EINREISEVERBOT

Nordkurier-Reporter fällt fast durch Grenzkontrolle

Auch ein Nordkurier-Reporter gerät bei einer Corona-Kontrolle an der Landkreisgrenze schon einmal in Erklärungsnot. So einfach lässt sich ein Aufenthaltsrecht gar nicht beweisen.
Mit HH-Kennzeichen wurde das Auto sofort aus dem Verkehr gewunken.
Mit HH-Kennzeichen wurde das Auto sofort aus dem Verkehr gewunken. Nordkurier
Leizen ·

An einem stockfinsteren Abend nahe der Grenze zum Landkreis Mecklenburgischen Seenplatte hat es vor wenigen Tagen auch mich erwischt. Als ich mit meinem roten Kleinwagen von der A19 abbog und meine zweite Heimat Neustrelitz ansteuerte, schnellte wenige Meter später auf der Bundesstraße bei Leizen die rote Polizeikelle hoch. Mein Hamburger Kennzeichen hatte mich als potenziellen Widerständler gegen Corona-Einreiseverbote dastehen lassen. Ein Polizist winkte mich aus dem Verkehr. Ich stoppte den Wagen auf der rechten Abbiegespur der Kreuzung. Der einzige Verdächtige war ich bei weitem nicht. Selbst das Fahrzeug direkt vor mir musste selbige Anweisung befolgen.

Charmante Tour bringt da nichts

„Den Motor bitte ausstellen!“, lautete der erste Befehl des Uniformierten. An ein schnelles Davonkommen war also nicht zu denken. Dass ich sofort pflichtbewusst meine Maske aufsetzte und meinen Zweitwohnsitz in Neustrelitz erwähnte, stimmte den Beamten zwar zufrieden. Doch genügend Vertrauen hatte ich damit offenbar noch nicht gewonnen. Denn einen Blick auf meinen formschönen Neustrelitz-Aufkleber am Heck wollte er zu meiner Enttäuschung nicht werfen. Da wurde mir sofort bewusst: Mit der charmanten Tour konnte ich dieser Kontrolle nicht entkommen.

Woher einen Nachweis des Aufenthaltsrechts nehmen?

Am liebsten hätte der Beamte ein behördliches Schreiben gesehen, mit dem ich die Existenz meines Zweitwohnsitzes hätte nachweisen können. „Sonst muss ich Sie leider hier abweisen“, schossen seine Worte eiskalt durch meinen Kopf. „Na klar“, spielte ich das Szenario in Gedanken durch: Einfach 200 Kilometer wieder zurück nach Hamburg fahren – bei Dunkelheit, Schnee und Glatteis. Oder ich suche mir ein lauschiges Plätzchen zwischen einsamen Lkw auf dem Autobahnrastplatz.

Ich brauchte also dringend einen Beweis. Besonders kurios: Gerade in so einem Moment fällt einem ein, wie viel Müll im eigenen Kofferraum liegt und wie wenig Hilfreiches zur Lösung solch einer Zwickmühle. Doch mit Gedankenspielen über Aufräumen konnte ich mich in diesem Moment nicht aufhalten. Schließlich bemerkte ich in den entschlossenen Augen des Polizisten einen Funken Ungeduld. Doch womit sollte ich meine Wohnsitz-Anmeldung beweisen?

Im Personalausweis steht nur der Erstwohnsitz, wo ich die halbe Woche mit meiner Frau verbringe. Auch der übliche Schriftverkehr landet in der Großstadt an der Elbe. Die meisten Behörden bestehen ja eisern darauf, den Erstwohnsitz zu vermerken. Schon als ich damals mein Auto in der Mecklenburgischen Seenplatte anmelden wollte, schüttelte die Sachbearbeiterin der im Internet so gut bewerteten Zulassungsstelle in Neustrelitz mitfühlend den Kopf, als sie von meinem Hauptwohnsitz in der Hansestadt erfuhr.

Dienstausweis war die Lösung

Es war glasklar: Ich musste den Beamten mit meiner Arbeit als Reporter für den Nordkurier von meinem Bleiberecht in der Mecklenburgischen Seenplatte überzeugen. Für meine selbst verfassten Artikel auf der Nordkurier-Internetseite hatte der Polizist zwar ebenso wenig Interesse wie für das Neustrelitz-Wappen auf der Kofferraumtür. Zum Glück hatte der Nordkurier mir aber bereits ein Schreiben ausgestellt, das die Notwendigkeit meines Einsatzes in der Mecklenburgischen Seenplatte – zur Wahrnehmung der im Grundgesetz verankerten Presseaufgaben – verdeutlicht. Ich hatte auch meinen NK-Mitarbeiterausweis dabei. So ließ mich der Polizeibeamte schließlich weiterfahren.

