SCHALLPLATTEN

Produktion an der Müritz leidet unter Flammeninferno in den USA

Rammstein, Grönemeyer, Lindenberg und Helene Fischer gehören zu den Kunden des Schallplattenwerks in Röbel. Ein Großbrand in den USA macht diesem nun zu schaffen.
Wartet auf neue Rohstoffe: In Röbel sitzt mit Optimal Media der weltgrößte Schallplattenproduzent (Archivbild)
Wartet auf neue Rohstoffe: In Röbel sitzt mit Optimal Media der weltgrößte Schallplattenproduzent (Archivbild). Bernd Wüstneck
Röbel.

Das Flammeninferno in einer Fabrik in der Nähe von Los Angeles ist gelöscht, die Folgen des Brandes in der Ferne sind jedoch bis in die Müritz-Region zu spüren. Denn die US-Firma Apollo Masters hat mit sogenannten Lackfolien einen „Rohstoff“ hergestellt, die für die Herstellung von Schallplatten unverzichtbar ist.

Von diesen Vinyl-Scheiben hat Optimal Media in Röbel im vergangenen Geschäftsjahr mehr als 25 Millionen Stück produziert. „Wir sind damit inzwischen der weltgrößte Schallplattenhersteller“, sagt Unternehmenssprecherin Petra Funk selbstbewusst.

Preise dürften steigen

Müssen die Kunden jetzt länger warten, wenn sie Schallplatten mit Bands und Künstlern wie Rammstein, Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg, Helene Fischer oder The Beatles kaufen wollen? „Wir gehen davon aus, dass sich der Großbrand in Kalifornien auch in Europa und im deutschen Musikmarkt bemerkbar machen wird“, schätzt Optimal-Chef Jörg Hahn ein.

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Das habe vor allem damit zu tun, dass die Lackfolien lediglich von Apollo Masters bei Los Angeles und einem Anbieter in Japan hergestellt werden, wobei die US-Amerikaner den Bedarf zu drei Vierteln abgedeckt hatten. Es sei damit zu rechnen, dass die Preise der knapper werdenden Lackfolien steigen dürften.

Platten ohne Lackfolien? Möglich, aber kompliziert

Es ist das gängige Verfahren bei der Produktion: Die Musik wird mit einem beheizten Stichel in die Lackfolie eingeschnitten, die auf einer Aluminiumscheibe liegt. In einem mehrstufigen Verfahren entstehen daraus die „Stamper“, die an der Pressmaschine die Rillen in die Vinylscheibe drücken, von denen Optimal Media bis zu 120.000 Stück am Tag herstellt.

Ohne Lackfolien keine Platten? „Wir stehen zu dem Thema im Austausch mit unseren Kunden, die wir auch weiterhin bestmöglich mit Vinylproduktionen versorgen werden“, versichert Firmenchef Hahn. Die Röbeler können eine Alternative anbieten: Das Unternehmen nutzt ein zweites Verfahren, um die „Ur-Schallplatte“ zu schneiden.

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Beim DMM-Verfahren (Direct Metal Mastering) werde statt der Lackfolie eine Kupferschicht genutzt, erläutert Optimal-Bereichsleiter Andreas Kohl vom Berliner Unternehmensstandort. Diese Verfahren sei aber nur wenig verbreitet, weil es weltweit aus patentrechtlichen Gründen nur wenige DMM-Schneidemaschinen gebe, von denen eine auch Optimal Media stehe.

„Mit diesem Verfahren sind wir unabhängig, denn wir fertigen die notwendigen Kupfermatrizen selbst an“, berichtet Kohl zufrieden. Bisher hatten Kundenwünsche oder die Kompetenz der Toningenieure den Ausschlag dafür gegeben, welcher Schnitt ausgewählt wurde.

Schallplattenmarkt wächst in Deutschland stetig

„Wir arbeiten bereits daran, unsere Kapazitäten im Bereich des Kupferschnitts aufzustocken“, kündigt Geschäftsführer Hahn an. Die werden vielleicht benötigt. In der Branche könnte sich jetzt ein Problem auftun, sagt sein Kollege Andreas Kohl. „Wir sind ein Sonderfall, weil wir Schnitt und Pressung anbieten.“

Es sei üblich, dass viele Musikverlage ein eigenständiges Schnittstudio beauftragen, das dann die vorbereitete Lackfolie nach Röbel zur Weiterverarbeitung gebe. Diese Schnittstudios könnten seiner Ansicht nach die erwartete Verknappung bei den Lackfolien zu spüren bekommen. „Wir wissen, das die Japaner keine Neukunden mehr beliefern können“, so Kohl.

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Schallplattenumwachs wächst

Der Schallplattenmarkt in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen: Wurden 2009 noch neun Millionen Euro mit den Vinyl-Scheiben umgesetzt, ist diese Summe auf rund 70 Millionen Euro im Jahr 2018 gestiegen. In den USA erwarten Experten sogar für dieses Jahr, dass der Umsatz mit Schallplatten erstmals wieder die CD abhängen wird.

Optimal Media in Röbel hatte bereits 1995 damit begonnen, zusätzlich zur CD-Fertigung eine eigene Schallplattenherstellung mit anderswo abgeschriebenen Maschinen aufzubauen. Unter den Kunden befinden sich heute große Musikmarken wie Universal Music, Sony und Warner ebenso wie kleinere Verlage. Optimal Media war 1990 mit zwölf Mitarbeitern gestartet und zählt als Tochter des Hamburger Musikkonzerns Edel heute rund 750 Beschäftigte.

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