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Finanznot

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Produktionsschule muss harte Einschnitte vornehmen

In der Holzwerkstatt der Warener Produktionsschule werden handfeste Sachen gebaut, zum Beispiel Tische und Bänke.
In der Holzwerkstatt der Warener Produktionsschule werden handfeste Sachen gebaut, zum Beispiel Tische und Bänke.
Produktionsschule

Noch nie wurden so viele Jugendliche in Ausbildungen vermittelt, noch nie stand es finanziell so schlecht um die CJD-Produktionsschule Waren.

In einer Sache gab es unter den Mitgliedern des Jugendhilfe-Ausschusses Einigkeit: Die Warener Produktionsschule des CJD ist erfolgreich und muss erhalten werden. Doch wie kann die Einrichtung für das kommende Jahr gerettet und darüber hinaus für die Zukunft gesichert werden? Das war der Knackpunkt, über den sich die Mitglieder des Jugendhilfe-Ausschusses des Kreistages die Köpfe zerbrachen. Den Stein ins Rollen gebracht hatte ein Hilferuf des Trägers CJD, das die Produktionsschule in Gefahr sieht.

Denn mit dem Rückzug der Bundesagentur für Arbeit (BfA), die nicht mehr im gleichen Umfang wie in den vergangenen Jahren Plätze in der Warener Produktionsschule für Jugendliche ohne Schulabschluss „einkauft“, ist das Finanzierungsmodell der Einrichtung in Schieflage geraten, so Kornelia Hennek, Gesamtleiterin des CJD Nord.

Fehlbetrag ist nicht mehr auszugleichen

Das Land schießt zu dem jährlichen Bedarf der Produktionsschule bereits einen gedeckelten Höchstbetrag von 60 Prozent zu. Und der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte beteiligt sich derzeit mit 20 Prozent. Mit dem Rückzug der BfA, die für 2019 angekündigt hat, nur noch fünf der insgesamt 60 Plätze in der Produktionsschule finanzieren zu wollen und anschließend keinerlei Plätze mehr, klafft eine Lücke, machte Kornelia Hennek deutlich.

2017 hatte die Agentur 20 Plätze für Jugendliche ohne Schulabschluss genutzt. Schon 2018 nutzte sie weniger Plätze. „Den Fehlbetrag für 2018 konnten wir ausgleichen, das gelingt uns aber für 2019 nicht“, sagte sie den Ausschuss-Mitgliedern. Es werde ein Fehlbetrag von rund 36 000 Euro bleiben. Und der werde sich in den Jahren nach 2019 vermutlich noch erhöhen, da auch die Produktionsschule steigende Kosten hat.

Einschränkungen federn die großen Defizite ab

Dass das zu erwartende Defizit für 2019 nicht noch höher ausfällt, ist den drastischen Einschnitten zu verdanken, die das CJD an dem Erfolgsmodell Produktionsschule Waren vornehmen muss: Eine der sechs Werkstätten wird schließen. „Wir reduzieren die Zahl der Personalstellen, auch die Honorare für Lehrkräfte und Verwaltungskosten werden reduziert“, machte Kornelia Hennek deutlich.

Auch zehn Stellen für Jugendliche werden gestrichen, obwohl der Bedarf sogar steigt. „Wir haben mehr Anfragen. Wir haben jetzt schon eine Auslastung von 110 Prozent“, so Holger Kiehn, Leiter der Produktionsschule.

Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss steigt

Während in der Müritzregion zum Beispiel im Jahr 2015 genau 39 Jugendliche die Schule ohne Abschluss verließen, waren es 2017 bereits 59. Gerade erst gab es Zeugnisse: 14 Jugendliche haben in der Produktionsschule ihren Schulabschluss abgelegt. 28 Jugendliche, so Holger Kiehn, konnten in diesem Jahr in Abschlussqualifizierungen vermittelt werden – eine Erfolgsquote, die 2018 besonders hoch war.

Dass das nicht gefährdet werden darf, war den Mitgliedern des Jugendhilfe-Ausschusses klar. Doch woher soll das Geld für die Produktionsschule kommen? Der Kreishaushalt befindet sich in der Konsolidierungsphase und ist kaum in der Lage, zusätzliche Mittel locker zu machen, so Ausschuss-Vorsitzende Diana Kuhk (CDU). Es sollen nun alle Beteiligten von Land, Landkreis, CJD und BfA an einen Tisch kommen, um nach Lösungen zu suchen.