REAKTIONEN AUF #FUSIONBLEIBT

Öffentlichkeit zeigt viel Solidarität mit Fusion-Festival

Die Debatte um die Zukunft der Fusion in Lärz spiegelt sich in vielen Wortmeldungen im Internet wider. Die meisten zeigen sich auf Seiten der Veranstalter.
Sebastian Langer Sebastian Langer
Soll die Polizei ständig auf dem Gelände des Fusion-Festivals präsent sein? Um diese Frage kreist die aktuelle Diskussion.
Soll die Polizei ständig auf dem Gelände des Fusion-Festivals präsent sein? Um diese Frage kreist die aktuelle Diskussion. Simon Voigt
Neubrandenburg.

Geht es um Musik-Festivals, liegt die Aufmerksamkeit fast immer darauf, wer dort auftreten wird, wie man am besten dort hin und wieder wegkommt, und vor allem: wie war es? Bilder von Menschenmassen, ausgefallenen Outfits und fröhlichen Menschen fluten die Foto-Kanäle. Politik ist da meist eher nicht vorgesehen, und so gilt die Debatte um das an Eigenwilligkeiten sonst schon nicht arme Fusion-Festival in der Mecklenburgischen Seenplatte als Besonderheit. Akteure aller Couleur melden sich in diesen Tagen zu Wort, gut abzulesen auch an der steigenden Popularität der Twitter-Schlagworte #Fusion und #Fusionbleibt.

Darunter sind solche wie die von David Hölscher, die in mehreren Tweets die Atmosphäre auf dem Festival aus eigener Erfahrung beschreibt:

 

 

Auch Schauspielerin Meret Becker bezieht bei der Pressekonferenz des Kulturkosmus Stellung:

 

Loveparade-Legende Dr. Motte stört sich am wiederholten Vergleich mit dem Loveparade-Unglück 2010:

 

 

Man muss sich schon ein wenig anstrengen, um im Wust der Wortmeldungen Meinungen zu finden, die sich nicht mit den Veranstaltern solidarisieren. Dazu gehören beispielsweise dieser Kommentar in der Ostsee-Zeitung und die AfD-Landtagsfraktion. Unter dem Motto „Sicher und friedlich feiern ohne linksextreme Gewalttäter” teilte der innenpolitische Sprecher Nikolaus Kramer, der von Beruf Polizeioberkommissar ist, mit, dass es in MV keine rechtsfreien Räume geben dürfe – „auch nicht auf Musikveranstaltungen und schon gar nicht für den linksextremen Narrensaum, welcher diese für Gewalt-Eskalationen nutzen könnte”. Die Fusion-Besucher hätten ein Recht auf Sicherheit, „auch wenn das einer kleinen Gruppe linksautonomer und krimineller Akteure missfallen sollte”. Nach der Bundestagswahl 2017 hatten die Fusion-Veranstalter in einem Statement erklärt, dass AfD-Wähler auf dem Festival unerwünscht seien.

 

 

Ansonsten äußern sich unter dem Schlagwort Fusion vor allem Stimmen in Richtung #Fusionbleibt. Die Online-Petition auf der offiziellen Fusion-Seite haben mittlerweile mehr als 100.000 Menschen unterschrieben, darunter die Neubrandenburger Stadtpräsidentin Irina Parlow, die Kreis-Grünen ebenso wie der FDP-Kreisverband aus der Seenplatte, der Bundesvorstand der Linken. Auch die Landesverbände von FDP und SPD haben sich via Twitter mit dem Festival solidarisiert:

 

 

 

 

Natürlich wird der Streit auch für die Produktion von mehr oder weniger gelungenen Sharepics genutzt:

 

 

Bleibt noch das Gegenfestival „Polizusion”. Die satirische Kleinpartei „Die Partei” hat vorsorglich für den gleichen Zeitraum am gleichen Ort auf Facebook ein „duftes Polizeifestival in der Zone” angemeldet. In „Zusammenarbeit mit dem DJ-Team der Berliner Partypolizei und der CSU” sollen dann auf dem Lärzer Flugplatz unter anderem „Kartoffelweitwurf, Taser-Tuning und Kinderkesseln” stattfinden. Ganz ernstzunehmen dürfte die Aktion allerdings nicht sein:

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

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Kommentare (2)

Es gab in der Vergangenheit bereits Terroranschläge und Anschlagspläne bei vergleichbaren Veranstaltungen (Ansbach Open Air 2016; IS Anschlagspläne auf ein nicht näher genanntes Musikfestival 2018). Wer die Pressekonferenz der Polizei verfolgt hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass die mobile Polizeiwache und die anlasslose Bestreifung diesen Gefahren begegnen soll. Solche Maßnahmen sind inzwischen leider bei jedem größeren Volksfest, Weihnachtsmarkt und wohl auch Festival Standard. Die Forderungen des Veranstalters und seiner Unterstützer, bitte weiter "unkontrolliert und zwanglos" feiern zu dürfen, zeigt, dass sie noch nicht in der Realität angekommen sind. Ich möchte die Gesichter des Veranstalters sehen, wenn es tatsächlich einen Anschlag gibt, der durch eine Polizeipräsenz auf dem Festivalgelände vielleicht hätte verhindert werden können. Dann gibt es noch ganz "unkontrolliert und zwanglos" eine Trauerfeier und keine Fusion mehr. Zu Recht.

Es gibt in Deutschland keine Terrorgefahr. Das ist herbeigeredet. Es gibt aber das Abschaffen von Grundrechten, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit und der Freiheit der Kunst. Dazu gehört auch das Fusion Festival. Die Vergangenheit hat gezeigt, die elektronische Musikkultur hat seit 30 Jahren gezeigt, daß ein zusammenleben der Menschen sehr wohl möglich ist. Der Tanz zu elektronischer Musik bringt die Menschen zusammen und fördert eine Gemeinschaft in Vielfalt. Das ist etwas ganz natürliches. Genauso wie alle Vögel im Wald leben, und jede Art auf ihre Art zusammen leben. Wer das durch anlaßlose Kontrollen und einer Polizeiwache auf dem privaten Gelände der Fusion stören will, verstößt gegen geltendes Recht, dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und gegen die allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Über 109.000 Menschen unterstützen den Aufruf des Kulturkosmos gegen eine Überwachung des Fusion Festivals. Die Erfahrungen haben in den letzten 22 Jahren gezeigt, es existiert ein ausreichendes Sicherheitskonzept und es gab bisher keine besonderen Zwischenfälle. Wer die Petition des Fusion Festivals auch unterstützen möchte, kann dies unter https://kulturkosmos.de/mitmachen/ tun. Vielen dank