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Rätselraten um Turmkugel: Wo ist der Inhalt?

Unter den achtsamen Augen der Feuerwehr-Mitglieder öffnet Dietmar Minke mit einem Propangas-Lötgerät die Turmkugel.
Unter den achtsamen Augen der Feuerwehr-Mitglieder öffnet Dietmar Minke mit einem Propangas-Lötgerät die Turmkugel.
Nadine Schuldt

Zur Turmkugel-Öffnung in Groß Dratow war alles perfekt vorbereitet: Die Sonne schien, der Gottesdienst war herzlich und die Kaffeetafel schon gedeckt. Jetzt fehlte nur noch der "Schatz" aus der Kugel. Doch die Überraschung blieb aus.

Befinden sich Münzen oder wertvolles Geschmeide in der Turmkugel? Oder steckt ein historisches Dokument darin? Gespannt waren wohl die meisten Besucher, die am Sonntag beim Turmkugel-Gottesdienst in der Groß Dratower Kirche erschienen.

Dort wurde jenes runde Behältnis, das sich an der Stange unterhalb des Wetterhahns befindet, geöffnet. Die Kirchengemeinde hatte die Stange während der aktuellen Kirchturmdach-Sanierung abgenommen, um sie reparieren und die Kugel öffnen zu können.

Letzteres erledigte Klempnermeister Dietmar Minke. Zu seinem und dem Erstaunen aller Gäste befanden sich weder Münzen noch wertvolle Papiere in dem Gefäß. „Es ist nur ein stark verwittertes Dokument darin enthalten“, sagt Minke. Er zeigt dabei auf das marode Papier das samt abgebröckeltem Rost nach dem Öffnen auf dem Boden lag.

Die Kugel war bereits 1974 geöffnet, aber dann nicht wieder fachgemäß verschlossen worden. Dadurch sei Wasser eingedrungen und das Material gerostet, so Minke. Einer, der 1974  dabei war, ist der damalige Pastor Henning Haack. „Wir hatten damals wieder etwas hinein getan, aber was, das kann ich nicht mehr sagen“, sagt Haack, der gespannt die Öffnung verfolgte. Er sei enttäuscht, dass nichts mehr im Gefäß enthalten ist. Auch Barbara Schröder von der Bauverwaltung des Kirchenkreises Mecklenburg war traurig, dass keine Schatulle in der Kugel enthalten war. „Eigentlich ist es üblich, dass man so etwas dazu gibt.“

Bürgermeister Berthold Schulz ist dagegen nicht sauer. „Durch eine mündliche Überliferung hatte ich vermutet, dass sich arabische Münzen in der Kugel befinden“, sagt er. Das wäre möglich, da der Dinar um 1050 die Währung der Wikinger war und sich das Volk in dieser Zeit im Norden Deutschlands aufhielt, erläutert Schulz. So sei es auch möglich, dass die hiesige Kirche aus dem 12. Jahrhundert bereits einen Vorgängerbau mit wertvollen Beigaben besaß. Schulz will nun nachforschen, ob während der Notreparatur in den Siebziger Jahren bedeutsamer Kugelinhalt entweder ins Kirchen- oder ins Staatsarchiv nach Schwerin gelangte.