Ausgepeitschte Sarah H.
Prozess um Folter-Tod in Alt Rehse zieht sich noch Monate hin

Blick auf das Haus Rethra in Alt Rehse: Hier soll der Angeklagte in den letzten Wochen wieder öfter gesehen worden sein.
Blick auf das Haus Rethra in Alt Rehse: Hier soll der Angeklagte in den letzten Wochen wieder öfter gesehen worden sein.
Ingmar Nehls

Der Prozess um die tote Sarah H. aus Alt Rehse findet nun schon zum dritten Mal statt. In Gerichtskreisen hält man einen Freispruch gar nicht für abwegig.

Für die Alt Rehser wird der Prozess um den Foltertod einer jungen Frau mitten in ihrem Dorf immer mehr zur Justizodyssee. Der zieht sich nun seit gut drei Jahren hin. Manche Zeugen stehen inzwischen das dritte Mal vor Gericht. Die Länge des Verfahrens sei unerträglich und belaste die Zeugen seelisch, sagt Penzlins Bürgermeister Sven Flechner (WPL). Er selbst wurde jüngst erneut angehört.

Das Verfahren gegen den „Peitscher von Alt Rehse“ wurde vor einigen Monaten neu aufgerollt, nachdem der Angeklagte gegen das erste Urteil des Landgerichtes über eine fünfjährige Freiheitsstrafe Berufung eingelegt hatte. Es ist nun bereits der dritte Prozess. Ein zweiter Prozess war 2018 geplatzt, weil ein Richter erkrankt war und ein anderer Richter in Ruhestand ging. Dem Mann wird vorgeworfen, seine Lebensgefährtin Sarah H. 2016 ans Bett gefesselt, sie ausgepeitscht und dort sterben gelassen zu haben.

Der Angeklagte schweigt weiter

Seit Februar wird nun wieder verhandelt – allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. In der dritten Prozessrunde fanden laut Pressestelle des Landgerichtes Neubrandenburg bereits 17 Verhandlungstage statt, an denen 42 Zeugen angehört worden sind. Weitere 13 Prozesstage sind laut Gerichtssprecher Christian Weidlich bis zum 19. August angesetzt. Mit einem Urteil sei nicht vor Ende September zu rechnen. Bis dahin sollen weitere 20 bis 25 Zeugen verhört werden.

Das, was diese vor Gericht erzählen, hat in der Bewertung des Falles großes Gewicht. Denn nachdem sich der Beschuldigte laut Weidlich immer noch nicht zur Sache einlasse und über seine Schuld am Tod der gefesselten Lebensgefährtin Sarah H. schweigt, soll mithilfe der Menschen aus seinem persönlichen Umfeld die Schuldfähigkeit geklärt werden. Diese Betrachtung soll im ersten Prozess zu kurz gekommen sein, weshalb der Bundesgerichtshof das Urteil aufgehoben hatte.

Bei Freispruch gibt es Entschädigung

Noch ist der Mann aus Alt Rehse nicht rechtskräftig verurteilt. Nach langer Untersuchungshaft befindet er sich derzeit auf freiem Fuß und wurde in den vergangenen Wochen mehrfach an seinem Haus gesehen. Vom Freispruch bis hin zu einer Verurteilung mit anschließender Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung ist jedes Urteil denkbar. Fest stehe aber schon jetzt, dass eine längere Freiheitsstrafe als fünf Jahre nicht in Betracht kommt. Denn gegen dieses erste Urteil hatte der Angeklagte Rechtsmittel eingelegt. Nun gilt ein Verschlechterungsgebot.

Auch der für viele schlimmste anzunehmende Fall – ein Freispruch – kommt in Betracht. In Gerichtskreisen hält man dies für gar nicht abwegig. Die Ansicht wird mit der „dürftigen Faktenlage“ begründet. In diesem Fall müsste der Mann zusätzlich von Steuergeldern für seine Zeit in der Untersuchungshaft entschädigt werden. Vorgesehen ist ein Betrag von 25 Euro pro Tag. Das macht bei rund zweieinhalb Jahren eine Entschädigung von rund 22.750 Euro.

Selbst wenn das Urteil eine fünfjährige Freiheitsstrafe anordnet, hätte der Beschuldigte mindestens die Hälfte davon schon in der U-Haft abgesessen. Längerfristig aus dem Verkehr ziehen könnte ihn lediglich die festgestellte eingeschränkte Schuldfähigkeit oder Schuldunfähigkeit zum Tatzeitpunkt. Dann käme eine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung in Betracht. Das jedoch nur, „sofern weitere Straftaten von erheblichem Gewicht zu erwarten wären“, erklärt Weidlich.

Kommentare (1)

Widerwärtig wie sich Menschen drüber aufgeilen, Na hat der Nordkurier hier nicht ordentlich zugehört sonst wüsste man das, gewisse "Prominente" Zeugen gar nich gehört wurden und einfach nur dummes Lala ist. Der Angeklagte schweigt?! Soso.. Warum schreibt man den nicht was wirklich war? Warum ein Freispruch gar nicht abwegig ist... Ermittler viele unverzeihbare Fehler gemacht haben.. Und am Ende die ganze Geschichte doch nicht so spektakulär gewesen war. Das widerliche geschimpfe auf allen sozialen Netzwerken von Menschen die einfach gar keinen Plan haben ist die Spitze vom Eisberg. Und zeigt welch Kranke Phantasien in jedem schlummern. Aber hier das ist ja auch wieder nur Perlen vor die Säue geworfen und lockt nur bösartige, hasserfüllte Menschen an.