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Raps bedroht Bienen, Bienenschutz bedroht Raps

Auf vielen Feldern der Region leuchtet jetzt wieder der Raps. Doch die EU hat neue Verordnungen beschlossen, die den Imkern Freude machen, den Bauern aber nicht.  FOTO: S. Musyal

VonSören MusyalMüritz-Bauern bangen schon um ihre Ernte, denn bestimmte Pflanzenschutzmittel sind bald verboten. Aber Ersatz gibt es noch ...

VonSören Musyal

Müritz-Bauern bangen schon um ihre Ernte, denn bestimmte Pflanzenschutzmittel sind bald verboten. Aber Ersatz gibt es noch nicht.

Müritzregion.„Im Extremfall“, betont Matthias Schmidt. „Im Extremfall kann es zu Totalausfällen kommen.“ Schmidt ist Geschäftsführer des Müritzer Bauernverbandes und beschreibt ein Horrorszenario für das kommende Jahr. Dann nämlich dürfen drei bestimmte Pflanzenschutzmittel nicht mehr für den Raps- und Maisanbau verwendet werden.
Die Mittel stehen im Verdacht, für das mysteriöse Bienensterben mitverantwortlich zu sein. „Imker haben irgendwann festgestellt, dass die Bienen nicht mehr zurück in ihre Stöcke kommen“, erklärt Dr. Burkhard Roloff vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die Honigsammlerinnen verlieren die Orientierung – die Folge sei der Tod. Doch für Schmidt ist das nur die halbe Wahrheit: „Es gibt Studien, die diese Wirkung nachweisen, und es gibt Studien, die das nicht tun.“ Das bestätigt auch Roloff. Es komme auf den Auftraggeber an. „Wer eine Studie bestellt, bekommt auch sein Ergebnis“, meint der Landwirtschaftsexperte. Warum sich die EU-Kommission nun letzten Endes für diese Studie entschieden habe? „Da müssen Sie Brüssel fragen“, so Schmidt.
Dabei gesteht auch er ein, dass es Bienenvergiftungen gegeben hat. Diese seien jedoch durch den Insektizideinsatz an Mais entstanden.
Tatsächlich wurden im Frühjahr 2008 zehntausende Bienenvölker in der Oberrheinregion geschädigt, weil dort eines der nun verbotenen Insektizide eingesetzt wurde. Trotzdem könne man diese Ereignisse nun nicht eins zu eins auf Raps übertragen, ist Schmidt überzeugt. „Das ist nicht richtig!“
Doch die Entscheidung der EU steht. Und während Roloff diese als „großen Erfolg für die Umwelt und die Bienen“ sieht, schauen nun nicht nur die Bauern der Müritzregion gespannt auf die Chemieindustrie. „Wir brauchen Ersatz“, macht Schmidt klar. Zwar dürfen besagte Mittel für die anstehende Rapsernte im August noch verwendet werden, ab 2014 aber sind diese dann für mindestens zwei Jahre verboten.
Und Raps wird überall gebraucht – ob als Futtermittel, für Öl und Kraftstoff oder aber als Ernteflächen für Imkereien. „Wenn wir die Saat nicht vor Fressfeinden schützen können, müssen wir mit deutlichen Mindererträgen rechnen“, prognostiziert Schmidt. Für Roloff wäre das kein Problem. „Wir haben ohnehin zu viel Raps in der Fruchtfolge“, meint er. Weniger Raps sei also ein guter Preis für mehr Bienen.

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