Nachdem die Sitzung unterbrochen wurde, diskutierte der Mann im Foyer des Bürgersaals noch mit einigen Stadtvertretern wi
Nachdem die Sitzung unterbrochen wurde, diskutierte der Mann im Foyer des Bürgersaals noch mit einigen Stadtvertretern wie Volker Seemann, Petra Klebba, Sebastian Paetsch und Heiko Seifert. Ingmar Nehls
Die Stadtvertreter hörten eine Weile zu, bis dem Störer das Wort entzogen wurde.
Die Stadtvertreter hörten eine Weile zu, bis dem Störer das Wort entzogen wurde. Ingmar Nehls
Sehr laut und unsachlich war das, was der Mann den Stadtpolitikern an den Kopf warf.
Sehr laut und unsachlich war das, was der Mann den Stadtpolitikern an den Kopf warf. Ingmar Nehls
Stadtvertretung Waren

Reichsbürger und AfD-Sympathisant sorgt für Eklat

Schon bei der Sondersitzung fiel ein Gast durch Zwischenrufe auf. Nun nutzte er die Einwohnerfragestunde, um Warens Stadtvertreter zu beschimpfen.
Waren

Er nennt sich „Aurelio L” und behauptet, ein Warener Bürger zu sein. Ob das stimmt, lässt sich nicht überprüfen, denn seinen bürgerlichen Namen wollte er den Pressevertretern nicht nennen. „In meinem Staat heiße ich Aurelio. In Ihrem Staat hat man vielleicht einen Vor- und Nachnamen”, sagte er im Foyer des Bürgersaals, nachdem ihm das Wort in der Einwohnerfragestunde bei der Stadtvertretersitzung am Mittwochabend entzogen und die Sitzung unterbrochen wurde.

Schon bei der von der AfD-Fraktion initiierten Sondersitzung zum Thema Energieversorgung war der Gast durch störende Kommentare und Zwischenrufe aufgefallen. Am Mittwochabend wollte „Aurelio: L” dann die Einwohnerfragestunde nutzen, um seinen Unmut über die Stadtpolitiker kund zu tun. Sinn der Einwohnerfragestunde ist es, das Bürger der Stadt Waren und Personen, die ein Geschäft in der Stadt betreiben, Fragen an die Verwaltung und die gewählten Vertreter stellen können zu Themen, die nicht auf der Tagesordnung stehen.

Sitzung wurde unterbrochen

„Aurelio L” hingegen sprach – in einer unangenehmen Lautstärke – über Flüchtlinge und abgeschaltete Sirenen und darüber, dass man die AfD absichtlich in eine Schmuddelecke stellen wolle. Versuche des Sitzungsleiters Rainer Espig (Die Linke), den Vortrag zu unterbrechen und eine konkrete Frage einzufordern, wollte der unbekannte Redner nicht gelten lassen. Es ist der Bürgersaal und darum habe der Bürger hier das Sagen, sagte er. „Der Souverän bestimme und nicht die Politiker. Die sind die Diener und nicht die Herren!”

Nachdem sich die Stadtvertreter dies eine Weile angehört hatten, unterstützen sie auch Rainer Espig dabei, dem Redner das Wort zu entziehen und die Sitzung zu unterbrechen. Auch ein weiterer Bürger, der neben „Aurelio:L” saß, machte seinem Ärger Luft und beleidigte die Stadtvertretung als „Muppet Show”.

Keine Video- und Tonaufnahmen erlaubt

Im Foyer diskutierte der Mann schließlich noch mit einigen Stadtvertretern wie Volker Seemann, Petra Klebba, Sebastian Paetsch und Heiko Seifert. „Der Bürgersaal ist für Kulturveranstaltungen gebaut. Wir nutzen ihn. Aber der Bürger kann hier nicht machen, was er will. Man muss Regeln beachten”, sagte Volker Seemann.

Die Stimmung hatte sich schon zu Beginn der Sitzung aufgeheizt, als Rainer Espig einige Bürger darauf hinwies, dass Video- und Tonaufnahmen nur von der Presse gemacht werden dürfen. Dass dies in der Kommunalverfassung steht, wollte einige Gäste nicht interessieren. „Das ist der Bürgersaal, also entscheiden wir Bürger. Wir sind der Souverän”, hieß es wieder von dem Störer. Nur nach erneuter Ermahnung und der Androhung, vom Hausrecht Gebrauch machen zu müssen, konnte Rainer Espig das Filmverbot durchsetzen.

AfD-Fraktion distanziert sich

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Frank Müller distanzierte sich von dem Verhalten der AfD-Sympathisanten. „Wir haben ein anderes Verständnis davon, wie man miteinander redet”, sagte Müller. Mit Betroffenheit habe er das zur Kenntnis genommen, was sich hier abgespielt habe, sagte Volker Seemann und schob in Richtung AfD-Fraktion nach, dass sie das gerne in die Runde weitergeben sollen, mit denen sich die Fraktion regelmäßig treffe.

Toralf Schnur (FDP/MUG) sprach von einem Dammbruch, der sich abgespielt habe. „Dieser Vorgang erschreckt mich in Art und Umfang. Wenn einzelne für sich in Anspruch nehmen, für den Souverän zu sprechen, ist das unanständig und eine Herabwürdigung. Der Souverän hat entschieden, dass wir hier als Vertreter für den Souverän sitzen”, sagte Schnur.

Auch Bürger kamen nach der Sitzung zu den Pressevertretern, um sich ausdrücklich von dem zu distanzieren, was vorgefallen war. „Wir sind hier zu fünft hergekommen, weil wir uns Sorgen darüber machen, wie wir die steigenden Preise bezahlen sollen. Dazu wollten wir uns informieren”, sagte eine Frau. Sie könne vor Sorge nicht einschlafen, wenn man sie mit solchen Leuten in Verbindung bringe.

 

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Kommentare (3)

Ist das nicht Framing, Herr Nehls?
Nur weil der Typ einmal AfD in den Mund nimmt und sogar eine Wahrheit ausspricht, ist das ein AfD-Sympathisant?
Bei welchem Verein wird der Aurelio L geführt und dafür bezahlt?

Das scheinen Verwirrte zu sein, wenn diese von Bürgersaal auf Bürger schliessen, die in diesem Saal bestimmen dürfen. Wenn einer meint, er sei Bürger eines anderen Staates, ist er keineswegs Souverän der Bundesrepublik. Dass Politiker auch Bürger sind - geschenkt, die politische Bildung ist sowieso in diesem wie in dessen Land rudimentär.

Eigentlich brauchen diese Menschen psychologische Hilfe, das ist nur leider nicht gegen den Willen der Betroffenen möglich. Sogenannte Querdenker und Reichsbürger und auch ein gewisser Ex-US-Präsident erwecken leider den Eindruck, solches Verhalten und solche Positionen seien "Salonfähig".
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