Briefwahl

Poststreik in Waren war nur der Anfang

Arbeitskampf bei der Deutschen Post - in Waren beteiligten sich fast alle Mitarbeiter am Streik. Sie fordern höhere Löhne. Rund 30.000 Briefe wurden nicht zugestellt. Hat der Streik auch Auswirkungen auf die Bürgermeister-Wahl?
Beim Zustellstützpunkt der Deutschen Post in Waren streikte fast das ganze Personal der Tagschicht. In Penzlin und Malcho
Beim Zustellstützpunkt der Deutschen Post in Waren streikte fast das ganze Personal der Tagschicht. In Penzlin und Malchow arbeiteten die Briefzusteller währenddessen emsig weiter. Verdi
Waren

In der Corona-Krise gilt die Deutsche Post AG (DPAG) als sogenannter Krisengewinner, sagte Thomas Ebeling. Er ist der Gewerkschaftssekretär von Verdi und begleitete den Warnstreik am Donnerstag in MV. In vier Städten wurde gestreikt – auch im Zustellzentrum der Deutschen Post in Waren. Insgesamt etwa 25 Mitarbeiter hatten laut des Verdi-Sprechers im Heilbad für mehr Geld die Arbeit niedergelegt.

Die Gewerkschaftsvertreter sind mit dieser Resonanz zufrieden. „In Waren waren das gut 95 Prozent des Personals“, so der Sprecher. Vereinzelt haben Mitarbeiter mit höherem Kündigungsrisiko auf den Streik verzichtet – etwa, wenn sie befristete Verträge hätten oder sich in der Probezeit befänden.

Zustellstützpunkte auch in Malchow und Penzlin

Acht Stunden lang, also eine ganze Tagesschicht, haben die Mitarbeiter gestreikt, um ihren Forderungen für die dritte Tarifrunde mit der DPAG mehr Ausdruck zu verleihen. Die Konsequenzen für die Müritzer sind oder werden die kommenden Tage spürbar sein: Durchschnittlich 30.000 Briefsendungen und 1200 Pakete werden in dem Warener Zustellstützpunkt pro Tag zu ihren Empfängern gebracht, so Ebeling. Dieses Pensum blieb nun einfach liegen und muss in den kommenden Tagen abgearbeitet werden. Der Gewerkschaftssekretär schätzt, dass dies etwa bis Samstag, maximal bis Anfang nächster Woche dauern werde.

Ob in Waren auch in den kommenden Tagen Briefzusteller ihren Dienst zugunsten eines höheren Verdienstes niederlegen, bleibt unklar. „Das waren erst mal Warnstreiks, mit denen wir den Arbeitskampf aufbauen“, deutete Ebeling im Gespräch mit dem Nordkurier an, dass weitere zeitnahe Streiks möglich sind. Am 21. und 22. September treten Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter in die bereits dritte Tarifrunde ein. Bis dahin kann sich die Lage auch im übrigen Altkreis Müritz verschlimmern, schließlich gibt es auch in Malchow und in Penzlin Zustellstützpunkte. Auch dort seien die Mitarbeiter schon jetzt bereit, für bessere Verdienstmöglichkeiten zu streiken, kündigte der Sprecher an.

Enormer Gewinn der Post während der Pandemie

Mit potenziellen Warnstreiks in diesen Regionen sei schließlich die Zustellung bis in den letzten Winkel der Ortschaften nicht mehr gewährleistet – zumindest nicht bis zum 22. September. Auswirkungen auf die Briefwahl zur Warener Bürgermeisterwahl am 13. September seien laut Thomas Ebeling aber weitgehend auszuschließen. Die Briefwahlunterlagen werden in Neubrandenburg vorsortiert und gehen dann gebündelt an die zuständige Wahlleitung. Bisher hat die Stadt laut Hauptamtsleiter Florian Tornow insgesamt 2600 Briefwahlunterlagen ausgegeben.

Die Gewerkschafter fordern für die bundesweit rund 140.000 Tarifbeschäftigten ein lineares monatliches Verdienstplus von 5,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem sollen die Auszubildenden und Dual-Studierenden im Monat 90 Euro mehr erhalten. Und die Postzulage für die verbeamteten Postmitarbeiter soll fortgeschrieben werden.

Begründungen für diese Forderung gibt es viele. Die, die Ebeling voranstellt, ist der enorme Zusatzgewinn der Post. Denn während andere Unternehmen pandemiebedingt um ihre Existenz bangten, erhöhte die Deutsche Post ihre Gewinne durch die Post- und Paketzustellung um etwa 50 Prozent. Die Mitarbeiter partizipierten von diesem Erfolg bislang nicht zusätzlich. Im Gegenteil: Das Sendungsaufkommen sei durch Online-Geschäfte derart gestiegen, „dass die Zusteller seit Wochen so hart wie im Weihnachtsmodus arbeiten“. Das vom Arbeitgeber unterbreitete Angebot einer 1,5-prozentigen Gehaltserhöhung „ist eine Frechheit“, so Ebeling.

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