Sanierung

▶ Orgel der Warener Georgenkirche soll alten Klang wiederbekommen

Die Lütkemüller-Orgel in der Georgenkirche ist restaurierungsbedürftig. Die Arbeiten, die mehr als eine Schönheitskur sind, werden allerdings nicht billig.
Die Orgel in der St. Georgenkirche ist eine der großen Orgeln aus der Werkstatt von Friedrich Hermann Lütkemül
Die Orgel in der St. Georgenkirche ist eine der großen Orgeln aus der Werkstatt von Friedrich Hermann Lütkemüller von 1856. Ingmar Nehls
Bürgermeister Norbert Möller lässt sich von Christiane Drese den freistehenden Spieltisch erklären. Von hi
Bürgermeister Norbert Möller lässt sich von Christiane Drese den freistehenden Spieltisch erklären. Von hier oben aus hat man einen tollen Blick auf den Chorraum, was bei Konzerten nützlich ist. Ingmar Nehls
Überall durfte mal reingeguckt werden, um ein Verständnis für das Instrument zu entwickeln. Foto: I. Nehls
Überall durfte mal reingeguckt werden, um ein Verständnis für das Instrument zu entwickeln. Foto: I. Nehls Ingmar Nehls
So sieht's hinter der Orgelfassade aus.
So sieht's hinter der Orgelfassade aus. Ingmar Nehls
Waren

Kopf einziehen und rein in den Maschinenraum – bei der Lütkemüller-Orgel in der Warener Georgenkirche ist es wie bei manchem Haus: Die Schauseite strahlt vor Glanz, doch im Inneren wartet Arbeit auf Profis. Wo und was, das zeigte Kantorin Christiane Drese am Freitag bei einem Spaziergang durch die „Königin der Instrumente“.

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Schwer beeindruckt von den Einblicken war Warens Bürgermeister Norbert Möller (SPD). Möller hatte sich nicht lang bitten lassen, als Schirmherr die Restaurierung voranzutreiben und Spenden einzuwerben.

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Christiane Drese schätzt, dass die Kosten der Restaurierungs-Kur für die Orgel etwa 300.000 Euro betragen werden. Das tatsächliche Ausmaß der Schäden, lasse sich aber erst erheben, wenn die Einzelteile ausgebaut vor dem Fachmann liegen. Das Geld soll zu gleichen Teilen vom Land, der Landeskirche und der Kirchgemeinde aufgebracht werden. Norbert Möller versprach, bei den Warenern zu werben und auch den Stadtvertretern einen Vorschlag zu machen, dass sich die Stadt Waren beteiligen wird. „Die Orgel ist mehr als nur ein Instrument, und darum ist es wichtig, sich dazu zu bekennen und die Orgel so zu reparieren, dass ihr Klang auch für die nachfolgenden Generationen erlebbar bleibt“, sagte Möller.

In der DDR eher improvisierte Erhaltungsmaßnahmen

Der Zeitpunkt für die Restauration sei wohl überlegt und günstig, meint Christiane Drese. Denn noch gebe es sehr gute Handwerker, die auch Erfahrungen speziell mit Lütkemüller-Orgeln gesammelt hätten. Die Orgel in der St. Georgenkirche ist eine der großen Orgeln aus der Werkstatt von Friedrich Hermann Lütkemüller von 1856. Das Instrument begleitet die Gottesdienste der Gemeinde und ist darüber hinaus aus dem Kulturleben der Stadt Waren nicht wegzudenken. Sie gehört laut Christiane Drese zum wertvollsten Bestand der romantischen Orgeln in Mecklenburg.

„So ein altes Instrument verändert sich im Laufe der Jahrzehnte“, erklärte die Kantorin. Im ersten Weltkrieg seien Prospektpfeifen abgeholt und später erneuert worden, immer wieder habe es Reparaturen, Raub von Pfeifen, Umdisponierungen und Umbauten gegeben. Vor allem die in der DDR-Zeit durchgeführten Maßnahmen zur Erhaltung der Orgel seien eher durch Improvisation bestimmt gewesen. „Erst 1995 konnten neue Prospektpfeifen hergestellt werden und im Jahr 2009 eine Schimmelbekämpfung stattfinden“, berichtete Christiane Drese.

Dresdener Orgelwerkstatt führt die Arbeiten durch

Eine umfassende Sanierung und Restaurierung der Orgel konnte nie durchgeführt werden. Dabei gibt es eine Menge Schäden: die Mechanik ist abgenutzt, Luftkanäle und Windladen haben Risse, das Leder des Blasebalgs ist rissig, Messingdrähte brechen. Der Klang hat durch die Umbauten in den 50er bis 80er Jahren gelitten, die Ausfallrisiken werden größer.

Verschiedene Orgelbaufirmen hätten sich die Orgel angesehen und Angebote unterbreitet. Die Wahl fiel schließlich auf die Dresdener Orgelwerkstatt Kristian Wegscheider. Gemeinsam mit dem Förderverein Kirchenmusik Waren St. Georgen will die Gemeinde die Lütkemüller-Orgel als das wiedererstehen lassen, was sie einst gewesen ist.

Den Auftakt zu den Spenden-Sammelaktionen macht das Wandelkonzert der Kreismusikschule am 22. Oktober ab 17 Uhr durch die drei großen Kirchen in Waren. Im Wandelkonzert spielen Ensembles der Kreismusikschule Müritz und Organisten, die zum Verweilen, Zuhören und Wandern einladen. Los geht es um 17 Uhr in St. Marien mit einem Trompetentrio, Blechblasquartett und Blockflötentrio. Um 17.45 Uhr in St. Georgen übernehmen die Junior Strings und das kleine Streichtrio. Um 18.30 Uhr in Heilig Kreuz spielen ein Gitarrenensemble, ein Streichduo und die Klangfarben. Der Eintritt ist frei, es wird aber um Spenden für die Restaurierung der Orgel erbeten.

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