Erleichterung durchfuhr mich. Ich war wieder auf den Straßen. Der Autofahrer, der vor mir herausgewunken wurde, steckte zu diesem Zeitpunkt übrigens noch immer im Verhör. Die Beamten nehmen die Kontrollen der Corona-Schutzmaßnahmen also durchaus ernst und lassen sich ohne handfeste Beweise kaum erweichen. Das bekam ich an diesem Tag deutlich zu spüren – und nicht nur ich: Von 1.554 kontrollierten Personen zwischen Montag und Donnerstag dieser Woche mussten nach Auskunft von Polizeisprecherin Susann Ossenschmidt 31 wieder umkehren. Seit Freitag brauchen selbst Zweitwohnsitzler einen triftigen Grund für ihren Aufenthalt. So ist es in der aktuell gültigen Verfügung festgeschrieben.

Fragen über Fragen

Eines beschäftigte mich während der Weiterfahrt aber noch eine Weile: Nachdem ich meinen Heimweg durch den Landkreis fortgesetzt hatte, rasten ein paar Kilometer weiter südlich auf der B198 zwischen Mirow und Wesenberg drei Autos direkt hintereinander an mir vorbei. An die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit wollten sich die Fahrer offenbar nicht halten. Das Überraschende: Die Kennzeichen waren mir aus der Elbmetropole und dem Hamburger Umland durchaus bekannt: Pinneberg, Stade und Hamburg.

Mit wie viel Überzeugungsarbeit waren diese Drei wohl über die Landkreisgrenze gekommen? Und warum traf ich Stunden zuvor an einer Autobahnraststätte kurz hinter der MV-Landesgrenze auf gleich fünf Mittzwanziger in einem einzigen Auto? Diese Fragen schwirrten mir noch die ganze restliche Fahrt bis nach Neustrelitz durch den Kopf.

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Kommentare (22)

"Keinem Menschen komme es zu, zu befehlen, wenn er denen nicht überlegen ist, denen er befiehlt." Michel Eyquem de Montaigne

Und wer auf Befehl seines Dienstherrn nur in Unterhose zur Arbeit kommen würde ... naja, den Rest spare ich mir.

Früher war es [Entfernt. Keine NS-Vergleiche hier und damit Verharmlosung des Holocaust. Die Red.] jetzt ist es das" falsche" Kennzeichen.
Es reicht aus eine als" allgemeine Verkehrskontrolle" getarnte Untersuchung auszulösen.
Aufwachen Leute!

da haben Sie recht, deshalb war das auch gar kein Befehl, sondern eine Aufforderung.

Der Polizist hat das Wort "Befehl" nicht erwähnt und hätte es auch nicht getan.

Aufwachen Onyx !

Genauso falsch: "Dienstausweis" , allenfalls Hausausweis oder Presseausweis. Die Arbeit beim NK ist kein Dienst.

Erkennbar als Widerständler - okay, von dem Banner "Ab hier polizeiliche Widerständlerkontrolle" fehlt ein Foto im Artikel. Na gut, es war ja auch keine Recherche.
Hätte natürlich auch eine ganz normale Verkehrskontrolle sein können.

Wie „beweist“ man eigentlich, dass man seine Mutter (Kernfamilie) besuchen möchte, oder seine Tochter, die doch meistens einen anderen Nachnamen hat?

Irgendwann hatte man doch denselben Nachnamen.

Und wenn nicht - Geburtsurkunde.

Hat nicht jeder, ich weiß. Der/Diejenige kennt aber auch seine Mutter dann meist nicht.

haben immer alle passenden Geburtsurkunden dabei?

Sie dürfen nur im 15 Kilometer-Radius Ihre Mutter oder Tochter ohne Kontrollrepressalien treffen, wenn beide in 200-Inzidenz-Region wohnen. Geburtsurkunde, Haarlocke oder Genetikanalyse sind natürlich Unfug. Beispiel: Sie wohnen in Neubrandenburg und Ihre verheiratete Tochter wohnt in Neustrelitz wäre Usadel als Treffpunkt zulässig. Usadel an der B96 hat einen großen Parkplatz. Lustig ist das Pandemieleben.

