der Nordkurier berichtete). Viele Zuschriften unterschiedlicher Ansichten hätten die Pröpstin danach erreicht. Für sie sei es von Bedeutung, dass „Gemeindemitglieder durch das Schreiben verunsichert und enttäuscht sind und sich ausgrenzt fühlen, da sie anderer Meinung als ihr Pastor sind, den sie für seine Gemeindearbeit sonst schätzen“. Deshalb bedürfe es der Heilung, sagte Britta Carstensen.

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Die Pröpstin stellte nochmals klar, dass Marcus Wenzel in dem Brief seine Meinung als Privatperson mitgeteilt habe, was in einer Demokratie als Ausdruck von Meinungsvielfalt selbstverständlich möglich sei. Doch: „Wir teilen weder im Kirchenkreis noch in der Nordkirche die Auffassungen von Herrn Wenzel und distanzieren uns von seiner Position, seiner Wortwahl und auch von seinen angestellten Vergleichen“, betonte Britta Carstensen.

Unterscheidung zwischen Privat- und Amtsperson

Die Nordkirche ermutige hingegen zum Impfen gegen das Coronavirus, weil sie „verantwortlich dazu beitragen möchte, dass die Corona-Pandemie bekämpft wird und möglichst viele Menschen gesund bleiben“. Außerdem sei es selbstverständlich, miteinander im Gespräch zu bleiben und bei Gottesdiensten und anderen kirchlichen Handlungsfeldern alle Menschen willkommen zu heißen. „Aufklärung, Austausch und Gespräche über den Nutzen der Impfung, aber auch über Angst vor der Impfung sollen in der Kirchengemeinde ihren Platz haben, jedoch stets im gegenseitigen Respekt“, zitierte Pröpstin Carstensen aus den aktuellen Handlungsempfehlungen der Nordkirche für die Kirchengemeinden.

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Gleichzeitig stellte sie die pastorale Verantwortung heraus, deren Kernaufgabe es sei, Menschen zusammen zu bringen und die Gemeinde trotz Meinungsverschiedenheiten zusammen zu halten. Es gelte das Mäßigungs- und Loyalitätsgebot, insbesondere wegen der regelmäßig schwierigen Unterscheidung zwischen Privatperson und Amtsperson. Einseitige oder polarisierende Meinungsäußerungen würden in der Gemeinde und Öffentlichkeit zu Irritation und Spaltung führen. Das hätte dieser Fall klar gezeigt.

Bereits am Donnerstag habe es ein Gespräch zwischen der Pröpstin, dem Kirchengemeinderat und Pastor Wenzel gegeben, in dem der Kirchengemeinderat deutlich machte, dass Einheit und Frieden zu wahren und um der Gemeinschaft Willen jetzt Wege zu suchen sind, den entstandenen Schaden zu heilen. Unabhängig davon erwarte die Kirche von allen Pastorinnen und Pastoren sowie Kirchengemeinderäten die konsequente Umsetzung der geltenden Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie im Gemeindeleben, bei Gottesdiensten, Andachten und Veranstaltungen.

„Von ihrem Selbstverständnis her ist Ihre Kirchengemeinde ein Ort, an dem Menschen verschiedener Ansichten, Herkunft und Glaubensfrömmigkeiten gut miteinander christliche Gemeinde leben. Deshalb kommt es jetzt darauf an, ,Räume wieder für alle Gemeindeglieder zu öffnen‘, wie es ein Mitglied des Kirchengemeinrates formuliert hat. Dem schließe ich mich an“, so die Pröpstin. Es sei wichtig, „in guter und aufeinander hörender Weise und im gegenseitigen Respekt alles zu tun, was dem Frieden in der Gemeinde in dieser besonderen Belastungssituation dient, und sich darüber auszutauschen, wie das Gemeindeleben in Warens Mariengemeinde künftig in guter Weise gestaltet werden kann“, sagte Britta Carstensen abschließend.

Impfungen gegen Coronavirus kritisiert

In einem Brief an den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier hatte Marcus Wenzel kritisiert, dass Andersdenkende ihre Meinung nicht frei äußern dürften und sie zur Impfung gezwungen würden. Er sieht darin grundlegende Menschenrechte verletzt, wie das Recht auf Selbstbestimmung. Kaum einer würde den Mund aufmachen, weil Politik und Medien Angst schüren würden.

„Angestellten Ärzten wird mit Disziplinarmaßnahmen gedroht, wenn sie sich kritisch zur Coronapolitik der Bundesregierung äußern und Mitarbeiter von Ämtern haben inzwischen Angst, frei ihre Meinung zu sagen, auch aus Angst, seitens ihres Arbeitgebers mit Benachteiligungen rechnen zu müssen. Der Riss geht durch Familien und Freundeskreise, weil die Meinung für oder wider zur Glaubensaussage mutiert“, hatte der Pastor formuliert. Zu den Corona-Impfungen äußerte er sich in dem mit seinem Namen unterschriebenen Brief ebenfalls kritisch.

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