Nach 30 Jahren

Rechlin hat nun endlich einen Wappenbrief

Heute würde das Rechliner Wappen so nicht mehr genehmigt werden. Dafür gab es dreißig Jahre nach der Eintragung in die Wappenrolle endlich auch einen Wappenbrief.
Wappen
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Rechlin

Es ist das erste Wappen, dass in die Wappenrolle des Landes Mecklenburg-Vorpommern eingetragen wurde. Das geschah am 5. November 1990 und ist vermutlich auch der Grund dafür, dass damals nicht so genau hingeschaut wurde.

Nach Aussage des Rechliner Bürgermeisters Wolf-Dieter Ringguth hatte Schwerin nach der politischen Wende ganz andere Aufgaben zu bewältigen, als den Wunsch nach dem Wappen einer Gemeinde im fernen Rechlin zu erfüllen. Einen Heraldiker, also einen Fachmann in Wappenkunde, hatte man auch nicht. So oder so ähnlich lautete die Antwort aus der damals neuen Landeshauptstadt. Es brauchte mehrere Anläufe des damals jungen Bürgermeisters Ringguth, der auf diesem Weg die Leute stolz auf Dorf und Gemeinde machen wollte.

Hilfe hatte er unter anderem von Erwin Fleischer (82). Er war einst der Zeichenlehrer des Bürgermeisters und hat Wappen gezeichnet. Heraldisch, also nach den Richtlinien der Wappenkunde gesehen, ist das Rechliner Signet aus den Wappen zweier erloschener Adelsgeschlechter verschmolzen, die über Jahrhunderte am Südufer der Müritz lebten. Eine Adelsfamilie war „Die von Retzows“ die im gleichnamigen Ort lebten. Aus deren Wappen stammen drei „Pfeilspitzen nebeneinander schräglinks“. Sie symbolisieren Fischeisen, mit denen beispielsweise Hechte gestochen wurden. Die Pfeilspitzen waren im Original jedoch weiß dargestellt, das steht für Metall. Erst später stellte sich heraus, dass so ein Wappen heute nicht mehr genehmigt würde, weil Farbe auf Farbe in der Heraldik nicht üblich ist, sondern nur Metall auf Farbe oder umgekehrt. Blau und Rot sind jedoch Wappenfarben. Somit hat das Wappen eine ähnliche Geschichte, wie die Blaue Mauritius, auf der nach einer Legende ein falscher Text stehen soll.

Abweichungen in der Wappenbeschreibung

Zurück zum Wappen: Das zweite Geschlecht waren „Die von Kerbergs“ aus Klopzow, einem Ort, der nach Aussage des Bürgermeisters viel älter als Rechlin war und den es heute nicht mehr gibt, weil er im Dritten Reich verschwand. Fundamente und Brunnen zeugen noch von diesem Ort. Das Wappen der Kerbergs hatte „in Rot vier schräglinks endende silberne Seitenkeile“ also Speerspitzen, die in nun auch in ein rotes Wappenfeld hineinragen. Da es keine Nachfahren dieser Geschlechter mehr gibt, konnten die Wappen verwendet werden.

Vom Innenministerium wurde das Signet genehmigt, dessen Sprecherin dem Nordkurier mitteilte, dass die Gemeinde Rechlin durchaus seit 1990 die Erlaubnis zum Führen eines Wappens besitzt. Weil das Verfahren damals ein anderes war, gab es keinen Wappenbrief. Als Bestandteil der Genehmigung wurde der Gemeinde der Wappenbrief als offizielles Dokument zur Komplettierung der Unterlagen nun doch zugestellt. Als einen Grund für die über dreißig Jahre dazwischen sah die Sprecherin, dass es kleinere Abweichungen in der Wappenbeschreibung der Gemeindesatzung im Vergleich zu der in der Wappenrolle gab, die erst angepasst werden mussten.

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