Vor 5 Jahren waren Grenzschließungen undenkbar und plötzlich wird selbst die Einreise in einen anderen Landkreis kontrolliert. Gratulation.

... Art. 20, Abs.1 Grungesetz i.V. mit der Infektionsschutzverordnung macht es möglich. Klingt komisch, ist aber so.

gab es damals auch. Ist komisch, klingt aber nicht so!

Die drei PKW's waren dann wohl illegale Grenzgänger gewesen, die einfach über die Mauer gemacht sind. Früher war es genau anders rum, da sind sie alle abgehauen, heute kommen sie alle zu uns rein. Frau Schwesig sollte die Mauer höher und mit Stacheldraht um MV absichern. Dann können wir uns besser vor illegal Einreisende aus dem Westen schützen.

... reicht aus eine als" allgemeine Verkehrskontrolle" getarnte Untersuchung auszulösen.
Aufwachen Leute!"

Das ist sachlich falsch. Eine allg. Verkehrskontrolle dient ausschließlich der Sicherheit im Straßenverkehr. Sie darf jederzeit ohne konkreten Anlass erfolgen.

Vorliegend handelt es sich jedoch um den Anfangsverdacht einer Ordnungswidrigkeit nach dem Infektionsschutzgesetz i.V. mit der VO des Landes Meck./Pom. Ein anderes amtliches Kennzeichen läßt die Annahme zu, das ein verstoß vorliegen könnte.
Rechtsgrundlage wäre § 53 Ordnungswidrigkeitengesetz. Nur mal so nebenbei erwähnt.

kennen die Genossen gar nicht.....

Wenn ich aus dem Fenster schaue, erkenne ich zu 50% Fahrzeuge, die nicht aus der Region sind. Das Ordnungsamt schläft hier wieder wie so oft beim ruhenden Verkehr.

Der Artikel könnte auch von Frau Marsal sein...

Der Kommentar ist geil!

Ich hab ja bisher gedacht, dass bei Zeitungen Journalisten arbeiten! Aber wenn es nur Reporter sind, dann erklärt es diese Gramatik und Rechtschreibung in vielen Beiträgen!

...

Journalisten arbeiten bei renomierten Verlagen, Reporter bei Schmzddelblättern....

sollte man nur mit den passenden Dokumenten, in Papier oder elektronischer Form reisen.
Persönlich bin ich ziemlich enttäuscht wie dieses Bewegungs- / Reiseverhalten kontrolliert wird - faktisch bei 0 -
Das Positive, der Lieblingsdöner, morgens der tägliche Stater Kaffee und die Bockwurst mit Bautzener an der Tanke und das Lübzer - gut wie immer

Nicht der "Dienstausweis" sondern das vom Nordkurier ausgestellte Schreiben erlaubte dem NK-Mitarbeiter in den Landkreis einzureisen. Da man dieses Arbeitgeber-Schreiben immer im Auto hat, um auf Arbeit oder nach Hause zu kommen, wenn man in eine Kontrolle gerät, ist der NK-Artikel sehr aufgebauscht. Ich habe von meinem Arbeitgeber solch Schreiben seit Anfang April 2020. Dass Kfz. durch den Landkreis fahren, die vermutlich wegen den Corona-Verbotsorgien nicht hierher gehören, ist ein gutes Zeichen, dass der Landkreis nicht komplett kommunistisch-chinesisch abgeriegelt ist.

Wenn ich es richtig lese, bestimmen die Gedanken des Reporters über ein mögliches Szenario den Artikel. Ausgeschmücktes was wäre wenn im Kopf...
Durch das Zeigen des Dienstausweises war es doch kein Problem, was ich nur bestätigen kann. Ein Schreiben meines Arbeitgebers reichte bei mir auch völlig aus.

Menschen, die gegen die aktuellen Coronaverordnungen verstoßen, werden durch Polizeibeamte im Auftrag der Königin Manu auf Geheiß von Bill Gates festgenommen und in geheime Gefängnisse gesteckt. Dort werden aus ihrem Blut mutierte Viren und Mini-Drostens geklont!
Herr Mladek hat schon die Titelseite des NK reserviert.